Eisenach. Weil Trainer Kaufmann die Ideen nie ausgehen, feierte der ThSV Eisenach mit dem Sieg gegen Flensburg den endgültigen Klassenerhalt nicht auf der Couch sondern mit 3000 Fans.

Torjäger Manuel Zehnder stand auch eine Stunde nach dem aufregenden Handball-Hit noch auf der Tribüne und plauderte mit den Fans. 28:27 (14:13) gegen den Tabellendritten SG Flensburg-Handewitt. Am Samstagabend war der Klassenerhalt für den ThSV Eisenach endgültig geschafft. „Jetzt feiern wir, so lange es heute eben geht. Ich glaube, morgen kriegen wir vom Trainer frei“, grinste der Schweizer mit einem Bier in der Hand.

Zehnder behält die Nerven und netzt zwölf Mal ein

Zehnder war ein paar Tage zuvor mit der „Nati“ an Favorit Slowenien in der WM-Qualifikation nur hauchdünn gescheitert, verwarf im Siebenmeter-Entscheid. „Das war hart, doch im Sport geht es schnell weiter“, so Zehnder, der sich gegen die SGW von seinem ersten vergebenen Strafwurf nicht erschüttern ließ und noch zwölf Treffer markierte. Doch die Sensation gegen den Favoriten mit seinen vielen Weltstars hatte an diesem unvergesslichen Abend viele Väter.

Da war die disziplinierte fehlerfreie Abwehr mit Meyer und Patrail an der Spitze, Keeper Kornecki, der 15 Bälle, darunter den entscheidenden in der Schlusssekunde, abwehrte. Und eben Zehnder und Jungnationalspieler Grgic im Angriff.

Der Sieg gelang auch trotz des fast kompletten Ausfalls auf den Außenpositionen. Snajder hatte sich im Training den Fuß gebrochen, Weyhrauch fehlte wegen Achillessehnenproblemen, ein erkälteter Ende schaffte es erst kurz vorm Anpfiff und der sonst so zuverlässige Reichmuth hatte mit vier Fehlwürfen einen schlechten Tag.

 Dustin Kraus traf in ungewohnter Rolle von beiden Außenpositonen drei Mal.
Dustin Kraus traf in ungewohnter Rolle von beiden Außenpositonen drei Mal. © FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

So schlug die Stunde von Dustin Kraus. Der 23-Jährige, der im Winter aus Potsdam als „Lehrling“ kam, hatte noch nie auf Außen agiert. „Wir brauchten eine Lösung, haben viel diskutiert. Dass sie dann aber so funktionierte, hätte ich nicht gedacht. Ein kleines Wunder“, berichtete Trainer Misha Kaufmann später. Kraus, dicht umringt von Fans, die Selfies und Autogramme wollten, konnte es selbst nicht glauben. „Von rechts und von links drei Tore, was für eine Quote“, lachte der Blondschopf, der erst vor zwei Wochen in Balingen seinen ersten Bundesligatreffer erzielt hatte.

Coach Kaufmann, der von den über 3000 Zuschauern mit Sprechchören gefeiert wurde, genoss still den Erfolg. „24 Punkte als Aufsteiger, der, so mancher Experte, sowieso gleich wieder absteigen würde. Wir haben ein Wunder geschafft“, sagte Kaufmann. Es sei die „Entwicklung einer Mannschaft mit unglaublicher Gier und Ehrgeiz“ seit dem Saisonbeginn gewesen, die alle nun feiern ließe. „Wir wollten auch mal einen Großen schlagen“, meinte Kapitän Peter Walz. Gegen Flensburg gelang das sogar erstmals in Eisenachs Historie. So brauchte man den Klassenerhalt am Sonntag nicht allein auf der Couch zu feiern.

Saisonparty am 7. Juni in der Werner-Aßmann-Halle

Nun warten noch zwei Gala-Spiele in Hamburg am 29. Mai und gegen die Füchse Berlin (2. Juni), bevor am 7. Juni die große blau-weiße Party in der Werner-Aßmann-Halle steigt. Trainer Kaufmann ist sich sicher: „Wir haben noch nicht genug.“