Erfurt. Tischtennis-Landestrainer Frank Schulz blickt den Finals erwartungsvoll entgegen. Zum persönlichen „Betriebs-Jubiläum“ passen vielversprechende Vorleistungen der Thüringer Talente.

Frank Schulz ist in seiner zehnten Saison als Tischtennis-Landestrainer tätig. Die TT-Finals in Erfurt besitzen für den 40-jährigen Düsseldorfer besonderen Wert. Zum „Betriebs-Jubiläum“ lassen gerade die Talente einiges erwarten.

Vier Meisterschaften in einer, größer, länger und erstmals in Thüringen. Was bedeuten die TT-Finals für Sie?

Unsere höchste Fördereinrichtung ist durch das Sportgymnasium hier, unsere Geschäftsstelle ist hier, auch der Landessportbund. Insofern ist der Fokus ein viel höherer, als wäre die deutsche Meisterschaft an einem anderen Ort. Es war von Anfang an das große Ziel für unseren Verband, so viele Teilnehmer wie möglich in den Nachwuchsklassen U19 und U15 zu stellen.

Nun sind es in Summe von den Leistungsklassen bis zu den Erwachsenen 24 Spieler, die für Thüringen antreten.

Damit sind wir sehr zufrieden. Vor allem, was die Jugend angeht. Die Mitteldeutschen Meisterschaften im Januar als wichtigster Wettkampf für die Qualifikation sind optimal gelaufen.

Was heißt optimal?

Wir haben in der U15 der Jungs und U19 der Mädchen die ersten drei Plätze belegt, bei den älteren Jungs sind es die Plätze zwei bis fünf. Diese Altersklassen haben wir einfach dominiert. Das ist ein fantastisches Jahr.

Klingt vielversprechend mit Blick auf die am Donnerstag beginnenden Finals.

Ja und nein.

Inwiefern?

Wenn man viele Sportler dabei hat, sind die Chancen höher, das gute Platzierungen erreicht werden können. Aber man darf nicht vergessen: Bei der Mitteldeutschen sind Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen am Start. Aber es gibt ja noch 14 weitere, zum Teil deutlich größere Landesverbände.

Was erwarten Sie aus sportlicher Sicht von den TT-Finals?

Dass wir die Ergebnisse bestätigen, die wir im Laufe der Saison bei den Bundesranglisten-Turnieren erzielt haben. Dass bedeutet, dass allen voran Ivo Quett von Post Mühlhausen in der U15 gute Chancen besitzt. Er hat das Top 24 gewonnen, war beim Top 12 Dritter. Wenn er um eine Medaille mitspielen kann, wäre das ein sehr, sehr großer Erfolg. Ich hoffe, dass darüber hinaus möglichst viele ins Hauptfeld kommen. Sprich: unter die ersten 24.

Ivo Quett lernt inzwischen am Tischtenniszentrum Düsseldorf. Er ist der erste Thüringer seit elf Jahren, der für eine Jugend-EM nominiert ist. Sie selbst sind seit zehn Jahren als Landestrainer aktiv. Wie betrachten Sie diese Zeit?

Es ist ein schwieriger Beginn gewesen. Ich komme ja aus Nordrhein-Westfalen, aus einem viel größeren Landesverband. Alles war neu. Aber schon damals habe ich mir einen Korridor von acht bis zwölf Jahren gesetzt: die ersten vier Jahre zum Kennenlernen, die nächsten vier, um an der Struktur zu arbeiten und die Jahre neun bis zwölf, um möglichst Erfolge zu erzielen.

Wo ordnet sich das zehnte Jahr ein?

Es ist immer ein langer Prozess. Dass ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Finals in Erfurt stattfinden, die Mädchen und Jungen so gut performen, hätte ich nicht erwartet. Das macht schon stolz.

Tischtennis gehört seit Jahrzenten zum Sportgymnasium. Als Außenstehender entwickelte sich der Eindruck, Spieler, salopp gesagt, für die Oberliga auszubilden. Mit Ausnahmen natürlich. Dennoch: Was macht es so schwierig, höher hinauszukommen?

Tischtennis ist eine technisch sehr anspruchsvolle Sportart. Die Techniken müssen erst gelernt werden. Je früher, desto besser. Es liegt an der Struktur, für die man im Leistungssport bewertet wird. Sportler, die in den Erwachsenenbereich eintreten, fallen für den Verband aus der Bewertung. Damit richtet sich der Fokus allein auf den Nachwuchs. Früher waren es die U15 und U18. Mittlerweile sind es die U13 und U15. Das heißt: Man ist noch jünger geworden, was Ausbildung betrifft. Die Frage stellt sich: Wie kann man es darstellen, sich als Verband weiter um die Spieler zu kümmern, sie weiter zu fördern, obwohl sie eigentlich für den Verband in der Bewertung seiner Arbeit keine Rolle mehr spielen? Wir im Leistungssportausschuss haben uns ein anderes Ziel gesetzt.

Die TT-Finals im Überblick

Vier Tage Tischtennis total: vier Turniere, zwei Hallen, ein Event. In der Messe Erfurt sind erstmals Deutsche Meisterschaften in gleich vier Kategorien am selben Ort vereint.

Das Turnier beginnt am Donnerstag mit der Jugend 19, die Felder der Jugend 15 und der Leistungsklassen starten am Freitag. Ab Samstag spielt die nationale Elite der Damen und Herren um die Titel im Einzel, Doppel sowie im Mixed. Der Sonntag gehört den Endspielen.

Funke Medien Thüringen bietet über die Portale der Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung einen kostenfreien Livestream von den Entscheidungen in der U15 und U19 an. Am Donnerstag (13. Juni) werden etwa ab 18.50 Uhr die Halbfinals und Finals im Mixed der U19 übertragen. Die Doppel und Einzel der U19 können am Freitag (14. Juni) ab 12.45 Uhr live von zu Hause verfolgt werden. Am Sonntag werden die Duelle der Vorschlussrunde in der U15 sowie die Endspiele gezeigt.

DTTB und Thüringer Tischtennis-Verband rechnen mit ausverkauftem Haus an den Schlusstagen. Die preiswerteste Eintrittskarte kostet acht Euro (Halle 2, ermäßigt), die teuerste ist die Premium-Tageskarte für 120 Euro pro Person für Samstag oder Sonntag, die Zugang zu den Hallen 1 und 2 inklusive Außengelände und VIP-Verpflegung bietet. Das normale Tagesticket für Halle 1, 2 und das Außengelände am Wochenende ist für 35 Euro zu haben.

Das wäre?

Wir brauchen diese Spieler, auch wenn sie aus dem Nachwuchs ausgeschieden sind. Um die Vereine zu stärken, um hohe Ligen anzubieten, und um eben auch den jeweils Jüngeren gute Trainingspartner zu sein. Es ist ein Geben und Nehmen. Diese Balance brauchen wir, um besser werden zu können als Oberliga.

Woran müsste gearbeitet werden?

Wir haben seit zwei Jahren eine zweite hauptamtliche Trainerstelle für die Talentsichtung. Das ist eine Antwort auf die Verjüngung der geförderten Jahrgänge. Es wäre für den Verband wichtig, diese Stelle zu erhalten. Helfen würde uns, wenn wir die vier Stützpunktvereine, mit denen wir eng zusammenarbeiten, besser unterstützen und honorieren könnten, für das, was wir als Verband in der Talentsichtung erreichen müssen.

Funke Medien Thüringen bietet über die Portale der Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung einen kostenfreien Livestream von den Entscheidungen in der U15 und U19 an.