Die Sternensammler des EHC Erfurt

Erfurt.  In puncto Nachwuchsarbeit sind die Dragons der beste Verein in der Eishockey-Oberliga Nord.

Etwa 140 Kinder und Jugendliche sind von der U9 bis zur DNL für die „Young Dragons“ des EHC Erfurt im Einsatz.

Etwa 140 Kinder und Jugendliche sind von der U9 bis zur DNL für die „Young Dragons“ des EHC Erfurt im Einsatz.

Foto: Sascha Fromm

Man sieht sie, selbst durch das Schutzgitter des Helms. Die leuchtenden Kinderaugen. Fast jeden Tag, von September bis März, bevölkern die etwa 140 Nachwuchsspieler des Eishockey-Clubs Erfurt die altehrwürdige Kartoffelhalle. Manchmal, in den Drittelpausen, dürfen sie auch bei den Spielen ihrer Vorbilder aufs Eis, den Black Dragons in der Oberliga Nord. Da, wo sie eines Tages im Kader stehen wollen: im Profiteam.

Dass sie das schaffen, dafür legt der EHC Erfurt mit seiner Vereinsstruktur die Grundlage. Angefangen mit dem Sichtungstraining im Vorschulalter, bieten die Erfurter den Kindern und Jugendlichen vom Team der U9 bis zur U20 in der DNL eine sportliche Heimat. Und bilden sie Stück für Stück aus – damit sie eines Tages vielleicht der nächste Moritz Seider, der beim EHC durch den Nachwuchs ging und nun auf dem Sprung in die beste Liga der Welt NHL ist, zumindest aber zu tragenden Säulen beim Männerteam der Black Dragons werden. Vor allem macht es das Trainerteam um den einzigen hauptamtlichen Trainer, Landestrainer und EHC-Scout Christian Grosch, sowie den sportlichen Leiter und für die Sichtung verantwortlichen Henry Tews aber aus Prinzip. „Wir haben die Nachwuchsabteilung in den letzten zehn, fünfzehn Jahren Schritt für Schritt auf das heutige Niveau gebracht. Nicht, damit jeder Profi wird, sondern weil wir es mit Herzblut machen und ein Verein sein wollen, bei dem die Kinder gern Eishockey spielen und sich weiterentwickeln“, sagt Tews.

Dieses heutige Niveau ist eines, das den EHC Erfurt von den anderen elf Vereinen in der Oberliga Nord unterscheidet. Als einziger Klub der Nordstaffel wurden die Erfurter für ihre Nachwuchsarbeit vom Deutschen Eishockey-Bund mit vier von fünf möglichen Sternen ausgezeichnet. Und das bereits zum dritten Mal in Folge seit der Einführung dieses Konzepts. Zum Vergleich: Duisburg und Herne bekamen drei Sterne, alle anderen einen, Rostock sogar keinen einzigen. Das bedeutet: Bei den meisten Teams wird sich nur um die Profimannschaft, nicht aber um eine gut organisierte Nachwuchsarbeit gekümmert. Leuchtende Kinderaugen hinter dem Schutzgitter sieht man dort nicht – weil es mitunter gar keine Nachwuchsteams gibt.

Tews hofft darauf die Einführungvon Ablösesummen für Talente

Im Umkehrschluss heißt das auch, dass die Konkurrenten der Drachen auch deshalb einen höheren Etat für ihre Profiteams zur Verfügung haben als sie selbst, weil sie nichts oder nur sehr wenig in die Entwicklung eigener Talente investieren. Und falls ihnen ein Erfurter Talent gut gefällt, können sie es, ohne dass der EHC eine Ablösesumme oder Ausbildungsentschädigung erhält, verpflichten. „Das muss sich ändern“, hofft Tews diesbezüglich auf ein Umdenken des Verbandes. Zumindest wird der Verein dahingehend entlohnt, dass er pro erhaltenem Stern aus einem Fördertopf, in den alle Klubs bei Spielerverpflichtungen einen bestimmte Summe abführen müssen, eine Ausgleichszahlung bekommt. Das hält Martin Deutschmann, Schatzmeister und designierter neuer Präsident des EHC, für einen guten Schritt, auch wenn es nur einen geringen Teil der Kosten von rund 150.000 Euro, die die Erfurter jede Saison in die Nachwuchsarbeit stecken, wieder zurückbringt.

Jedes Jahr schaffen es die Erfurter, ein paar ihrer Talente im Oberliga-Team zu integrieren. In der letzten Saison gelang Fritz Denner und Enzo Herrschaft, die inzwischen einen Profi-Vertrag erhalten haben, der Durchbruch. Die nächsten, etwa Martin Klein, Nils Münzberg, Justus Böttner, durften schon Oberliga-Luft schnuppern und scharren mit den Kufen. „Es geht bei den Talenten natürlich nicht permanent nach oben und dauert seine Zeit, bis sie konstant eine Verstärkung bei den Männern sein können“, weiß Christian Grosch, der selbst durch den Erfurter Nachwuchs ging und es in die zweite Liga schaffte.

Doch der Grundstein dafür ist gelegt. Durch die Arbeit vieler ehrenamtlicher Trainer. Durch die Kooperation mit der Sportschule. Durch die kostenlose Nutzungsmöglichkeit der Eishalle. Durch die Fleißarbeit von Dirk Haube, der für den Verein den bürokratischen Aufwand rund um das Sterne-Konzept des Verbandes erledigt. Zudem erlaubt es die Zusammenarbeit mit DEL2-Klub Dresden, der sogar fünf Sterne erhielt, und Chemnitz, dass sich die Erfurter Talente in der Deutschen Nachwuchsliga mit den Besten messen können. In der neuen Saison wird der EHC sogar ein eigenständiges DNL-Team stellen, das seine Heimspiele in Erfurt austrägt. „Jetzt müssen wir es, vor allem durch den Hallenumbau, schaffen, uns strukturell und finanziell so weiterentwickeln, dass unsere besten Talente dann auch bei uns bleiben“, sagt Henry Tews.

Und das Leuchten in den Augen behalten, wenn sie den Drachen auf der Brust tragen.