Berlin. Die Haltung der Deutschen zu Saudi-Arabien hält DHB-Präsident Andreas Michelmann für „unaufrichtig“. Dass sich der Wüstenstaat aus dem Handball zurückzieht, beunruhigt ihn nicht.

Anders als der frühere Nationalspieler Stefan Kretzschmar stuft DHB-Präsident Andreas Michelmann den Rückzug Saudi-Arabiens aus dem Handball nicht als Alarmsignal ein.

„Es wären traurige Zeiten, wenn die Entwicklung unserer Sportart von dem Wohl und Wehe eines einzelnen Verbandes abhinge“, sagte der Chef des Deutschen Handballbundes der Deutschen Presse-Agentur. Zuletzt war bekannt geworden, dass Saudi-Arabien sich nicht wie geplant um die Ausrichtung der Handball-WM 2029 und 2031 beworben hat. Der Wüstenstaat wird sich auf andere Sportarten konzentrieren.

Auch die Club-WM findet ab diesem Jahr woanders statt. Ein Fenster in die arabische Welt ist damit vorerst geschlossen. Kretzschmar hatte den Rückzug als Warnung bewertet. „Wenn die Saudis sich zurückziehen, heißt das übersetzt, dass unser Sport dort keine Relevanz hat und global keine Relevanz hat, befand der Sportvorstand von Bundesligist Füchse Berlin beim Streamingdienst Dyn.

Michelmann: „Ich halte das für unaufrichtig“

Michelmann warnte in der Debatte vor Doppelmoral: „Im Übrigen wäre es für uns Deutsche gut, einmal zu klären, wie wir zu Saudi-Arabien nun wirklich stehen. Einerseits monieren wir den Zustand der Menschenrechte dort, andererseits habe ich den Eindruck, wir nehmen jeden Cent, den wir von den Saudis kriegen können. Ich halte das für unaufrichtig“, sagte er.

Als große Chancen für den Handball sieht Michelmann vor allem die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles und 2032 in Brisbane. Denn grundsätzlich sei es richtig, dass Handball als globaler Sport auch auf anderen Kontinenten mit großen internationalen Events stattfinden müsse.

In der jüngeren Vergangenheit sei das mit der Frauen-WM in Japan (2019) oder dem Männer-Turnier in Katar (2015) auch der Fall gewesen. Zudem habe der Weltverband IHF durch die Ausweitung auf 32 teilnehmende Mannschaften die Chancen für andere Nationen erhöht, sich auf Weltniveau zu messen, daheim Aufmerksamkeit zu schaffen und so den Handballsport im jeweiligen Land zu entwickeln, befand der 64-Jährige.