Thüringer Wintersport-Bilanz: Eine Weltmeisterin und viele Olympia-Hoffnungen

Erfurt. Bobpilotin Anja Schneiderheinze, Biathlet Erik Lesser und das Rodel-Doppel Eggert/Benecken glänzten mit WM-Medaillen.

Siegerfaust: Erfurts Anja Schneiderheinze, die mit Annika Drazek als erste Thüringer Bobpilotin einen Weltmeistertitel gewann. Foto: Tobias Hase/dpa

Siegerfaust: Erfurts Anja Schneiderheinze, die mit Annika Drazek als erste Thüringer Bobpilotin einen Weltmeistertitel gewann. Foto: Tobias Hase/dpa

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Bobsport

Anja Schneiderheinze erfüllt sich in Innsbruck einen langgehegten Traum. Nach Triumphen als Anschieberin gewann die Erfurterin mit 37 Jahren als erste Thüringer Bobpilotin einen WM-Titel. Trotz schwacher Weltcupsaison war sie bei der WM auf den Punkt fit. Dafür enttäuschte der Titelverteidiger Maximilian Arndt. Auf der kurzen Piste von Igls reichte die Startleistung des Oberhofer Quartetts nicht für Edelmetall. Dafür tröstete sich Arndt mit dem Vierer-Gesamtweltcup.

Francesco Friedrich verpasste nach Gold im Zweier, das Double im Vierer nur um 0,04 Sekunden. Gold gab‘s auch fürs Team.

Note Deutschland:1 Note Thüringen:2

Rennrodeln

Die starke bayerische Trainingsgruppe „Sonnenschein“ war am heimischen Königssee kaum zu schlagen. Felix Loch, Natalie Geißenberger und Wendl/Arlt holten die WM-Titel. Für die Thüringer blieb immerhin Platz zwei für Toni Eggert und Sascha Benecken, die zuvor im Sprint wegen 200 Gramm zuviel Schlittengewicht ihre Silbermedaille wieder abgeben mussten. Das Doppel zeigte seine Klasse als Gesamtweltcupsieger. Tanja Hüfner wurde nur Vierte. Medaillen holten im Sprint Andi Langenhan (Silber) und Dajana Eitberger (Bronze). Bis Olympia müssen die Thüringer einen Rückstand aufholen.

Note Deutschland:1 Note Thüringen:2

Biathlon

Erik Lesser war in Oslo in Bestform, aber für eine Einzelmedaille ging ein Schuss zuviel daneben. Dafür glänzte der Frankenhainer nervenstark im Quartett mit Staffel-Silber gegen die harte Konkurrenz.

Bei den Frauen war die Bayerin Laura Dahlmeier der Star. Fünf von acht deutschen Medaillen holte die 22-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen. Luise Kummer aus Frankenhain verpasste nach einer langwierigen Erkrankung die WM. Aber bei der EM in Tjumen zeigte sie mit dem Massenstart-Titel, dass sie eine echte Olympiahoffnung für Thüringen bleibt.

Note Deutschland:2 Note Thüringen:3

Eisschnelllauf

Der Wunsch von einer WM-Medaille erfüllte sich für Patrick Beckert (ESC Erfurt) als großen Hoffnungsträger nicht. Im Verbund der Berliner Dauerbrennerin Claudia Pechstein verschaffte der Erfurter der DESG mit zwei vierten Plätzen bei der Einzelstrecken- und dem siebten Rang bei der Mehrkampf-WM die besten Resultate. Garniert mitzwei nationalen Rekorden wies der WM-Bronzegewinner des Vorjahres eine Steigerung nach. Die hatte er sich durch den Wechsel in ein niederländisches Team erhofft. Ein wertvoller Schritt, während der Kufensport sonst wenige punktuell Lichtblicke erlebte.

Note Deutschland:4

Note Thüringen:3

Skispringen

Frauen-Power voran! Während die Thüringer Männer trotz der nun intakten, neuen Schanzen im Kanzlersgrund weiter einen Nachfolger für den in den Schwarzwald abgewanderten Team-Olympiasieger Andreas Wank suchen, sprang für die Ruhlaerin Juliane Seyfarth mit Weltcup-Rang 14 die stabilste Saison ihrer bisherigen Karriere heraus. Tim Heinrich als Dritter beim COC-Cup in Brotterode und Danny Queck kamen zu spät in Form. Aus nationaler Sicht überzeugte der Bayer Severin Freund als Zweiter bei der Tournee, im Gesamtweltcup und mit drei Tagessiegen.

Note Deutschland:2 Note Thüringen:4

Skeleton

Die deutschen Bauchrodler demonstrierten erhebliche Fortschritte – gekrönt vom Weltmeistertitel und Gesamt-Weltcupsieg durch Tina Hermann aus Königssee. Bundestrainer Jens Müller aus Ilmenau konnte aber auch mit WM-Platz vier des Riesaers Axel Jungk zufrieden sein. Die Thüringer fahren noch nicht ganz in Medaillenreichweite. Immerhin raste die junge Suhlerin Sophia Griebel auf Rang sieben, Neuling Michael Zachrau aus Oberhof auf Rang neun. Der diesmal verletzte Christopher Grotheer, ebenfalls Oberhof, gilt als Podestkandidat für die Zukunft.

Note Deutschland:1 Note Thüringen:3

Skilanglauf

Nach ihrem Trainingsunfall kämpfte sich Victoria Carl in der zweiten Saisonhälfte in die U-23-Spitze zurück. Mit ihrem Weltmeistertitel wies die Zella-Mehliserin nach: Sie ist eines der hoffnungsvollsten deutschen Talente.

Nich viel ging dagegen bei Tim Tscharnke (Biberau) und Thomas Bing (Dermbach). Beide brachen nach Formschwächen ihre Saison vorzeitig ab. Der Neuanfang braucht mehr Zeit als gedacht. International konnten nur Sandra Ringwald und Jonas Dobler phasenweise im Weltcup mithalten. Hoffnungsschimmer auf den langen Strecken ist der deutsche Meister Thomas Wick aus Zella-Mehlis.

Note Deutschland:4 Note Thüringen:4

Kombination

Für den Team-Weltmeister Tino Edelmann war diese Saison nach der Geburt seines Sohnes ein relativ unkonstanter „Durchgangs-Winter“. Jedoch muss der Erfurter Routinier in der WM-Saison aufpassen, seinen Platz in der geballten deutschen Elite zu verteidigen. Die räumte, angeführt vom sächsischen Gesamtsieger Eric Frenzel, zwölf von 19 möglichen Weltcup-Tagessiegen ab. Note Deutschland:1 Note Thüringen:4

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