Suhl. Die Kosten für Investitionen in Klimaschutz und notwendige Sanierungen führen zu steigenden Mieten in Thüringen in den nächsten Jahren.

Wohnen könnte für viele Thüringer in den nächsten Jahren unbezahlbar werden. Davor hat der Verband der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft am Mittwoch in Suhl gewarnt.

Noch seien die Nettokaltmieten im Freistaat mit durchschnittlich 5,47 Euro je Quadratmeter bezahlbar, räumte Verbandsdirektor Frank Emrich ein, aber die anstehenden Investitionen in den Klimaschutz, ohnehin anstehende Sanierungen und Anpassungen an veränderte Bedürfnisse – etwa eine Barrierereduzierung oder neue Wohnformen – würden zwangsläufig zu höheren Mieten führen.

Frank Emrich ist der Direktor des Verbandes der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.
Frank Emrich ist der Direktor des Verbandes der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. © vwt | ari (Michael Reichel)

Förderprogramme sichern bezahlbares Wohnen nicht ab

Hinzu kämen steigende Nebenkosten durch die Kohlendioxid-Steuer und hohe Energiepreise. Diese Kombination werde in absehbarer Zeit für viele Thüringer Mieter dramatische Folgen haben. Förderprogramme seien weder in ihren Parametern noch im Fördervolumen auf die Sicherung der Bezahlbarkeit des Wohnens ausgerichtet.

In Thüringen fallen laut dem Verband jedes Jahr 1000 Wohnungen aus der Sozialbindung. Allein um diese auszugleichen, brauche es bei den aktuellen Baukosten und zu den gesetzlichen Auflagen im Wohnungsbau mindestens 150 Millionen Euro Fördermittel im Jahr.

Forderungen an die Politik

„Übertriebene gesetzliche Restriktionen, hoher bürokratischer Aufwand, ewig dauernde Entscheidungsprozesse, nicht refinanzierbare Baustandards, die Grunderwerbssteuer bei der Fusion von sozialen Wohnungsunternehmen und viele weitere Hürden“ erschweren laut Emrich die Arbeit der Wohnungsunternehmen.

„Auf diese Dinge würden wir gerne verzichten und hoffen darauf, dass unsere Anliegen von der Politik angepackt werden“, sagte Emrich. Die Herausforderungen seien groß, aber die Wohnungswirtschaft habe in den letzten drei Jahrzehnten bewiesen, dass sie auch scheinbar unüberwindbare Hürden meistern kann. „Wir glauben, dass es möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. An uns wird es nicht scheitern“, so Emrich.

Der Verband fordert untern anderem eine ressortübergreifende Strategie zur Stärkung des ländlichen Raumes, eine Entbürokratisierung, Gesetze mit Realitätssinn und den cleveren Einsatz von öffentlichen Ressourcen.

'Thüringen - Der Tag' - Post von Jan Hollitzer

TA-Chefredakteur Jan Hollitzer betrachtet Themen, die uns beschäftigt haben, es momentan tun und künftig werden in kommentierter Form.

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Im Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft haben sich 227 Mitgliedsunternehmen, darunter 180 Wohnungsunternehmen, zusammengeschlossen. Fast jeder zweite Mieter in Thüringen wohnt bei einem Mitgliedsunternehmen. Seit 1991 investierte man 14,65 Milliarden Euro überwiegend in den Wohnungsbestand. Gemeinsam bewirtschaften sie rund 264.000 Wohnungen.

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