Suhl. Die Jahreskonferenz des Projektes „Thex Zukunftswirtschaft“ stellte das Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft in den Mittelpunkt.

Die mittelständischen Unternehmen in Thüringen sind seit jeher nachhaltig unterwegs. Davon zeigte sich der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen, Torsten Herrmann, überzeugt.

„Es liegt im ureigensten Interesse eines Unternehmers, möglichst sparsam mit Energie und Rohstoffen umzugehen und auf Baustoffe zu setzen, die möglichst lange halten“, sagte Herrmann zum Auftakt der Jahreskonferenz der Projektes „Thex Zukunftswirtschaft“ im Haus der Wirtschaft in Suhl.

Energiemanagementsystem mit 200 Messstellen

Kein Unternehmer wolle Rohstoffe verschwenden. „Unser Firmengründer hat bereits im Jahr 2009 ein Energiemanagementsystem im Unternehmen eingeführt“, berichtete Herrmann, der Geschäftsführer des Kunststoffteileherstellers Hehnke in Steinbach-Hallenberg ist.

Inzwischen habe man ein neues System installiert, das an über 200 Messstellen in der Firma die Daten erfasst. Das liege nicht nur im ökologischen, sondern auch im ökonomischen Interesse der Unternehmer. Herrmann warnte zugleich davor, den Begriff Nachhaltigkeit inflationär zu benutzen.

Klimawandel im Thüringer Wald sichtbar

„Wenn dieser Begriff einen negativen Touch bekommt, weil er für die Brötchen am Morgen ebenso herhalten muss wie für die nachhaltige Leberwurst zum Abendbrot, kann sich das sehr schnell ins Gegenteil verkehren“, so Herrmann. Ohne Akzeptanz in der breiten Gesellschaft werde man aber nichts erreichen können.

Er erlebe als begeisterter Wintersportler, wie sich der Klimawandel mit immer weniger Schnee im Thüringer Wald bemerkbar mache. „Wir Unternehmer tun etwas dagegen, nicht, weil es ein Politiker von uns fordert, sondern weil wir die Notwendigkeit dafür sehen“, versicherte der Kammerchef.

Gezielte Unterstützung für Gründungsinteressierte

Er eröffnete quasi als Hausherr die Konferenz, die die Organisatoren in diesem Jahr unter den Titel „Erfolgreich in eine nachhaltige Zukunft“ gestellt hatten. In jeder Firma werde schon vor der Anschaffung einer neuen Maschine mit Blick auf entstehende Kosten genau auf deren Energiebedarf geschaut, erläuterte Herrmann den wirtschaftlichen Ansatz.

Den Vorteil der kostenfreien Beratung dank der Förderung durch die EU und das Thüringer Wirtschaftsministerium pries Dan Marktscheffel von „Thex Zukunftswirtschaft“ an. Man wolle Unternehmer und Gründungsinteressierte im Freistaat gezielt unterstützen. „Wir bieten aktive Begleitung bei der Erstellung eines Nachhaltigkeitskonzeptes an“, sagte Marktscheffel.

Ökobilanz für Forschungsprojekte erstellen

Eine Ökobilanz für Firmen - aber auch für Forschungsprojekte - zu erstellen, ist eine Kompetenz der Beratungsfirma Eura AG, berichtete deren Projektmanagerin Denise Ott. Das international tätige Unternehmen mit 180 Mitarbeitern unterhält auch zwei Niederlassungen in Thüringen. „Wir sind in Suhl und in Erfurt mit 20 Beschäftigten vertreten“, sagte Ott.

Man sei im Freistaat gut vernetzt und engagiere sich im Nachhaltigkeitsabkommen Nat Thüringen. Auch das eigene Geschäftsmodell sei mit dem Blick auf Nachhaltigkeit aufgestellt worden. Das werde auch von den Kunden immer wieder hinterfragt, so Ott.

'Thüringen - Der Tag' - Post von Jan Hollitzer

TA-Chefredakteur Jan Hollitzer betrachtet Themen, die uns beschäftigt haben, es momentan tun und künftig werden in kommentierter Form.

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Die Einführung einer Kreislaufwirtschaft stelle Geschäftsmodelle in Frage, erläuterte Patrick Großheim vom RKW Beratungszentrum einen Ansatz bereits vor der Einführung eines neuen Produktes über dessen gesamten Lebenszyklus nachzudenken. Neben dem geschäftlichen Ergebnis müsse ein Unternehmer immer den eigenen Beitrag für Gesellschaft und Ökosystem im Blick behalten.