Berlin. Besonders groß ist die Vorfreude auf Cannabis-Social-Clubs bei den Jungen. Frauen sehen noch einen positiven Nebeneffekt des Anbaus.

Die Cannabis-Freigabe in Deutschland zeigt Wirkung: Fast jeder Fünfte kann sich vorstellen, zu Hause für den Eigenbedarf Cannabis anzubauen. Mehr als jeder Zehnte denkt darüber nach, Mitglied in einem Cannabis-Social-Club zu werden. Unter den 30-Jährigen der Generation Z ist das Interesse sogar noch größer: 25 Prozent erwägen, Mitglied in einem Verein zu werden, der nicht gewerblich Cannabis anbaut. Dies hat eine aktuelle repräsentative Umfrage der Pronova BKK ergeben, für die 1000 Erwachsene in Deutschland im Mai befragt wurden.

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Nach dem neuen Gesetz darf jeder Erwachsene bis zu 50 Gramm Cannabis zu Hause aufbewahren. Der Gesundheitsberater der Krankenkasse Pronova, Gerd Herold, warnt jedoch vor einem steigenden Konsum. „Der Eigenanbau erhöht die Verfügbarkeit deutlich. Eine höhere Verfügbarkeit kann auch eine konsumsteigernde Wirkung haben“, sagte Herold. So belegten Studien, „dass der Konsum in der Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren am höchsten ist und in Deutschland weiter zunimmt“.

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Tatsächlich haben 29 Prozent der Deutschen auch vor der Cannabis-Legalisierung zumindest manchmal Gras konsumiert, so die Umfrage. Bei den unter 30-Jährigen sagten dies sogar 54 Prozent. Jeder zweite Selbstversorger möchte durch den Anbau der eigenen Pflanzen die volle Kontrolle über das konsumierte Cannabis erhalten, so die Umfrage. Vor allem Männer (35 Prozent) bezeichnen die Vorratshaltung als attraktiver, unter Frauen sagen dies 18 Prozent. Unterdessen finden 42 Prozent der befragten Selbstversorgerinnen Cannabis auch als Zimmerpflanze dekorativ, während dies nur 33 Prozent der Männer so sehen.

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    'Thüringen - Der Tag' - Post von Jan Hollitzer

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    „Hier müssen dringend Vorkehrungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen getroffen werden“, fordert Herold. „Die gesetzlich vorgeschriebene Aufzucht der Pflanzen und die Aufbewahrung der Ernte in abschließbaren Schränken oder Räumen allein reichen nicht aus.“ In Schulen und Berufsschulen sollten verpflichtende Aufklärungsangebote für junge Menschen und ihre Eltern dazu beitragen, den Konsum bei Heranwachsenden einzudämmen, meint der Gesundheitsexperte.