Der geplante Neubau eines Unicampus’ im Jenaer Stadtzentrum wird wesentlich teurer als zunächst angenommen. Demnach muss das Land Thüringen 79 Millionen Euro mehr für das Projekt aufbringen – ein Teil des Baus wird über Fördergelder der Europäischen Union unterstützt.
Nach Angaben des Infrastrukturministeriums beruhte der zunächst genannte Kostenrahmen von 109 Millionen Euro auf Annahmen und Schätzungen. Nun sei der Kostenrahmen erstmals in der Haushaltsunterlage Bau definiert worden. Basis dafür sei eine Planung mit qualitativer Kostenberechnung.
Trotz deutlich höherer Kosten keine „Projektanpassung“
„Der Kostenrahmen beträgt 188 Millionen Euro. Diese Größenordnung wurde auch vom Finanzministerium anerkannt und festgesetzt als Projektkosten“, sagt Ministeriumssprecherin Antje Hellmann. Trotz der deutlich höheren Summe gebe es aktuell keine Projektanpassung, die von den Forderungen des Bauantrages der Friedrich-Schiller-Universität Jena abweichen, sagt die Sprecherin von Ministerin Birgit Keller (Die Linke).
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Der neue Campus auf dem Inselplatz soll die Fakultät für Mathematik und Informatik sowie das Institut für Psychologie aufnehmen. Zudem sind Gebäude für eine neue Bibliothek und das Uni-Rechenzentrum geplant. Das Land will keine Stellplätze bauen und zahlt deshalb eine Ablöse in Millionenhöhe an die Stadt Jena. Die Kommune wiederum möchte ein Parkhaus auf dem Areal errichten.
Weichen muss noch Gebäude vom Wohnprojekt „Insel“
Bislang wird der Inselplatz in weiten Teilen als Parkplatz genutzt. Wissenschaftler haben einen Teil der Fläche bereits archäologisch untersucht, um einen schnellen Baustart zu realisieren. Weichen muss aber auch noch ein Gebäude, das vom Wohnprojekt „Die Insel“ genutzt wird.
Das Land hat mit der nun vorliegenden Planung auch den Zeitplan für den Bau konkretisiert. Demnach soll die Baufeldfreimachung 2019 erfolgen. Der Baubeginn mit dem Ausheben der Grube ist für 2020 geplant. Die Fertigstellung der beiden von der Europäischen Union geförderten Bauteile soll 2023 erfolgen. Weitere zwei Bauteile ohne EU-Förderung sollen stufenweise bis 2025 in Betrieb gehen – mit dem Schwerpunkt auf 2024, sagt Hellmann.
Für das Gelände gab es bereits einen Architektenwettbewerb, aus dem das Dresdner Büro Code Unique als Sieger hervorgegangen ist. Der städtische Bebauungsplan, der als Grundlage diente, sieht unter anderem ein Hochhaus auf dem Areal vor. Insgesamt 89 Architektenbüros, darunter eins aus London, skizzierten in einer ersten Phase ihre Vorstellungen. Am Ende forderte die Jury 19 Büros auf, ihre Ideen weiter zu entwickeln.