Ostthüringer gibt Obergebraer Sägewerk wieder eine Perspektive

Nordhausen  Seit einem halben Jahr gehört Raik Semmler das Sägewerk in Obergebra, längst hat er die vierköpfige Mannschaft der ersten Tage um sechs Vollbeschäftigte erweitert, zudem ist eine Hilfskraft angestellt.

Obergebra hat abseits des Dorfkerns ein Gewerbegebiet, in dem Raik Semmler das 1996 erbaute Sägewerk ausbauen will. Foto: Kristin Müller

Obergebra hat abseits des Dorfkerns ein Gewerbegebiet, in dem Raik Semmler das 1996 erbaute Sägewerk ausbauen will. Foto: Kristin Müller

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„In diesem Jahr möchte ich rund 7000 Festmeter Holz verarbeiten, nächstes Jahr soll es etwa die doppelte Menge sein“, sagt der 42-Jährige und blickt optimistisch in die Zukunft. Er mag neu in Obergebra sein – das Metier eines Sägewerks kennt er genau: Sein Vater Frank Semmler hatte in Neustadt an der Orla 1991 ein Sägewerk gegründet, zwei Jahre später stieg Raik Semmler, der gelernte Forstwirt, mit ein.

Er lernte das Auslängen von Rundholz, das Arbeiten an Profilzerspanern und Sägegatter. Nebenbei ließ er sich bis 1997 zum Kaufmann für Bürokommunikation ausbilden, drückte er beharrlich die Schulbank, um 1998 „Industriemeister, Fachrichtung Holzbearbeitung“ zu werden.

Holz stammt aus heimischen Wäldern

Den Meisterbrief in der Tasche gründete er mit einem seiner beiden Brüder eine eigene GmbH in Neustadt an der Orla, kümmerte sich um Holzeinkauf und Schnittholzvermarktung. Im nordthüringischen Obergebra, ziemlich weit weg seiner Heimat, wagt er nun ganz allein, ein Sägewerk zu führen. Ein Sägewerk, das 1996 auf der grünen Wiese errichtet wurde, 4,5 Hektar im Gewerbegebiet von Obergebra beansprucht.

Die Vorgängerfirma hatte 2001 Insolvenz anmelden müssen, im März nun übernahm Raik Semmler. Rund 40 000 Euro habe er investiert, um vorhandene Maschinen instandzusetzen und neue zu kaufen. Bürogebäude samt Sanitäranlagen ließ er sich 20.000 Euro kosten, einen neuen Stapler rund 30.000 Euro. Mit rund 150.000 Euro musste er zudem in Vorleistung gehen, um Stämme zur Verarbeitung vor Ort – auf dem mit Kameras und Wachschutz gesicherten Gelände – zu haben: Rundholz ist das Ausgangsmaterial, aus dem im Sägewerk Tischlerware, Palettenholz, Latten, Bretter, Kantholz und Bohlen werden.

Produkte gehen auch nach Belgien und Holland

Raik Semmler verwendet vor allem Buche, Fichte, Eiche und Lärche, das Gros stammt aus Wäldern im Umkreis von 50 Kilometern. Etwa 40 Prozent seiner Produkte könne er auch in der Region absetzen, der andere Teil geht an Holzgroßhändler wie Baustoffmärkte in Deutschland oder zu Kunden in England, Holland oder Belgien.

Als Nebenprodukte fallen Brennholz, Hackschnitzel und Sägespäne an, die auch direkt an Privatleute verkauft werden. Als neues Verkaufsobjekt auf dem Firmengelände soll nächstes Jahr ein neues Blockhaus entstehen. Perspektivisch, „wohl in den nächsten, zwei, drei Jahren“, plant Semmler zudem eine zweite Trocknungshalle, in der das Holz vor der Verarbeitung zwei bis 16 Wochen trocknet. Für die allerdings ist eine mittlere sechsstellige Summe vonnöten.

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