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Für einen zukunftsfähigen Mittelstand / Strategien für Nachhaltigkeit und Fachkräftegewinnung

| Lesedauer: 9 Minuten

Berlin (ots) - Zweite Studie von ETL mit dem IW Köln analysiert Faktoren für erfolgreiche Unternehmen / ETL Fachkräfte-Ampel zeigt Engpässe und Überkapazitäten

Qualifizierte Fachkräfte gewinnen und halten sowie Nachhaltigkeitsstrategien umsetzen - das sind die entscheidenden Faktoren für den Erfolg mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Das belegt der heute veröffentlichte ETL Mittelstandskompass 2022, (https://info.etl.de/etl-studie-mittelstandskompass-2022) eine Studie in Kooperation mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln). Der Kompass zeigt auf, wie Unternehmen in Deutschland handeln sollten, um politische, ökologische, demografische und technologische Herausforderungen auch in Zukunft meistern zu können. Neben der passgenauen Suche und langfristigen Bindung von Arbeitskräften müssen die Firmen auch nachhaltiger wirtschaften sowie digitale Lösungen für flexibleres Arbeiten und mehr Kundenzufriedenheit einführen.

"Der zweite Mittelstandskompass analysiert, welche Faktoren erfolgreiche Unternehmen von weniger erfolgreichen unterscheiden und wie strategie- und zielorientiertes Handeln und Kommunizieren den Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnen kann. Wir zeigen auf, was Unternehmen tun sollten, um die richtigen Fachkräfte zu finden", fasst der Vorstand von Deutschlands größter Steuerberatungsgruppe ETL, Marc Müller, die Studie zusammen.

Bisher wird in Deutschland der Fachkräftemangel in der öffentlichen Debatte oft undifferenziert als Ganzes betrachtet oder durch als Mangel in einzelnen Berufsgruppen benannt. Deswegen haben die Steuerberatungsspezialisten den "ETL Fachkräfterechner" entwickelt. Der Rechner analysiert Qualifikationsniveaus vom Helfer bis zum Spezialisten und zeigt, wie groß Angebot und Nachfrage bei Fachkräften in den verschiedenen Berufen sind. Die "ETL Fachkräfte-Ampel" wiederum zeigt als Ergebnis, ob es in einem Beruf einen Engpass oder eine Überkapazität gibt.

Um die Trends und Herausforderungen für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland differenziert zu betrachten, hat ETL eigens dafür erhobene Umfragedaten aus dem IW-Zukunftspanel mit komplexen statistischen Verfahren ausgewertet. Dafür wurden im zweiten Jahr in Folge rund 1.200 Unternehmen, vor allem aus dem produzierenden Gewerbe und den unternehmensnahen Dienstleistungsbranchen, befragt. Die Ergebnisse und Analysen dokumentiert die rund 80 Seiten lange ETL-Studie "Erfolgsfaktoren und Herausforderungen für den deutschen Mittelstand".

Laut ETL-Rechner sind vor allem Arbeitskräfte mit mittlerem Qualifikationsniveau gefragt: 45 Prozent der Unternehmen geben an, Personal mit abgeschlossener Berufsausbildung zu suchen (Fachkraft); 33,7 Prozent suchen Mitarbeitende mit Meister- beziehungsweise Hochschulabschluss (Spezialist). Weniger relevant sind die Randgruppen: Nur 13,8 Prozent beziehungsweise 7,5 Prozent der Unternehmen benötigen Personal auf Experten- bzw. Helferniveau.

Bei den Berufsgruppen wird vor allem Personal aus dem Bereich Bau- und Ausbauberufe rekrutiert (23,6 Prozent). Es folgen IT- und naturwissenschaftliche Berufe (17,9 Prozent), unternehmensbezogene Dienstleistungen (16,9 Prozent) und fertigungs- sowie fertigungstechnische Berufe (11,2 bzw. 8,5 Prozent).

Unabhängig vom Qualifikationsniveau sind die sechs am meisten nachgefragten Jobs "Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologieberufe" (9,7 Prozent), gefolgt von "(Innen)Ausbauberufen" und "Hoch- und Tiefbauberufen" (jeweils 6,3 Prozent) aus der insgesamt stark nachgefragten Berufsgruppe der Bau- und Ausbauberufe. Begehrt sind auch: Werbung, Marketing, kaufmännische und redaktionelle Medienberufe (6 Prozent), sowie Gebäude- und versorgungstechnische Berufe (5,9 Prozent), und Berufe in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung (5,6 Prozent).

Die Nachfrage der Unternehmen nach Fachpersonal gibt allerdings keinen Aufschluss darüber, ob ein Engpass oder eine Überkapazität herrscht. Daher hat ETL das Angebot an Fachpersonal durch Daten der öffentlichen Statistik angenähert. Dabei zeigt sich: In Branchen, die sich durch Technologie nur schwer automatisieren lassen und in denen es heute bereits viele qualifizierte Arbeitssuchende gibt, wird das Angebot hoch bleiben. Das gilt zum Beispiel für Experten in "Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologieberufen" oder Helfer in "Verkaufsberufen".

Die ETL Fachkräfte-Ampel verknüpft Angebot und Nachfrage: Schaltet Sie auf Grün, trifft ein großes Fachkräfteangebot auf eine geringere Nachfrage, die Folge ist ein Überschuss. Schaltet sie auf Rot, steht ein geringes Angebot an Fachkräften einer großen Unternehmensnachfrage gegenüber, es gibt also einen Engpass. Das gilt zum Beispiel für Experten im Beruf Metallerzeugung und -bearbeitung, in Metallbauberufen und für Helfer in Papier- und Druckberufen, außerdem in der technischen Mediengestaltung oder für Fachkräfte in Berufen in der Finanzdienstleistung, Rechnungswesen und Steuerberatung.

Ein Blick auf die 20 am meisten nachgefragten Berufe verdeutlicht das gesamte Ausmaß des Fachkräftemangels: Bei der Hälfte dieser Berufe herrscht bereits heute ein Mangel an Fachkräften beziehungsweise wird er in Zukunft erwartet. Betroffen sind Industrie- und Bautätigkeiten ebenso wie der Dienstleistungsbereich: 15 der am meisten nachgefragten Berufe erfordern eine berufliche Ausbildung oder eine berufliche Weiterqualifizierung. Personal für einfache (Helfer) sowie sehr komplexe Aufgaben (Experten) sind weniger gefragt. Ebenfalls angespannt ist die Fachkräftesituation in den IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen.

"Die deutsche Wirtschaft hat aufgrund der Corona-Pandemie enorme Umwälzungsprozesse erfahren. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine zeigt, wie anfällig die Weltwirtschaft ist. Die Herausforderungen der Dekarbonisierung, Digitalisierung und des demografischen Wandels bleiben aber durch diese exogenen Schocks bestehen", sagt der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Prof. Dr. Michael Hüther. Er prognostiziert: "Bis zum Jahr 2030 werden circa zehn Prozent der Beschäftigten in Rente gehen. Die Abkehr von fossilen Energieträgern ist auch vor dem Hintergrund steigender CO2-Bepreisung unausweichlich. Um diese Transformationsprozesse zu stemmen, gilt die Digitalisierung für viele als Schlüssel." So zeigt der ETL Mittelstandskompass auf, dass neben der Rekrutierung von Fachkräften Strategien für Digitalisierung und Nachhaltigkeit maßgeblich für erfolgreiche Unternehmen sind.

Für die übergroße Mehrheit der befragten Unternehmen sind Begriffe wie Data Analytics, digitale Customer Journeys, Blockchain- und Cloud-Technologien wichtige Themen: Nur 6,1 Prozent gaben an, dass das Thema Digitalisierung für sie nicht relevant sei. Haupttreiber für die Digitalisierung sind Anforderungen aus dem Unternehmen selbst und seitens der Kunden: Digitalisieren Unternehmen zum Beispiel die Produktentwicklung, Bestellung, Herstellung oder Auslieferung von Waren, dann vor allem, um flexibler auf dem Markt zu agieren (77,5 Prozent) und um die Wünsche der Kunden präziser zu erfüllen (79,1 Prozent).

"Digitalisierung erleichtert auch den Austausch und die Kooperation mit anderen Unternehmen, Start-Ups oder Forschungseinrichtungen. Doch nur ein kleiner Teil der befragten Unternehmen nutzt dies aktiv als Chance. Das liegt auch an fehlendem Knowhow und rechtlichen Unsicherheiten. Hier gibt es noch viel Potenzial", resümiert ETL-Chef Müller. Industrie 4.0 und die damit verbundene Digitalisierung interner Unternehmensprozesse werden sich auch auf die Fachkräftenachfrage auswirken: Der Bedarf nach Weiterbildungsangeboten steigt, Tätigkeitsprofile verändern sich und Aufgaben- und Verantwortungsbereiche werden neu strukturiert.

Ähnlich verhält es sich bei Lösungen für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem. Ob Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, steigende Emissionspreise oder das Ziel der CO2-Neutralität bis 2045: Die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen (78,8 Prozent) attestieren dem Thema Nachhaltigkeit bereits heute ein hohes Gewicht. Das Bewusstsein für die unternehmerische Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft ist mit 98,9 Prozent besonders hoch im größeren Mittelstand (250-499 Beschäftigte) sowie in Unternehmen aus dem Bereich der Energie-/ Wasserversorgung und -entsorgung (94,1 Prozent). Auch sind hier die Kundenwünsche ein wichtiger Faktor: Sechs von zehn Unternehmen (60,5 Prozent) geben an, dass deren Anforderungen die Bestrebungen nach mehr Nachhaltigkeit beeinflussen. Dies gilt besonders stark in der Metall- und Elektroindustrie. Für knapp 45 Prozent der Unternehmen spielen rechtliche Vorgaben und Standards bei der nachhaltigen Beschaffung, Herstellung und Versand ihrer Produkte eine Rolle. Und: Sechs von zehn Unternehmen halten die staatliche Förderung von Investitionen am wirkungsvollsten, um das Thema Nachhaltigkeit in den Unternehmen zu stärken. Klare Vorgaben aus der Politik sind gewünscht.

"Mit Blick auf den Klimawandel wird nachhaltiges Wirtschaften zu einem zentralen Leitmotiv in den Unternehmen. Wichtig ist hier eine klare Kommunikation mit Kunden, Lieferanten und Zulieferern. Nachhaltigkeitsstrategien können die Unternehmen darüber hinaus als Arbeitgeber attraktiver machen und dazu beitragen, neue Fachkräfte zu finden und vorhandene Mitarbeiter binden zu können. Erfolgreiche Unternehmen agieren insgesamt strategischer, als nicht erfolgreiche - bei der Fachkräftebindung, der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit", sagt Müller.

Den Mittelstandkompass (rund 80 Seiten inkl. zahlreicher Graphiken) finden Sie zum Download unter www.etl.de/presse (https://www.etl.de/presse/). Interviewwünsche und Rückfragen richten Sie gerne an Danyal Alaybeyoglu, Tel. 030 22 64 02 30, E-Mail: danyal.alaybeyoglu@etl.de

Pressekontakt:

Danyal Alaybeyoglu, Leiter Unternehmenskommunikation ETL AG | Mauerstraße 86-88 | 10117 Berlin Tel. +49 172 2403359 | danyal.alaybeyoglu@etl.de

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