Pumpspeicher: Vattenfall kündigt drastische Entlassungen an

Hohenwarte  Wegen Millionenverlusten sollen bis zu 60 Prozent der Belegschaft gehen. Betriebsräte sind bestürzt über Umstrukturierung.

Die Luftaufnahme zeigt das Oberbecken des Pumpspeicherwerks Goldisthal. Nach Plänen des Vattenfall-Konzerns droht mehr als der Hälfte der Beschäftigten der Thüringer Wasserkraftwerke die Entlassung.

Die Luftaufnahme zeigt das Oberbecken des Pumpspeicherwerks Goldisthal. Nach Plänen des Vattenfall-Konzerns droht mehr als der Hälfte der Beschäftigten der Thüringer Wasserkraftwerke die Entlassung.

Foto: Stefan Thomas

Bestürzend, beschämend – so umschreiben Belegschaftsvertreter von Vattenfall die Ankündigung des Stromerzeugers zur Restrukturierung seiner Wasserkraftsparte. Um wieder in die Gewinnzone zu kommen, könnten bis 2019 mehr als die Hälfte der rund 400 Vollbeschäftigten in den mitteldeutschen Pumpspeicherwerken entlassen werden.

„Es ist bestürzend und kommt völlig überraschend, dass es so viele Mitarbeiter in der Region treffen soll. Diese Menschen haben nach der Wende viel für den Konzern geleistet. Wir erwarten, dass Vattenfall ihnen Perspektiven bietet und sie nicht sang- und klanglos in die Arbeitslosigkeit fallen lässt“, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Rainer Kruppa.

Zugleich bezeichnet er es als beschämend, dass die Politik bei der Energiewende einseitige Rahmenbedingungen zugunsten der erneuerbaren Energien schaffe. „Den Preis dafür müsse nun die traditionsreiche Wasserkraftsparte und ihre Beschäftigten zahlen“, so Kruppa.

Betroffen sind die Pumpspeicher Goldisthal und Hohenwarte II

In einem Brief an die Mitarbeiter verweist Vattenfall auf den Preisverfall auf dem deutschen Strommarkt und den seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Druck. „Wir müssen trotz kräftezehrender Versuche an allen Fronten der Energiewende registrieren, dass die Pumpspeicher die Stiefkinder der Energiewende sind“, schreibt Geschäftsführer Peter Apel. Im vergangenen Jahr machte die deutsche Wasserkraftsparte laut Apel 20 Millionen Euro Verlust.

Mit dem Verkauf ganzer Anlagen oder deren Übergangsbetrieb soll nun gegengesteuert werden. Betroffen von den Umstrukturierungsplänen sind in Thüringen die Pumpspeicher Goldisthal und Hohenwarte II. Beide sollen vorerst erhalten bleiben, allerdings mit deutlich weniger Personal. Ganz trennen werde sich der Stromkonzern vom Pumpspeicher Niederwar-tha in Sachsen. „Wir sind erst einmal froh darüber, dass die Thüringer Kraftwerksstandorte bleiben. Das ist keinesfalls selbstverständlich. Die geplanten Maßnahmen stellten eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar“, so Apel.

Man habe zwar mit Einschnitten gerechnet, nicht aber damit, dass sie derart drastisch ausfallen würden, sagt Andreas Wehner, Gesamtbetriebsratsvorsitzender für den Bereich Hydro aus Goldisthal. „Wir werden hart verhandeln, um so viel Abbau wie möglich zu verhindern“, so der Belegschaftsvertreter. Zudem äußert er Zweifel, dass die Kraftwerke mit verringerter Mannschaft arbeitsfähig bleiben.

In den vergangenen Jahren hatte Vattenfall Käufer für seine Thüringer Kraftwerke gesucht. Hohenwarte II war 2015 für 9 Millionen Euro modernisiert worden. Pläne von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), die Pumpspeicher in kommunalen Besitz zu überführen oder der Thüringer Energie AG zuzuschlagen, scheiterten auch an politischem Widerstand.

Für die Belegschaften der Thüringer Pumpspeicher ist am Dienstag, 10 Uhr, eine Vollversammlung in Hohenwarte anberaumt.

Erwartet werden neben der Konzernleitung auch Kollegen anderer Vattenfall-Betriebe.