Sömmerdaer Terra GmbH blickt auf drei Jahre Südzucker zurück

Sömmerda  Beim Hofgespräch resümiert das Unternehmen zu drei Jahren bei der Südzucker AG. Der Geschäftsführer sprach über Schwierigkeiten im Zuckergeschäft und räumte mit Gerüchten auf.

Malven zieren gerade den Blühstreifen an der Erfurter Höhe zwischen Sömmerda und Rohrborn.

Foto: Jens König

Drei Jahre Terra Sömmerda unter dem Dach der Südzucker AG mit Sitz in Mannheim – Gelegenheit für eine Rückschau sowie Blick in die Gegenwart und Zukunft. Dazu hatten am Montag Südzucker-Unternehmenssprecher Dominik Risser und das Team vor Ort, Betriebsleiter Jörg-Ole Wesemann und Vorstand Berthold Nolte, eingeladen.

Terra-Vorstand Berthold Nolte:

"„Wir müssen voraus blicken. Antworten haben wir noch nicht.“"

Auch, um das Bild in der Öffentlichkeit gerade zu rücken. Die Südzucker AG habe mit „Agrar-Heuschrecken“ oder „Boden-Spekulanten“ nichts gemein. Der Unternehmenssprecher gab den Gästen des Hof-Gespräches, darunter die Landtagsabgeordnete Johanna Scheringer-Wright (Linke) und Sömmerdas Bürgermeister Ralf Hauboldt (Linke), Informationen zum Konzern und seinen Segmenten (Unternehmensbereiche). Den Ergebniseinbruch im Geschäftsjahr 2018/19 und die Schwierigkeiten im Zuckergeschäft mit Werksschließungen und Mitarbeiterabbau verschwieg der Sprecher nicht.

Geschäftsführer Berthold Nolte führte zu Sömmerdas landwirtschaftlichem Traditionsunternehmen Terra (bis 2016 Genossenschaft und seit 2017 GmbH) aus, dass der weltweit agierende Konzern hinter der heimischen Landwirtschaft stehe und den Betrieb auf lange Sicht erhalten wolle. Gemeinsam mit dem Hofgut Friemar (seit 1991) gehört Terra Sömmerda zur Betriebsgruppe Thüringen innerhalb der AG.

Nolte räumte mit anekdotischem Wissen und Gerüchten zum Erwerb des Sömmerdaer Agrarunternehmens auf. Jörg-Ole Wesemann bestätigte, dass die überwiegende Mehrheit der Genossenschafts-Anteilseigner, meist im höheren Seniorenalter, ihre Anteile verkaufen wollten. Mit der Südzucker AG habe man einen kompetenten Käufer gewonnen, wenngleich es höhere Gebote als 30 Millionen Euro gab. Niemandem der vormals 16 Mitarbeiter musste gekündigt werden. Durch Renteneintritt und einvernehmliches Verlassen des Betriebes schrumpfte die Angestelltenzahl auf zwölf. Drei davon sind in der Verwaltung tätig. „Wir bilden auch Fachkräftenachwuchs aus. Ein oder zwei Azubis sind das jedes Jahr. Wir sind bei der Vermittlung in andere Betriebe behilflich“, versicherte Wesemann. Eine ordentliche Bezahlung verstehe sich von selbst.

Verbesserte Bedingungen für die Mitarbeiter brachte das neue Verwaltungsgebäude mit sich, das seit März letzten Jahres fertiggestellt ist. Rund 400.000 Euro wurden unter anderem in Umkleide-, Sanitär- und Gemeinschaftsräume, Büros und eine kleine Mitarbeiterwohnung (für Praktikanten etc.) investiert. Eine betriebseigene Tankstelle wurde für rund 80.000 Euro neu errichtet. Als nächstes Vorhaben steht der Bau einer weiteren Getreidelagerhalle an. Auch die Trocknung solle erweitert werden, so Wesemann.

Die Gesamtfläche des Betriebes von 2712 Hektar, abzüglich drei Hektar Gebäudeflächen und 28 Hektar sonstige Flächen (Unland, Holz, Wege, Gräben etc.), wird in zumeist großen Schlägen bewirtschaftet.

Den größten Raum nimmt in diesem Jahr der Winterweizen mit rund 1000 Hektar sowie Zuckerrüben mit 450 Hektar ein. Silomais wird auf rund 300 Hektar angebaut.

Auch dem Klimawandel mit trockenen Sommern sei geschuldet, nach alternativen Sorten zu suchen. Dazu werden verschiedene Weizensorten getestet, auch Winterbraugerste kommt hier ins Spiel. „Es gibt verschiedene Strategien. Wir wollen weg vom Nitrat im Grundwasser. Düngemittel und Pflanzenschutz sollen nur noch minimal eingesetzt werden,“ so der Betriebsleiter mit Blick auf die neue Düngeverordnung. Und ja, etwa die Hälfte der bewirtschafteten Fläche liege in einem sogenannten roten Gebiet (Gebiet mit einer hohen Nitratbelastung des Grundwassers). Das bedeute mindestens drei zusätzliche Auflagen bei der Düngung. Ein Umdenken gibt es auch beim Naturschutz. Die Vielfalt der Ökosysteme und Arten (Biodiversität), Blühstreifen und Hamsterschutz stünden bei der Terra auf der Agenda, ebenso wie Regionalität. „Wir kaufen regional ein und verkaufen in Mitteldeutschland“, so Jörg-Ole Wesemann.

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