Thüringer Unternehmen zögerlich bei Auslandsgeschäften

Erfurt. Mehr als die Hälfte der Thüringer Mittelständler setzt allein auf den Binnenmarkt. Das belegt eine aktuelle Studie der Commerzbank.

Ein Blick in die Produktionshalle der Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH in Schmalkalden. Das Unternehmen setzt für sein Getränk " Vita Cola" ganz bewusst auf die fünf neuen Bundesländer als Absatzmarkt. Foto: Candy Welz

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Demnach kommt für 51 Prozent der befragten Unternehmen Auslandsabsatz nicht in Frage, sagte Nikola Köller, Vorsitzende der Geschäftsleitung für das Mittelstandsgeschäft der Bank in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Leipzig, am Montag in Erfurt.

Gegenüber einer Befragung im Jahr 2007 habe sich der Anteil der Firmen, die nicht in anderen Ländern aktiv sein wollen, damit noch einmal vergrößert. Zudem erklärten vier von fünf befragten Unternehmern in Thüringen, dass der Verzicht auf das Auslandsgeschäft für sie keine Gefahr darstelle.

Diese Zurückhaltung steht im Widerspruch dazu, dass gleichzeitig das Gros der befragten Manager und Firmeninhaber damit rechnet, dass sich die Geschäfte im Euroraum deutlich verschlechtern würden.

"Die Eurokrise hat die Unternehmer sichtlich verunsichert", sagte Köller. So rechne aktuell mehr als die Hälfte der befragten Firmenchefs mit der Insolvenz von einem oder mehreren Ländern im Euro-Währungsraum. Allerdings seien nur wenige Mittelständler besorgt, dass der gesamte Euroraum auseinanderbrechen könnte.

Dennoch stellen sich die Firmenchefs auf ein abgeschwächtes Wachstum ein und erkennen die Notwendigkeit, den Außenhandel mit Ländern außerhalb der Zone der Gemeinschaftswährung auszubauen.

Zwischen dieser Erkenntnis und der praktischen Umsetzung gelte es aber noch eine Vielzahl von Hemmschwellen zu überwinden, räumte Thomas Gillmeister, bei der Commerzbank verantwortlich für das Firmenkundengeschäft in der Region Erfurt, ein.

Die Mittelständler beklagten vor allem die fehlende Rechtssicherheit und Bürokratie in einigen Ländern oder den unzureichenden Schutz des geistigen Eigentums. "Gegenüber der letzten Umfrage ist die Zahl der Unternehmer, die Plagiate ihrer Erzeugnisse befürchten, sogar angestiegen", sagte Gillmeister.

Aber auch die kulturellen und sprachlichen Barrieren erschweren vor allem den kleinen Firmen, den Gang auf internationale Märkte. Viele Thüringer Manager und Firmeninhaber befürchteten zudem mögliche Währungs- und Finanzierungsrisiken, sagte Nikola Köller.

In den kommenden Tagen will die Bank die Ergebnisse ihrer Studie den Thüringer Verbänden und Kammern zur Verfügung stellen. "Wir wollen mit möglichst vielen Firmen in Kontakt kommen und bieten ihnen eine gezielte Beratung zum Thema Internationalsisierung an", sagte Köller.

Im November will man zu diesem Thema eine Konferenz in Erfurt veranstalten, bei der Wirtschaftsvertreter mit Wissenschaftlern, Bankern und Politikern ins Gespräch kommen sollen, kündigte Köller an.

Neue Märkte als Chance

  • Allein auf Kunden im Euroraum zu setzen, ist mehr als gefährlich.
  • Das hat die überwältigende Mehrzahl der Thüringer Unternehmer erkannt.
  • Allerdings fehlt vielen noch der Mut oder einfach nur die Möglichkeit, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Natürlich wissen auch Mittelständler in Thüringen von den Wachstumsmärkten in Brasilien, Indien oder China. Doch ein Engagement dort überfordert oftmals die kleinen und mittelständischen Firmen.
  • Selbst in Russland, wohin bis vor zwanzig Jahren noch intensive ndelsbeziehungen existierten, sind bisher nur wenige Thüringer Unternehmen aktiv.
  • Firmenchefs sollten sich bietende Chancen ergreifen; die Risiken sind mit Partnern sicher zumeist beherrschbar.

Stimmung in der Thüringer Wirtschaft deutlich verschlechtert

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