Gesundheit

Brustkrebs: Wie er entsteht und welche Therapien helfen

Berlin.  Dank moderner Medizin lässt sich Brustkrebs heute früh erkannt sehr gut behandeln, sagen Ärzte. Die Überlebenschance liegt bei 90 Prozent.

Brustkrebs: Was man jetzt über die Krankheit wissen muss
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Manuela Schwesig (45) hat viele Menschen tief bewegt. Sie hat öffentlich über ihre Brustkrebs-Diagnose gesprochen. Voller Zuversicht hat sie erklärt: „Dieser Krebs ist heilbar.“ Sie will die Krankheit besiegen, dafür müsse sie sich erst einmal in Behandlung begeben. Wie der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern geht es jährlich mehreren Zehntausend Frauen in Deutschland.

Im Jahr 2016 starben 18.570 Frauen an der Krankheit. Früh erkannt, ist Brustkrebs heute erfolgreich behandelbar, so Experten. Statistisch gesehen ist jede achte Frau im Laufe ihres Lebens von Brustkrebs betroffen. Allerdings je älter die Frau ist, desto höher ist das Risiko, einen Tumor zu entwickeln. Experten erklären, wie sich die Überlebenschancen errechnen, wie sich die Therapieformen unterscheiden und mit welchen Medikamenten der Krebs gut behandelt werden kann.

Brustkrebs: Das sind die Heilungschancen

Um die Überlebensraten zu berechnen, hat es sich bewährt, Zeitspannen von fünf Jahren zu betrachten, so die Krebsfachgesellschaften. Bei vielen Krebsarten haben Patienten, die mindestens ersten fünf Jahre nach der Diagnose überlebt haben, gute Chancen auf eine Heilung, weil Rückfälle danach immer weniger wahrscheinlich werden. Bei Brustkrebs spricht der Spezialist Professor Sherko Kümmel, Leiter des Brustzentrums KEM in Essen, von einer Überlebenschance von 90 Prozent nach fünf Jahren ohne Befund.

Die Therapien

Nach der Diagnose durch die Mammografie, meist unterstützt von einer Biopsie (Gewebeentnahme), besteht die Therapie in der Regel aus zwei Bausteinen. Erstens: die sogenannte Lokaltherapie – eine Operation, verbunden mit Bestrahlung. Zweitens: die sogenannte Systemtherapie – etwa Chemotherapie, Antikörpertherapie oder anti-hormonelle Therapie, erklärt Kümmel. Heute setze man auf eine individuelle Therapie.

Heute ist ein bewegender Tag – Schwesig zu ihrer Diagnose

Individuelle Therapie bei Brustkrebs

Weil sich die Biologie von Brustkrebs stark unterscheidet, wirkt nicht jedes Medikament bei jeder Patientin gleich. Es muss nach den molekularen Eigenschaften der Erkrankung gesucht werden. Hier gibt es die klassische Chemotherapie, die Antihormontherapie und die zielgerichteten Medikamente, so die Forscher.

Chemotherapie

Sie greift laut Experten Zellen an, die sich schnell teilen. Dies trifft bei Krebszellen, die sich durch unkontrollierte Zellteilung vermehren, aber auch bei einigen gesunden Körperzellen zu. Zu diesen gesunden Zellen zählen auch die Schleimhautzellen im Mund und im Magen-Darm-Trakt, die Zellen im Knochenmark sowie die Haarzellen.

Anti-hormonelle Therapie

Brustkrebs wächst bei vielen betroffenen Frauen hormonabhängig. Das bedeutet: Die Tumore tragen Andockstellen für die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron. Über diese sogenannten Rezeptoren regen die Hormone das Wachstum der Tumorzellen an. Die Antihormontherapie verbucht große Erfolge. „Und sie kommt für etwa 75 Prozent der Frauen infrage“, so Kümmel.

Krebsimmuntherapie

Sie wird auch Immuntherapie oder Checkpoint-Inhibition genannt und von Medizinern gefeiert: Während Chemo- oder Strahlentherapie die Krebszellen von außen schädigen, aktiviert die Immuntherapie das körpereigene Immunsystem. Ihr Ziel ist es, das Immunsystem bei dem Kampf gegen die Tumorzellen zu unterstützen. „Hilfreich ist sie vor allem bei der aggressiven Form von Brustkrebs, belegen erste Studienerfolge“, so Kümmel.

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Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Übelkeit oder extreme Müdigkeit gelten allgemein als sehr belastend. In vielen Fällen könne auf die Behandlung mit diesen Medikamenten verzichtet werden, etwa wenn der Krebs sich in einem sehr frühen Stadium befindet – oder wenn er bestimmte biologische Merkmale aufweist, die ihn angreifbar machen durch andere Medikamente, so Kümmel. Insgesamt haben viele Krebstherapien massive Spätfolgen.

Operation

„Das Ziel ist, brusterhaltend zu operieren“, so Sherko Kümmel. „Dabei ist es in den letzten Jahren gelungen, mit einer weniger radikalen Operation gleich gute Heilungschancen oder bessere Heilungschancen zu erreichen als mit radikalen Verfahren.“ Auch die ausgedehnte Lymphknotenentfernung finde heute längst nicht mehr statt. Das Problem dabei war häufig ein schmerzhaftes Lymphödem. Bei der brusterhaltenden Operation wird der Tumor vollständig entfernt. Mit anschließender Bestrahlung gilt diese Therapie als genauso sicher wie eine Brustamputation, so das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Bestrahlung

Die Therapie konnte von etwa sechs auf drei Wochen reduziert werden. Heute wird laut Experten auch häufig die integrierte Extrabestrahlung (Boost-Bestrahlung) eingesetzt, da sie eine intensive Wirkung verspricht.

Ursachen

Die Ursachen sind nicht bekannt. Es gibt laut Deutscher Krebsgesellschaft aber Risikofaktoren wie zu viel Alkohol, Nikotin oder geringe körperliche Aktivität. Auch die Hormonersatztherapie in den Wechseljahren kann das Wachstum von Krebszellen fördern. Kümmel rät zu Pausen. Die Hormone sollten nicht mehrere Jahre ununterbrochen eingenommen werden. Auch Vererbung spielte eine Rolle: Jedoch nur in fünf bis zehn aller Brustkrebsfälle lässt sich ein krankheitsauslösendes Gen nachweisen, so die Deutsche Krebsgesellschaft.

Zuletzt hatte ein neuer Bluttest für Schlagzeilen gesorgt. Er soll Brustkrebs frühzeitig erkennen lassen. Dazu hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Anfang des Jahres mit Aussagen zur Krebsbehandlung für Diskussionen gesorgt. Er sagte, der Krebs sein in wenigen Jahren komplett in den Griff zu bekommen. Führende Krebsmediziner widersprechen Spahn jedoch. Viel tut sich hingegen in der Wissenschaft, wenn es um die Frage geht: Schützt der Verzehr von Bio-Lebensmitteln vor Krebs?

Berufstätigkeit

„Viele Frauen nehmen nach oder während der Chemotherapie ihren Beruf voll oder zeitweise wieder auf“, so Kümmel. Hilfreich, um wieder zu Kräften zu kommen, sei Sport etwa zwei- bis dreimal die Woche. Am besten geeignet sei Konditionstraining. Gegen Begleiterscheinungen der Therapien wie Müdigkeit helfe auch Akupunktur oder Meditation, so der Arzt. Auch könne über eine geeignete Schmerztherapie nachgedacht werden.

Das scheint auch der Grund zu sein, warum Manuela Schwesig so optimistisch wirkte nach ihrer Diagnose, die ein „großer Schock“ war. Schwesig sagte, dass sie zwar den kommissarischen SPD-Vorsitz niederlege, aber als Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern weiterarbeiten werden. Dennoch wird der Brustkrebs Manuela Schwesigs härtester Kampf.

Wie auch Schwesig haben zahlreiche Prominente die Diagnose Brustkrebs erhalten.

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