Spinnentiere

So schützen Sie sich im Frühling vor gefährlichen Zecken

Berlin.  Der milde Winter kam den Zecken sehr entgegen. Sie sind bereits auf Beutefang – und können dem Menschen schaden. Tipps zum Schutz.

Rund 900 verschiedene Zeckenarten gibt es. In Deutschland ist vor allem der Gemeine Holzbock (Foto) verbreitet.

Rund 900 verschiedene Zeckenarten gibt es. In Deutschland ist vor allem der Gemeine Holzbock (Foto) verbreitet.

Foto: emer1940 / iStock

Sie sind flink, klein und zäh. Oft gelangen sie völlig unbemerkt auf den Körper. Dort ritzen sie die Haut auf, stechen und zapfen dann unentdeckt feine Blutbahnen an: Zecken. Die flachen Spinnentiere sind nicht nur lästig, sondern können auch Krankheiten übertragen.

Insgesamt gibt es laut dem Jenaer Zeckenforscher Jochen Süss rund 900 verschiedene Zeckenarten. „Wenn es um den Schutz der Menschen vor Zecken geht, reden wir aber primär vom Gemeinen Holzbock, der in unseren Breiten Borrelien und das FSME-Virus überträgt“, so Süss. Die Abkürzung FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. „In den Risikogebieten der FSME sind bis zu fünf Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert“, erklärt der Zeckenforscher.

Insgesamt definiert das Robert-Koch-Institut (RKI) aktuell rund 164 Kreise als FSME-Risikogebiete – drei mehr als im Vorjahr. 2020 kamen noch der Stadtkreis Dresden und der Landkreis Meißen in Sachsen sowie der Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen dazu – allesamt Regionen, die an bestehende Risikogebiete angrenzen.

Schaut man sich die Entwicklung der FSME-Erkrankungen in den letzten Jahren an, so gibt es zwar immer wieder Schwankungen, tendenziell steigen die Zahlen aber an. Insgesamt seien es im Vergleich zu anderen Krankheiten aber immer noch wenige Fälle, so Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrums für Reisemedizin. „Wir haben in Deutschland normalerweise zwischen 450 und 600 Fälle von FSME, mehr nicht.“ Die Dunkelziffer sei aber natürlich höher, da insbesondere leichte Krankheitsverläufe nicht unbedingt erkannt würden.

FSME-Impfung ist jederzeit sinnvoll

FSME-Symptome ähneln zu Beginn einem grippalen Infekt mit Beschwerden wie Kopfschmerzen und Fieber. Bei einem kleinen Teil der Infizierten kann es aber nach einer Zeit ohne Symptome zu einer zweiten Phase der Erkrankung mit Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung kommen. Im schlimmsten Falle kann die Krankheit sogar tödlich enden. 2019 war das in Deutschland zweimal der Fall.

Insbesondere in Risikogebieten raten die Experten genau wie das RKI und die Ständige Impfkommission zu einer FSME-Schutzimpfung. „Das ist eine sinnvolle Prävention, um die man sich aktiv kümmern sollte“, so Jelinek. Das gelte auch, wenn man im Laufe des Jahres in ein Risikogebiet fahre und dort draußen unterwegs sei – und sei es nur auf einer Grünfläche oder im Park.

„Wenn Sie geimpft sind, bekommen Sie kein FSME. So einfach.“ Zudem seien die Nebenwirkungen der Impfung mittlerweile sehr gering, auch wenn es mitunter zu lokalen Reaktionen, einem Muskelkatergefühl im Arm und in Einzelfällen auch zu grippeähnlichen Symptomen kommen könne, so Jelinek.

Wegen der zuverlässigen Wirksamkeit würde sich Zeckenforscher Süss sogar grundsätzlich impfen lassen, da FSME deutschlandweit vorkommen könne, in einigen Regionen eben nur häufiger als in anderen. Ein „zu spät“ im Jahr für eine Impfung gibt es laut Süss nicht. „Durch die milden Winter sind die Zecken tendenziell das ganze Jahr aktiv“, erklärt der Experte. „Ab einer Temperatur von etwa sieben Grad muss man mit Zeckenstichen rechnen.“ Da die Tiere es feucht mögen, könnte die Stichrate trotz warmer Temperaturen bei sehr trockenen Sommern dann aber wieder abnehmen.

Das sind klassische Zeichen der Borreliose

Anders als FSME-Viren übertragen Zecken Borrelien nicht sofort zu Beginn des Stechvorgangs. Die Bakterien sitzen im Darm der Tiere und wandern erst im Laufe des Saugprozesses in den menschlichen Körper. Die Borreliose kommt dafür deutschlandweit vor. „Je nach biologischem Stadium kann etwa ein Viertel der Zecken Borrelien in sich tragen“, erklärt Süss.

Wanderröte, eine flächige Rötung rund um die Einstichstelle, sei ein klassisches Zeichen, dass man sich mit Borrelien infiziert habe, so die Experten. Diese laufe ohne Anzeichen wie Brennen, Jucken oder Schmerzen ab. „Sie infizieren sich, ohne dass Sie es merken, und brüten die Erkrankung aus“, so Süss.

Darüber hinaus gäbe es teils ganz allgemeine Reaktionen, eine grippale Symptomatik, Fieber, Gliederschmerzen und ähnliches, ergänzt Jelinek. Wird eine Borreliose nicht rechtzeitig erkannt und ausreichend behandelt, kann sie den gesamten Organismus befallen und bleibende Schäden hervorrufen.

Zeckenschutzmittel können helfen

Der wichtigste Schutz ist, sich gar nicht erst stechen zu lassen und, wenn es doch passiert, die Zecken möglichst schnell aus der Haut zu entfernen. „Zecken suchen auf dem Körper etwa vier bis sechs Stunden nach der richtigen Einstichstelle“, erklärt Süss, „möglichst dünne, feuchte und vom Geruch attraktive Haut.“ Deswegen sei es wichtig, sich nach einem Aufenthalt in der Natur komplett zu entkleiden, den ganzen Körper bei guter Beleuchtung abzusuchen und sich dabei am besten von einer zweiten Person helfen zu lassen.

Damit Zecken weniger leicht auf den Körper gelangten und schon draußen besser gesehen würden, raten die Experten zudem zu heller, eng anliegender und im Idealfall langer Kleidung. Eine Kopfbedeckung und geschlossene Schuhe oder noch besser Gummistiefel seien ebenfalls ratsam, im Sommer aber natürlich nicht wirklich praktikabel.

Auch Zeckenschutzmittel können laut den Experten helfen. Sich hier auf Hausmittel zu verlassen, davon raten Süss und Jelinek aber ab. „Zu Schwarzkümmelöl oder Knoblauch beispielsweise gibt es schlicht noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen“, so der Mediziner. „Mag sein, dass es funktioniert. Mag sein, dass es nicht funktioniert.“ Hier gäbe es schlicht keine Gewissheit.

Untersuchungen von Stiftung Warentest zeigten, dass Anti-Zecken-Mittel, die ausschließlich eine Mischung aus ätherischen Ölen enthielten, zwar besser riechen als die chemischen Produkte, aber sie schnitten bei den Tests am schlechtesten ab und galten als „nicht empfehlenswert“.

Sprays mit den Wirkstoffen Icaridin, Diethyltoluamid (DEET) und Para-Menthan-3,8-Diol (PMD) sowie eine Mischung aus Icaridin und Citriodiol würden Zecken und auch Mücken dagegen wirksam vertreiben, heißt es im Testergebnis.

Die Riesenzecke läuft aktiv auf ihren Wirt zu

Neben dem Gemeinen Holzbock sorgte vergangenes Jahr auch die Hyalomma-Zecke für Aufsehen. In NRW hatte ein Exemplar einen Mann mit Fleckfieber infiziert.

Sie ist im ungesogenen Zustand bereits fünfmal so groß wie ihr kleiner Verwandter. Eigentlich ist die Hyalomma-Zecke insbesondere in Nordafrika und Anatolien heimisch, gelangt aber beispielsweise über Zugvögel schon seit jeher auch zu uns. „Aufgrund der milderen Temperaturen können die Tiere jetzt aber auch bei uns gut über den Winter kommen und sich auch vermehren“, erklärt Süss.

Doch auch wenn die Zecke durch ihre Größe beeindrucke und anders als der Holzbock sogar aktiv auf ihren Wirt zulaufe, bräuchten wir uns wegen ihr aktuell keine Sorgen zu machen. „In Deutschland konnte der in den Heimatländern gefürchtete Erreger des gefährlichen Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers bisher noch nicht nachgewiesen werden“, so der Zeckenforscher. Die Wachsamkeit der Forscher sei aber gefragt.