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Test: Vorwerk Thermomix TM6 – so schlägt sich die Neuauflage

Berlin  Die Fangemeinde des Thermomix ist riesig. Nun gibt es ein neues Modell – den TM6. Der ist teurer als der Vorgänger. Lohnt sich das?

Thermomix im Test: Das kann das neue Modell wirklich
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Es gibt vermutlich keine Küchenmaschine, die auch nur ansatzweise einen solchen Kultstatus bei ihren Besitzern genießt wie der Thermomix. Er kocht, rührt, zerkleinert, wiegt, dämpft und noch vieles mehr. Vor allem aber führt er selbst Küchenlaien Schritt für Schritt durch die Zubereitung Tausender Gerichte.

Für das Familienunternehmen Vorwerk ist das weit über 1000 Euro teure Gerät seit Jahren ein Goldesel und das wichtigste Produkt im Portfolio:

  • Knapp 1,1 Milliarden Euro Umsatz bescherte die Küchenmaschine dem Unternehmen im vergangenen Jahr
  • Das sind rund 40 Prozent des gesamten Unternehmensergebnisses
  • Der erste Thermomix erschien bereits 1980 – der TM3000
  • Wer in Italien einen Thermomix kaufen will, muss nach einem „Bimby“ fragen – der Original-Name war dort bereits von einer anderen Firma geschützt.

Ende März wurde überraschend ein Nachfolger des seit 2015 verfügbaren TM5 angekündigt und kurz darauf in den Verkauf gebracht, mit einigen Neuerungen und einem happigen Preisaufschlag von 250 Euro. Was folgte war ein Sturm der Entrüstung: In sozialen Netzwerken wüteten Thermomix-Kunden, die den TM5 nur Tage zuvor zum vollen Preis gekauft hatten, ohne dass dabei der bevorstehende Generationswechsel erwähnt worden war.

Thermomix TM6 – Was neu ist an dem Gerät

Auf den ersten Blick sieht der TM6 seinem Vorgänger sehr ähnlich, einzig das größere Display ist ein augenfälliger Unterschied.

  • Gravierender ist in den Augen der enttäuschten Thermomix-Kunden, dass der Neue nun mehr Hitze erzeugen kann. Beim Vorgänger TM5 war bei höchstens 120 Grad Celsius Schluss.
  • Der TM6 schafft dagegen bis zu 160 Grad und kann nun Zucker zu aromatischem Karamell schmelzen, was einige neue Nachspeisen ermöglicht.

Außerdem führen Temperaturen zwischen 140 bis 160 Grad bei vielen Lebensmitteln zur sogenannten Maillard-Reaktion, sprich zur aromatischen Bräunung, wie sie beim Anbraten erwünscht ist.

Darüber hinaus beherrscht der TM6 auch lang anhaltende Gar- und Fermentierungsprozesse – so kann Fleisch über Stunden bei niedrigen Temperaturen oder im Sous-vide-Verfahren (im Vakuum) gegart oder Joghurt selbst gemacht werden.

Zu guter Letzt ist diesmal auch ein Wlan-Modul für den Netzzugang fest verbaut. Das ist auch notwendig, denn die Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Tausende erprobte Rezepte gibt es nur über das Cookidoo-Portal von Vorwerk. Der Zugriff kostet nach dem ersten halben Jahr übrigens 36 Euro jährlich, die man zum happigen Gerätepreis noch einkalkulieren muss.

Neuer Thermomix – Für wen der Umstieg lohnt

Im Alltag sind die Neuerungen tatsächlich praktisch, für Besitzer des TM5 aber kein zwingender Grund zum Umstieg. Wer Sous-vide garen oder Joghurt selbst zubereiten möchte, kann zwei entsprechende Geräte bereits für gut 100 Euro nachkaufen – nicht mal die Hälfte des TM6-Aufpreises.

Drama um neuen Thermomix- Darum wollen Kunden klagen

Auch das Anbraten klingt spektakulärer, als es im Alltag ist: Tatsächlich lassen sich dank Temperaturen von bis zu 160 Grad auch Röstaromen erzeugen – ein scharfes Anbraten in der Pfanne ersetzt das aber nicht, dort sind die Temperaturen noch einmal deutlich höher.

Auch die Zubereitung eines Steaks klappt so natürlich nicht – die Oberfläche des Topfbodens ist viel zu klein und durch das Messer im Boden blockiert. Geschnetzeltes lässt sich allerdings gut zubereiten – mehr Bräunung bietet aber in jedem Fall die Pfanne.

Wer häufig karamellhaltige Nachspeisen zubereiten möchte, hat es mit dem TM6 tatsächlich deutlich leichter – hier erspart das Gerät Koch oder Köchin viel Geklebe.

TM6 – Für wen er geeignet ist

Ganz klar, den größten Nutzen haben Menschen, die kein Händchen, keine Zeit oder keine Muße fürs Kochen haben.

  • Dank Schritt-für-Schritt-Anleitungen gelingen auch Küchenneulingen auf Anhieb Gerichte weit jenseits von Nudeln mit Tomatensauce.
  • Gleiches gilt für Eltern oder Menschen, die aus anderen Gründen nicht eine Stunde am Stück ununterbrochen in der Küche verbringen können. Der Thermomix verschafft hier mehr Freiraum: Ein Signal ertönt, wenn der nächste Schritt notwendig ist, ein Timer verrät dann, wie viel „Freizeit“ man bis zum nächsten Eingreifen hat.
  • Außerdem kann er so manches, was auch routinierten Köchen nicht immer gelingt: Wer sich etwa schon an Sauce hollandaise oder Aioli versucht hat, weiß, dass das durchaus schiefgehen kann. In unserem Test lieferte der Thermomix hier zuverlässig gut gebundene Butter-Sauce und Knoblauch-Mayonaise ab.

Zudem werden die Thermomix-Kunden auch innerhalb der Rezepte stets dazu ermutigt, auf frische, selbst zubereitete Produkte zu setzen, etwa selbst gemachte Gemüse-Bouillon oder Würzpaste statt fertiger Brühwürfel zu verwenden. Auch dafür gibt es natürlich das passende Rezept.

Und statt im Alltag auf Pudding-Pulver setzen zu müssen, klappt die Zubereitung des Karamellpuddings im Thermomix ganz klassisch – ohne Klümpchen und Ansetzen. So taugt das Gerät auch bei Kochbegeisterten auf jeden Fall als äußerst fähige Küchenhilfe für Teile eines Menüs.

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Der neue Thermomix TM6 – ein Fazit

Wer einmal erlebt hat, wie leicht Kochen mit dem Thermomix und dem zugehörigen digitalen Kochbuch Cookidoo fällt, kann verstehen, warum seine Fans ihn so lieben. So mag es viele deutlich günstigere Alternativ-Geräte geben, doch sie alle haben nicht ansatzweise einen so großen Rezept-Fundus mit durchdachter Schritt-für-Schritt-Anleitung. Denn erst das macht den Thermomix so besonders.

Dabei gibt es auch einiges, was er nicht so gut kann. So lässt sich etwa die Anzahl der Portionen eines Gerichts auch beim TM6 noch nicht anpassen – völlig unverständlich. Und Risotto etwa war in mehreren Tests weit von der perfekten Cremigkeit entfernt.

Doch all das ist angesichts der Gesamtleistung verschmerzbar – die echte Hürde ist der Preis: 1359 Euro sind sehr viel Geld für eine Küchenmaschine. Wem das nicht schreckt, der bekommt wohl das aktuell potenteste und nutzerfreundlichste Küchengerät der Welt. Alle anderen können sich für deutlich weniger Geld eine wirklich tolle Küchen-Ausstattung zum Selbstkochen zulegen.

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