Finanzen

Wie Arbeitnehmer mit Sonderzahlungen ihre Rente erhöhen

Berlin.  Das wissen nur die Wenigsten: Arbeitnehmer können ab dem 50. Lebensjahr mit Sonderzahlungen ihre Rente erhöhen. Wie geht das genau?

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Einmal im Jahr kommt sie per Brief – die Renteninformation. Darin steht unter anderem geschrieben, wie hoch die monatliche Rente zu Beginn der Regelaltersgrenze ausfällt. Und wie hoch sie bei möglichen Rentensteigerungen in der Zukunft ausfallen könnte.

Für die Rechnung wird angenommen, dass die gezahlten Beiträge in die Rentenkasse bis zum Beginn des Ruhestands in ähnlicher Höhe wie in den vergangenen fünf Jahren fließen. Was viele nicht wissen: Arbeitnehmer können ihre künftige Rente mit Sonderzahlungen erhöhen.

Wer kann Sonderzahlungen leisten?

Die Möglichkeit dazu besteht seit 1996. Bis zum 30. Juni 2017 habe dies für Zusatzzahlungen ab dem 55. Lebensjahr gegolten, sagt Katja Braubach, Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV). Seit dem 1. Juli 2017 gelte dies ab dem 50. Lebensjahr. Zum Start 1996 machten davon lediglich sechs Menschen Gebrauch, 2018 waren es mehr als 17.000. Sie zahlten fast 290 Millionen Euro zusätzlich in die Rentenkasse ein. 2019 seien die Sonderzahlungen auf fast 415 Millionen Euro angestiegen, so Braubach.

Ursprünglich richtet sich das Angebot an Menschen, die frühzeitig in Rente gehen wollten. Sie sollen die drohende Lücke durch Extrazahlungen ausgleichen können. Denn Vorruhestand bedeutet: weniger Rente.

Wer zum Beispiel 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat – das ist die Mindestzeit – und drei Jahre früher aufhören möchte zu arbeiten, muss ein Minus von 10,8 Prozent hinnehmen, also 0,3 Prozent Abschlag pro Monat. Bei einer Durchschnittsrente, die in Deutschland bei etwa 1400 Euro pro Monat liegt, betrüge der Abschlag 151,20 Euro. Sonderzahlungen können hier entgegenwirken oder abfedern.

Warum können Sonderzahlungen auch meine Regelrente erhöhen?

Da sich Arbeitnehmer zum Zeitpunkt der Einzahlung nicht festlegen müssen, ob sie am Ende wirklich früher in Rente gehen, können Zusatzzahlungen nicht nur Lücken schließen, sondern auch die Regelrente erhöhen. Der Einzahler arbeitet dann einfach bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze weiter. Auch interessant: Rente mit 63 Jahren: Diese neuen Zweifel äußern Kritiker

Wie viel Geld kann ich zusätzlich einzahlen? Und was kommt dabei raus?

Die Höchstsumme orientiert sich an der Lücke, die bei einem vorzeitigen Ruhestand entstehen würde. Dort ist sie gedeckelt. Beispielhaft sei hier ein Modell erwähnt, das die Stiftung Warentest beschreibt: Dabei geht eine 55-jährige Arbeitnehmerin mit einem Bruttojahresverdienst von 50.000 Euro drei Jahre früher in Rente. Statt ihrer Regelaltersrente von 1808 Euro bekäme sie nur 1500 Euro brutto. Unter diesen Voraussetzungen dürfte sie einen Sonderbeitrag von knapp 45.000 Euro zusätzlich einzahlen.

Arbeitet sie dann aber bis 67 weiter, „erhöht sie mit dem zusätzlich gezahlten Beitrag ihre gesetzliche Monatsrente vor Steuern und Abgaben um 204 Euro von 1808 Euro auf 2012 Euro“, heißt es bei Stiftung Warentest.

Wie viel Geld Verbraucher genau einzahlen dürfen, erfahren sie von der Deutschen Rentenversicherung. Hier muss eine spezielle Auskunft angefordert werden. Dafür gibt es einen Antrag (Formular V0210 als Vordruck im Netz erhältlich auf www.deutsche-rentenversicherung.de). Am besten kreuzt man dort den Punkt „frühestmöglicher Zeitpunkt“ an und schickt auch eine Bescheinigung über den derzeitigen Verdienst mit. Dann teilt die DRV den Höchstbetrag mit.

Wer weniger als den Höchstbetrag einzahlen möchte, kann mithilfe einer Faustregel berechnen, wie hoch das Plus der Regelrente ausfällt: Der einzuzahlende Betrag wird dabei durch 220,6 geteilt. Lesen Sie auch: Wie Frauen besser fürs Alter vorsorgen

Was muss man dabei bedenken?

Das Geld muss verfügbar sein, womöglich nach einer Erbschaft oder auch durch die Auszahlung einer Lebensversicherung. Dann gilt es, Vor- und Nachteile abzuwägen: Zu den Vorteilen zählt, dass die Rentenerhöhung lebenslang gilt und sich auch auf die Hinterbliebenenrente auswirkt. Sie lohnt sich vor allem für die, die lange leben. Nachteil: Auf die Rente fallen Steuern und Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung an. Und: Nach der Sonderzahlung gibt es keinen Zugriff mehr auf das Geld.

Trotz der komplizierteren Steuererklärung lohnt es sich, die zusätzlichen Beiträge als Altersvorsorgeaufwendungen von der Steuer abzusetzen. „Das erst macht die Zusatzzahlung attraktiv“, urteilt Stiftung Warentest. Wer hier Einzahlungen splittet, um den Steuerabzug zu maximieren, kann mehrere Tausend Euro Steuern sparen. Denn: Pro Jahr gelten Höchstbeträge für die Absetzbarkeit der Vorsorgeaufwendungen. 2020 etwa wirken sich höchstens 22.542 Euro (bei Paaren 45.083 Euro) steuermindernd aus.

Die Beispiel-Arbeitnehmerin von Stiftung Warentest splittete die Beiträge von knapp 45.000 Euro auf drei Jahre auf und sparte so rund 13.720 Euro Steuern. Lesen Sie auch: Rentner ärgern sich über Steuern: Zahlen sie bald weniger?

Wie fällt der Vergleich mit anderen Rentenlösungen aus?

„Unsere Modellrechnungen zeigen, dass die Rendite der Rentenversicherung längerfristig bei zwei bis drei Prozent liegt. Alternative Anlagemöglichkeiten korrespondieren bei dieser Rendite in der Regel mit deutlich höheren Risiken“, sagt DRV-Sprecherin Katja Braubach. Und auch Stiftung Warentest kommt zu dem Ergebnis, dass sich die gesetzliche Rente nicht hinter der privaten verstecken muss.

Auch hier rechneten die Verbraucherschützer einmal mehr das Beispiel der 55-jährigen Arbeitnehmerin durch. Sie hätte etwa 45.000 minus dem Steuervorteil eingezahlt, also knapp 31.000 Euro. Bei einer klassischen privaten Rente mit Garantiezins hätte sie bei einem guten Anbieter dafür mit 67 Jahren eine garantierte Monatsrente von etwa 115 Euro bekommen, nach der Zusatzzahlung in die gesetzliche Kasse waren es 204 Euro. Ein Vorteil bestand auch noch nach Abzug von Steuern und Abgaben.

Wo bekommen Interessierte Hilfe?

Interessierte können sich entweder an das kostenlose Servicetelefon (0800/1000 4800) der Deutschen Rentenversicherung (DRV) wenden oder direkt an die Auskunfts- und Beratungsstellen. Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie können Beratungen derzeit nur mit Termin erfolgen, teilt die DRV mit.

Zu Steuerfragen erteilt die DRV keine Informationen. Hier können Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine Auskunft geben.