Gesichtserkennung

Wie die Suchmaschine PimEyes Stalkern in die Hände spielt

Berlin.  Mit Hilfe biometrischer Daten durchsucht PimEyes das Internet nach Gesichtern. Pädophile könnten so mögliche Opfer ausfindig machen.

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Welche Gefahren gehen von einer Suchmaschine aus, die nach eigenen Angaben die biometrischen Daten von zirka 900 Millionen Gesichtern gespeichert hat? Mit dieser Frage beschäftigen sich nach Recherchen des Portals netzpolitik.org nun unter anderem Regierung und Opposition im deutschen Bundestag.

Dabei steht nicht nur die Frage im Raum, was die betreffende polnische Suchmaschine PimEyes mit den gesammelten Daten will, sondern auch, welches Missbrauchspotenzial von ihr ausgeht.

PimEyes analysiert Gesichter im Internet nach individuellen Merkmalen und speichert die entsprechenden biometrischen Daten in einer Datenbank ab. Laut netzpolitik.org reiche bereits ein Schnappschuss eines Menschen aus, um ihn zu identifizieren.

Zwar liefere die Suchmaschine nicht automatisch den Namen der abgebildeten Person, wohl aber Websites, die beispielsweise den Beruf und andere zum Teil private Informationen enthalten können.

Suchmaschine PimEyes könnte Stalking erleichtern

„Wer auch immer an einem öffentlichen Ort Gesicht zeigt, könnte erkannt werden, ob auf einer Demo, vor dem Wahllokal oder im Nachtbus, als hätten wir unseren Namen auf der Stirn tätowiert“, heißt es im Bericht von netzpolitik.org.

Vor rund einem Monat wies die britische Rundfunkanstalt BBC bereits darauf hin, dass PimEyes auch von Stalkern missbraucht werden könnte. Oder von Polizistinnen und Polizisten, die versuchen könnten, nachträglich Besucherinnen und Besucher einer Demonstration zu identifizieren.

Wer schon heute mit PimEyes gefunden werden kann

Tatsächlich könnten alle Menschen, die Fotos von sich im Internet veröffentlicht haben oder auf Fotos von Freunden und Bekannten zu sehen sind, bereits jetzt in der Suchmaschine auffindbar sein. Und: PimEyes liefere schon heute mehr Fotos als die Google-Bildersuche. Das liegt daran, dass das Unternehmen geltende Gesetze zum Datenschutz umgeht.

So steht in der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), dass die Verarbeitung biometrischer Daten zur eindeutigen Identifizierung einer natürlichen Person untersagt ist. Laut netzpolitik.org argumentiert PimEye, dass Nutzerinnen und Nutzer lediglich Fotos ihres eigenen Gesichts hochladen sollen, statt Aufnahmen von Fremden. De facto gibt es jedoch keinen Mechanismus, der Nutzerinnen und Nutzer davon abhält, nach Bildern von Prominenten, Bekannten oder aber von Kollegen zu suchen.

Sprecherin der Linken nennt PimEyes „hochgefährlich“

„Das Missbrauchspotenzial einer solchen Anwendung ist enorm“, sagte Jens Zimmermann, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, gegenüber netzpolitik.org. Er fordere eine genaue Prüfung der bestehenden gesetzlichen Regelungen dahingehend, ob sie einen ausreichenden Schutz bieten. Sonst drohe den Bürgerinnen und Bürgern eine Gesellschaft „in der Anonymität im öffentlichen Raum de facto nicht mehr möglich ist.“

Die netzpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Anke Domscheit-Berg, sieht durch derartige Suchmaschinen auch die Meinungsfreiheit bedroht und bezeichnet PimEyes gegenüber netzpolitik.org als hochgefährlich.

„Die Vorstellung, dass jeder Creep in der U-Bahn mich über ein Handyfoto identifizieren und ohne große Hürden meinen Wohn- und Arbeitsort ausfindig machen kann, finde ich extrem beunruhigend.“ Sie befürchtet darüber hinaus, dass Stalker und Pädophile die Suchmaschine nutzen könnten, um potenzielle Opfer ausfindig zu machen.

Suchmaschine greift auf Inhalte sozialer Netzwerke zu

Offenbar greift PrimEyes auch auf Inhalte von Instagram, YouTube, TikTok und Twitter zu. Dabei sei es laut des Konzerns Facebook, zu dem auch Instagram gehört, durch die so genannte Policy verboten, Informationen von Menschen auf Instagram abzugreifen. Laut netzpolitik.org spreche auch YouTube von einer Verletzung seiner Nutzungsbedingungen.

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