Privatinstitute

Banken-Tarifstreit: Verdi lässt Verhandlungen platzen

Tobias Kisling
| Lesedauer: 3 Minuten
Was man über das Weltwirtschaftsforum wissen muss

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Berlin.  Im Tarifstreit der deutschen Privatbanken lässt Verdi die vierte Verhandlungsrunde platzen. Die Arbeitgeber zeigen sich unbeeindruckt.

Im Banken-Tarifstreit hat die Gewerkschaft Verdi den für Mittwoch geplanten Verhandlungstermin abgesagt. „Das Angebot muss realitätstauglich sein. Die privaten Arbeitgeber haben für die Tarifrunde diese Woche aber noch nicht einmal ein neues Angebot vorgelegt“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck unserer Redaktion. „Deshalb haben wir den Verhandlungstermin diese Woche abgesagt.“

Mit Unverständnis reagierten die Arbeitgeber der privaten Banken auf die Ankündigung. „In einer Tarifverhandlung geht es aber darum, dass man miteinander redet. Insofern fehlt mir für die Absage jedes Verständnis“, sagte Carsten Rogge-Strang, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes (AGV) unserer Redaktion. Man werde trotz der Verdi-Absage am Mittwoch mit dem Deutschen Bankangestellten-Verband (DBV) sprechen.

Banken-Tarifstreit: Verdi sieht keine Verhandlungsgrundlage

Die Lage im Streit zur zukünftigen Bezahlung und Arbeitsweise bei den tarifgebundenen privaten Geldhäusern bleibt dennoch festgefahren. Nach der dritten Tarifrunde hatte der private Arbeitgeberverband ein erstes Angebot unterbreitet, das unter anderem eine Erhöhung der Gehälter um 3,2 Prozent in drei Stufen bei einer Laufzeit von 36 Monaten vorsieht. 2022 sollen die Tarifgehälter dem Angebot zufolge um 1,2 Prozent steigen, 2023 und 2024 jeweils um 1 Prozent. Von den Tarifverhandlungen sind rund 140.000 Bankbeschäftigte in Deutschland betroffen.

„In diesem Jahr soll es trotz Rekordinflation überhaupt keine Gehaltserhöhung mehr geben“, kritisierte Duscheck. Die Arbeitgeber würden so einen Reallohnverlust für vier Jahre durchsetzen wollen. „Das ist für uns keine Gesprächsgrundlage.“

AGV-Hauptgeschäftsführer Rogge-Strang machte hingegen deutlich: „Wir werden im Vorfeld eines weiteren Verhandlungstermins keine weiteren Zugeständnisse machen.“ Man sei aber bereit, über das bisherige Angebot zu reden. „Wir würden gerne mit beiden Gewerkschaften weitersprechen. Dafür braucht es aber eine Dialogbereitschaft seitens Verdi“, sagte Rogge-Strang.

Banken-Tarifstreit: Verdi droht mit weiteren Streiks

In den vergangenen Wochen hatte Verdi bereits zu ersten Warnstreiks aufgerufen. Nun könnte sich der Arbeitskampf verschärfen. „Sollte die Arbeitgeberseite nicht bereit sein ihr Angebot zu verbessern und mit aller Ernsthaftigkeit am Verhandlungstisch in die Themen Mobiles Arbeiten und einen Nachwuchskräftetarifvertrag einzusteigen, werden wir die Arbeitskampfmaßnahmen in den kommenden Wochen immer weiter intensivieren“, sagte Duscheck. Verdi bleibe aber gesprächs- und verhandlungsbereit, sollten die Arbeitgeber ein „substanziell verbessertes Angebot“ vorlegen.

Von der Drohung nach weiteren Streiks zeigte sich Rogge-Strang unbeeindruckt: „Die bisherigen Streiks hatten keine nennenswerten Auswirkungen. Insofern nehmen wir die Streikdrohung zur Kenntnis, sehen das aber gelassen.“

Mehr als die Hälfte der Arbeitszeit soll mobil erfolgen können

Nach der jüngsten Verhandlungsrunde hatte es in mehreren deutschen Städten bereits Warnstreiks gegeben. Unter anderem hatten Beschäftigte der Commerzbank in Nordrhein-Westfalen einen Tag die Arbeit niedergelegt. In Berlin hatte Verdi zu Streiks bei der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Targobank aufgerufen. In Baden-Württemberg waren die Bausparkassen Schwäbisch Hall und Wüstenrot von Streiks betroffen. In Essen und Berlin kam es zudem seit Januar immer wieder zu Streiks bei der Deutschen Bank.

Neben mehr Geld für die Beschäftigten will Verdi auch einen Anspruch durchsetzen, dass Beschäftigte der Privatbanken bis zu 60 Prozent ihrer Arbeitszeit mobil arbeiten können. Über Ausnahmen in Bereichen, wo dies nicht möglich sei, sei man bereit zu sprechen. „Hier braucht es aber klare Spielregeln, damit die Arbeitgeber dies nicht pauschal ablehnen“, mahnte Duscheck. Der Verdi-Verhandlungsführer forderte zudem eine finanzielle Unterstützung für Mehrkosten, die durch die mobile Arbeit entstehen.