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Besserer Wohnungsbau: IG Bau fordert eigenes Bauministerium

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Wie erfolgreich ist die Wohnraumoffensive ?

Wie erfolgreich ist die "Wohnraumoffensive"?

In vielen deutschen Städten ist Wohnraum knapp und teuer. Das hat auch die Politik erkannt und wollte mit einer Bau- und Förderoffensive für Entspannung sorgen. Während die Bundesregierung auf Erfolge verweist, bleiben noch immer Baustellen.

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Berlin.  Weniger Sozialwohnungen und stark steigende Mieten. Der Gewerkschaftschef der IG Bau fordert deshalb ein eigenständiges Bauministerium.

Ob zur Miete oder im Eigentum: Jeder Mensch braucht ein Dach über dem Kopf. Doch dieses wird angesichts steigender Immobilienpreise vor allem in Großstädten immer kostspieliger. Damit dieser lebenswichtige Bereich künftig in der Politik mehr Gewicht erhält, fordert die Gewerkschaft IG Bau ein eigenständiges Bundesministerium für Bauen und Infrastruktur in der nächsten Bundesregierung.

Dieses Ziel sollten alle Parteien in ihre Programme aufnehmen, sagte der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), Robert Feiger, dieser Redaktion. „Dies wäre ein deutliches und wichtiges Signal, um dem Wohnungsbau künftig den notwendigen Stellenwert zu geben.“

Gewerkschaft will eigenständiges Bauministerium

„Es ist ein großer Fehler gewesen, auf ein eigenständiges, vollwertiges Bau-Ressort innerhalb der Bundesregierung zu verzichten und den Wohnungsbau dem Organigramm des Bundesinnenministeriums anzuhängen“, kritisiert Feiger. „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich die soziale Frage des Wohnens nicht mit einem ‚Anhängsel-Ressort‘ lösen lässt.“

Die Wohnungslage habe sich in der Amtszeit von Bundesminister Horst Seehofer (CSU) verschlechtert. So gebe es weniger statt mehr Sozialwohnungen. „Der Schwund ist enorm“, sagt der Gewerkschafter. „43.000 Sozialwohnungen sind bundesweit in den vergangenen fünf Jahren vom Markt verschwunden.“ Ende der 1980er-Jahre gab es bundesweit noch vier Millionen Sozialwohnungen – allein in Westdeutschland.

Bauministerium soll Abbau von Sozialwohnungen stoppen

„Mittlerweile haben wir die Marke von 1,1 Millionen Sozialwohnungen unterschritten“, so Feiger. „Von zehn Mieterhaushalten, die einen Wohnberechtigungsschein bekommen könnten, hat heute nur einer die Chance, auch tatsächlich in einer Sozialwohnung zu wohnen“, rechnet Feiger vor und beruft sich dabei auf eine Auswertung durch das Pestel-Institut. Der IG Bau-Chef spricht sich deshalb für eine Wiedereinführung der Wohnungsgemeinnützigkeit aus.

Die Mietpreise für Neubauwohnungen kletterten zudem zwischen 2010 und 2020 allein in Berlin und Essen um rund 75 Prozent. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise sind in den vergangenen zehn Jahren um lediglich 13,5 Prozent gestiegen. „Das macht deutlich, mit welcher ‚Mieten-Explosion‘ wir es zu tun haben. Hier muss die Politik dringend gegensteuern“, so Feiger.

Hier muss die Politik dringend gegensteuern. Und das bedeutet: Wir brauchen deutlich mehr bezahlbare Wohnungen und deutlich mehr Sozialwohnungen“, fordert Feiger.

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