Insolvenz

Thomas-Cook-Pleite: Hotels auf Mallorca stehen vor dem Ruin

Berlin.  Das Aus des britischen Reisekonzerns könnte zahlreiche Hotels mitreißen. In Spanien, Griechenland und der Türkei wächst die Angst.

Mallorca jenseits der Massen: So will die Insel sich neu erfinden

Mallorca: Die Lieblingsinsel der Deutsche hat Probleme mit Massentourismus und Müll. Die Tourismusorganisation Fundació Mallorca Turisme will mit regulierenden Maßnahmen dagegen ankämpfen.

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Nach Partylaune ist den Hoteliers am Ballermann derzeit nicht zumute. Stattdessen geht nach dem Aus des britischen Reisekonzerns Thomas Cook in vielen Tourismusregionen die Angst um – und nicht nur auf Mallorca, auch in Griechenland und der Türkei fürchten Hoteliers, mit in die Insolvenz gerissen zu werden.

Denn durch das Aus des zweitältesten Reisekonzerns der Welt stehen auf einmal zahlreiche offene Rechnungen aus und zig Touristen, die bisher über Thomas Cook die Hotels ansteuerten, werden nun nicht mehr kommen.

Mallorca leidet unter Thomas-Cook-Pleite

Besonders auf Mallorca schlagen die Hoteliers Alarm. Sie fürchten nach dem Zusammenbruch des Konzerns Millionenverluste, der viele lokale Tourismusbetriebe in den Ruin treiben könnte.

  • Schätzungen zufolge brachte Thomas Cook in 2018 rund eine Million Pauschalurlauber nach Mallorca und auf die balearischen Nachbarinseln Ibiza, Menorca und Formentera.
  • Etliche Hotels sind so eng mit Thomas Cook verbunden, dass sich die Krise existenzbedrohend auswirken könnte.
  • Die Hoteliers rechnen allein auf der Insel mit unbezahlten Rechnungen in Höhe von 100 Millionen Euro.

Nach ganz Spanien transportierte das Unternehmen in 2018 knapp vier Millionen Pauschaltouristen – also etwa fünf Prozent der im vergangenen Jahr gezählten 83 Millionen ausländischen Feriengäste.

„Kurzfristig wird dies in vielen Unternehmen große finanzielle Probleme verursachen“, sagte ein Sprecher des spanischen Branchenverbandes Exceltur. In Spanien trifft das Ende von Thomas Cook vor allem die Balearen, die Kanarischen Inseln sowie Andalusien, Valencia und Katalonien.

Da auch die deutsche Thomas Cook-Tochter pleite ist, kommen viele deutsche Urlauber nicht mehr auf ihre Lieblingsinsel. Bis zum 13. Oktober sind alle Reisen von Neckermann, Öger und Bucher storniert.

Hotels gehen früher in die Winterpause

Auf Mallorca wird nun erwartet, dass etliche Hotels, die bisher mit Thomas Cook zusammenarbeiteten, ihre Preise senken, um Tausende von leeren Betten schnellstens anderweitig zu vermarkten. „Wir müssen uns anstrengen und Verkaufsanreize bieten“, hieß es seitens der spanischen Hotelvereinigung Cehat. Thomas Cook ist pleite – Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.

Doch nicht alle betroffenen mallorquinischen Hoteliers hoffen auf rettende Last-Minute-Buchungen: Einige Übernachtungsbetriebe kündigten wegen der Cook-Krise an, dass sie dieses Jahr bereits Ende September, also deutlich früher als normal, in die Winterpause gehen wollten.

Damit wird auch die Tourismusbilanz, die in diesem Jahr auf einen Touristenrekord zusteuerte, vermutlich einen Knick bekommen – die Jahresbilanz könnte negativ ausfallen. Es ist nicht der einzige Schlag für die Urlaubsinsel: Mallorca kämpft nicht erst seit der Thomas-Cook-Pleite mit einer Touristen-Flaute, besonders Deutsche kehren ihrer einstigen Lieblingsinsel den Rücken.

Hoteliers sitzen auf den Kanaren auf einem Schuldenberg

Die Maßnahme der mallorquinischen Hoteliers ist auf den Kanarischen Inseln keine Option. Die Kanaren, zu denen Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura gehören, haben ihre Hauptsaison mitten im Winter. Da die Briten nahezu ein Drittel der 15,6 Millionen jährlichen Touristen stellen, sind die Kanaren noch stärker von Pleite des Reiseveranstalters betroffen als die Balearen.

Die kanarischen Hoteliers sitzen nach Angaben ihres Dachverbandes auf einem von Cook verursachten Schuldenberg von 140-160 Millionen Euro.

Daher arbeitet die Branche bereits an einem Antikrisenplan. Um die Verluste in Grenzen zu halten, will man versuchen, die von Thomas Cook bisher reservierten Ferienplätze auf den Inseln anderen großen Reiseveranstaltern anzubieten.

Das kündigte der regionale Regierungschef der Inseln, Ángel Víctor Torres, an. Auch die bisher von Cook auf den Kanaren betriebenen 24 konzerneigenen Hotelanlagen könnten vielleicht von der Konkurrenz übernommen werden, hieß es. Das ist die Liste der Tochterunternehmen von Thomas Cook.

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Für Griechenland und Zypern ist die Pleite ein schwerer Rückschlag

Nicht nur für die spanischen Inselgruppen ist die Pleite von Thomas Cook ein herber Schlag. In Griechenland steht die Tourismusbranche vor riesigen Einbußen. Die meisten Hoteliers, die Thomas Cook-Kunden beherbergen, sind seit Mitte Juni nicht mehr bezahlt worden.

Der Verband der griechischen Touristikunternehmen Sete beziffert den Schaden auf 300 bis 500 Millionen Euro. Und die Summe könnte noch steigen: Offen ist, ob die Hoteliers die bereits für 2020 an Thomas Cook vermieten Kontingente anderweitig loswerden können.

Im vergangenen Jahr brachte Thomas Cook etwa jeden Zehnten der 30 Millionen ausländischen Urlauber nach Griechenland, vor allem auf die Inseln Rhodos, Kos, Korfu, Zakynthos und Kreta.

Dort hatten 70 Prozent aller Hotels Verträge mit Thomas Cook, berichtet Michalis Vlatkos, der Präsident des kretischen Tourismusverbandes. Die Pleite sei „ein Erdbeben der Stärke sieben“, sagt der Verbandschef und sorgt sich: „Der Tsunami kommt erst noch.“

Auch für die Tourismuswirtschaft auf der Insel Zypern kam die Pleite wie ein Schock. Die Briten stellen traditionell die größte Urlaubernation auf Zypern. Viele Hotels hatten 70 bis 80 Prozent ihrer Betten für Thomas Cook reserviert. Sie sitzen jetzt auf unbezahlten Rechnungen von rund 50 Millionen Euro.

Auch die Türkei ist schwer getroffen

Nicht viel besser sieht es wohl in der Türkei aus. Auf Thomas Cook entfielen dort etwa acht Prozent der britischen und zehn Prozent der deutschen Urlauber. Welche Beträge der Veranstalter den Vertragshotels in der Türkei schuldet, ist noch unklar. Zuletzt hatte ein türkisches Urlaubsziel Mallorca als beliebtestes Urlaubsziel der Deutschen überholt.

Osman Ayik, Präsident der türkischen Hotelier-Föderation, sagte, besonders betroffen seien Hotels in Kusadasi, Dalaman und Marmaris an der Ägäisküste sowie Fethiye und Antalya an der türkischen Riviera. Ayik schätzt, dass Thomas Cook in diesem Jahr etwa 600.000 bis 700.000 Urlauber in die Türkei gebracht hätte.

Jenen Hoteliers, die nach der Pleite jetzt auf unbezahlten Rechnungen sitzen und deswegen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, will die türkische Regierung mit Überbrückungskrediten helfen. Gedacht ist an einen Sonderfonds, mit dem die besonders gefährdeten kleinen und mittelgroßen Hotelbetriebe gestützt werden sollen. Einzelheiten sollen in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden.

Die Pleite von Thomas Cook hat in der Türkei aber auch eine Debatte über die künftige Strategie im Tourismus angestoßen. Minister Ersoy sagte, man müsse sich auf neue Modelle im Individualtourismus konzentrieren, um unabhängiger von großen Reiseveranstaltern zu werden.

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