Insolvenz

Thomas Cook: Hotels fordern von Urlaubern zusätzliches Geld

Berlin.  Die Pleite des britischen Reisekonzerns könnte viele Hotels mitreißen. Die Hoteliers sind in Panik – und greifen zu rabiaten Mitteln.

Zahlreiche Reisende mit Thomas Cook sind im Urlaub gestrandet. Auf dem Flughafen auf Las Palmas bildeten sich an den Schaltern lange Schlangen.

Zahlreiche Reisende mit Thomas Cook sind im Urlaub gestrandet. Auf dem Flughafen auf Las Palmas bildeten sich an den Schaltern lange Schlangen.

Foto: BORJA SUAREZ / Reuters

Nach der Pleite des britischen Reisekonzerns Thomas Cook liegen die Nerven bei zahlreichen Hoteliers blank. Millionenschwere Zahlungen bleiben aus, die Hotels drohen in den Strudel, den die Insolvenz von Thomas Cook erzeugt, eingesogen zu werden.

Besonders drastisch äußerte sich die Angst vor dem Aus des eigenen Hotels beim „Les Orangers“-Ressort im tunesischen Badeort Hammamet. Um nicht auf unbezahlten Rechnungen sitzen zu bleiben, verriegelten Sicherheitskräfte laut des britischen Nachrichtensenders BBC am Sonntag die Hoteltüren.

Gäste durften nur noch auschecken, wenn sie die fehlenden Raten für ihren Aufenthalt aus eigener beglichen. „Wir werden als Geiseln gehalten“, sagte der britische Urlauber Ryan Farmer der BBC. Eine ältere Dame hätte laut Farmer über 2000 Pfund (rund 2268 Euro) gezahlt, um das Hotel verlassen zu können. Nachdem der Fall öffentlich wurde, schaltete sich der tunesische Tourismusminister ein. Mittlerweile seien die festgesetzten Gäste wieder frei und zum Flughafen eskortiert worden, teilte das Tourismusministerium mit.Verunsicherung nach Pleite von Thomas Cook

Thomas Cook: Auf Mallorca sollten zwei Urlauberinnen extra zahlen

Der Fall auf Tunesien ist ein extremes Beispiel – aber offenbar kein Einzelfall. Die „Mallorca Zeitung“ berichtet von zwei Paderbornerinnen, die beim Auschecken eines über „Neckermann Reisen“ gebuchten Hotels an der Playa de Palma auf Mallorca den vollen Preis ihres Aufenthalts zahlen sollten – von Neckermann sei kein Geld eingegangen.

Die beiden Touristinnen, die mittlerweile ihr deutsches Reisebüro konsultiert hatten, weigerten sich, der Forderung nachzukommen. Im Gegensatz zu den Gästen in Tunesien wurden sie nicht festgesetzt. „Neckermann Reisen“ gehört wie zahlreiche weitere Tochterunternehmen zu Thomas Cook. Unsere Redaktion beantwortet die wichtigsten Fragen für Reisende rund um die Thomas-Cook-Pleite.

Thomas-Cook-Pleite könnte fatale Folgen für Tunesien und Spanien haben

Die Panik der Hoteliers ist nicht unbegründet. In Tunesien erholt sich der Tourismus gerade erst von den Anschlägen im Jahr 2015. Immerhin jeder zehnte Reisende kommt mittlerweile wieder aus der EU. Laut des tunesischen Tourismusminister René Trabelsi halten sich derzeit allein rund 4500 britische Gäste in dem nordafrikanischen Land auf – viele sind Thomas-Cook-Reisende.

In Spanien dürften die Folgen des Bankrotts des hinter TUI zweitgrößten Reiseveranstalters der Welt noch fatalere Folgen haben. Laut eigenen Angaben war Spanien das beliebteste Thomas-Cook-Urlaubsland im vergangenen Jahr.

Schätzungen zufolge brachte Thomas Cook im vergangenen Jahr rund eine Million Pauschalurlauber auf Mallorca und die balearischen Nachbarinseln Ibiza, Menorca und Formentera. Nach ganz Spanien transportierte das Unternehmen knapp vier Millionen Pauschaltouristen.Bundesregierung will in nächsten Tagen über Condor-Hilfen entscheiden

Mallorca fordert staatliche Hilfe

Die Chefin des mallorquinischen Hotelverbandes FEHM, María Frontera, warnte: Der Bankrott des zweitwichtigsten Reiseveranstalters auf der Insel sei eine „beispiellose Situation“. Sie forderte vom spanischen Staat Hilfen für jene Inselunternehmen, die von Thomas Cook mitgerissen werden könnten.

Nach Angaben des Branchenverbandes Exceltur schuldet Thomas Cook in Spanien Hotels und Tourismusbetrieben rund 200 Millionen Euro. Nun wurden alle von Thomas Cook reservierten Hotelbetten auf der Insel storniert.

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Kommentar: Reisende brauchen mehr Schutz

Mallorca-Reisende können auf Schnäppchen hoffen

„Das Loch, das Thomas Cook in der Reisebranche hinterlässt, wird nicht einfach zu füllen sein“, sagte Jordo Mora, Vorsitzender des mallorquinischen Unternehmerverbandes PIMEM. Mora erklärte, dass die Zahlungsunfähigkeit des britischen Urlaubsgiganten nicht nur die Hotels, sondern auch Restaurants, Mietwagenunternehmen, Taxifahrer lokale Tourveranstalter und den Einzelhandel hart treffe.

Der Hotelverband der Insel appellierte an seine Mitglieder, die von der Pleite betroffenen Touristen nicht im Regen stehen zu lassen – und ihnen keine Extrazahlungen für unbeglichene Rechnungen abzuverlangen.

Mallorca-Reisende könnten in den kommenden Wochen dagegen durchaus von der Thomas-Cook-Pleite profitieren: Es wird erwartet, dass viele Hotels, die bisher mit Thomas Cook zusammenarbeiteten, nun ihre Preise senken, um tausende von leeren Betten anderweitig zu verkaufen. Für Reisende könnten Schnäppchen winken.

Türkei und Griechenland von Pleite stark betroffen

Im für Thomas Cook zweitwichtigsten Reiseland, der Türkei, hat das türkische Tourismusministerium den Hotels mit gerichtlichen Konsequenzen gedroht, sollten sie Zahlungen von Zahlungen verlangen oder sie die Gäste dazu auffordern, ihre Zimmer zu räumen.

Zugleich kündigte das Ministerium in Ankara über Twitter an, ein Unterstützungspaket für betroffene heimische Unternehmen „in kürzester Zeit“ verabschieden zu wollen.

In Griechenland schrieb die Wirtschaftszeitung „Naftemporiki“ im Zuge der Thomas-Cook-Pleite vom „stärksten Schlag seit der Finanzkrise“. Griechische Tourismusverbände fürchten, dass die Insolvenz von Thomas Cook dem Tourismussektor des Landes bis zu 500 Millionen Euro kosten könnte.

Namensvetter Thomas Cook kann Hochzeit nicht feiern

Die britische Regierung setzte derweil auch am Dienstag die „Operation Matterhorn“ fort, mit der sie die 150.000 gestrandete Urlauber zurück nach Großbritannien holt. Zu ihnen gehört auch ein Namensvetter des Thomas-Cook-Konzerns: Der 29-jährige Thomas Cook aus Hucknall bei Nottingham wollte eigentlich am Freitag auf der griechischen Ferieninsel seine 27-jährige Freundin Amelia Binch heiraten, berichtet die „Nottingham Post“.

Das Paar hatte ihr komplettes Hochzeitspaket über den Reisekonzern geordert, auch die Hälfte ihrer Gäste sollte mit Thomas Cook nach Rhodos fliegen. Nun muss das Paar womöglich vorzeitig zurückfliegen. „Thomas Cook hat uns wegen meines Namens eine Überraschung versprochen – aber dies ist nicht die Überraschung, mit der wie gerechnet haben“, sagte Cook.

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