Die Stadt Jena soll auf Antrag der Stadträte Bastian Stein (CDU) und Stefan Beyer (FDP) die Patenschaft für ein Schiff der Deutschen Marine übernehmen. Der Stadtrat entscheidet darüber in seiner nächsten Sitzung.

Ein offener Brief des Winzerlaers Claus Suppe sorgt nun für scharfe Kritik. Suppe, Überlebender der DDR-Heimerziehung, Bürgerrechtler von 1989 und Mitglied im Förderverein Gedenkstätte Hohenschönhausen, schreibt: „Mit Unverständnis musste ich zur Kenntnis nehmen, dass die Stadt Jena die Absicht hat, für ein deutsches Kriegsschiff die Patenschaft zu übernehmen.“

Claus Suppe in der Johannisstraße, wo von der DDR-Friedensbewegung auch „Schwerter zu Pflugscharen“ gelebt wurde.
Claus Suppe in der Johannisstraße, wo von der DDR-Friedensbewegung auch „Schwerter zu Pflugscharen“ gelebt wurde. © Archivbild | Thomas Beier

Der Ruf Jenas als Friedensstadt ist in Gefahr

Zur Begründung verweist er auf Deutschlands Rolle als Auslöser der beiden Weltkriege und auf die in Jena gewachsene Friedensbewegung zu DDR-Zeiten. Namen wie Matthias Domaschk, Peter Rösch und Jürgen Fuchs stehen für Menschen, die damals viel riskierten, um für Frieden einzutreten. „Das alles ist in meinem Herzen. Ich möchte, dass Jena eine Friedensstadt bleibt“, sagte Suppe der Redaktion.

Worte wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ und „Schwerter zu Pflugscharen“ müssten auch heute noch gelten. Eine Patenschaft für ein Kriegsschiff verunglimpfe „das Vermächtnis dieser Menschen“.

Stattdessen schlägt Suppe vor, den Namen „Jena“ einem Handels- oder Forschungsschiff zu geben. Da gebe es es eindeutige Verbindungen zu Zeiss, Schott, Uni, FH oder den unzähligen Instituten, so Suppe in seinem Brief, den er an Stadtspitze und Stadtrat richtete.

Erwiderung: Marine leistet Dienst für Frieden und Sicherheit

Die Initiatoren nennen in ihrer Beschlussvorlage als Grund für die Initiative: „Eine Patenschaft zwischen der Stadt Jena und einem Schiff der Deutschen Marine stärkt die Verbundenheit zwischen Bundeswehr und Gesellschaft.“ Sie bietet die Möglichkeit zu regelmäßigen Begegnungen, gegenseitigem Austausch und fördert das Verständnis für die wichtige Aufgabe der Marine im Dienst von Frieden und Sicherheit.

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Es seien im Vorfeld „einige falsche Informationen verbreitet“ worden, schreiben beide weiter. Patenschaften seien durch die Bundeswehr geregelt, hätten mit Rekrutierung an Schulen nichts zu tun – dies sei sogar gesetzlich untersagt.

Der Stadtrat hatte das Thema bereits vor der Sommerpause andiskutiert. Christoph Vietze (SPD) äußerte die Sorge, dass Kosten in fünfstelliger Höhe auf die Stadt zukommen könnten, wenn der Oberbürgermeister Empfänge für die Besatzung und die Admiralität ausrichte – angesichts der Haushaltssperre ein Problem. Bastian Stein entgegnete, das sei nicht der Fall. Eine Patenschaft koste nichts. Allenfalls könne der Oberbürgermeister gelegentlich einen Blumenstrauß überreichen. Erwartet werde dies nicht.

Das Thema steht auf der Tagesordnung der öffentlichen Ratssitzung am Mittwoch, 24, September, ab 18 Uhr im Jenaer Rathaus. Als Tagesordnungspunkt 19 ist mit der Beratung erst nach der Abendbrotpause zu rechnen.