Doreen Vogt ist Diätassistentin und Ernährungstherapeutin aus Leidenschaft. Mit ihrem Unternehmen „Essens-ZIELL – Ernährung & Gesundheit“ hat sie bereits zahlreichen Menschen auf ihrem Weg zu einem gesunden Körpergefühl ein großes Stück Lebensqualität zurückgebracht.
Die Gesundheitsexpertin erzählt, wo sich die meisten Probleme auftun, wo sich Fallstricke verstecken und klärt über hartnäckige Mythen und Vorurteile auf. Dabei gewährt sie einen interessanten Einblick in ihre Arbeit und Vorgehensweise, ihre Klientinnen und Klienten auf ihren individuellen Wegen in ein neues Leben zu begleiten:
Viele Frauen sitzen mir gegenüber und sind an diesem Punkt bereits ziemlich verzweifelt.
Doreen Vogt, Diätassistentin und Ernährungstherapeutin
Sie nehmen Platz, holen tief Luft und beginnen aufzuzählen:
- „Ich habe schon Low Carb versucht.“
- „Ich lasse das Frühstück weg.“
- „Abends esse ich kaum noch etwas.“
- „Süßigkeiten gibt es bei mir fast gar nicht.“
- „Ich habe Intervallfasten gemacht.“
- „Ich passe doch auf.“
Und irgendwann kommt fast immer dieser Satz:
„Ich kann mir doch nicht alles verbieten.“
Dabei höre ich Frust und manchmal Enttäuschung.
Oft auch ein sehr schlechtes Gewissen.
Denn viele dieser Frauen disziplinieren sich bereits seit Jahren. Sie hinterfragen jede Mahlzeit, ärgern sich über ein Stück Kuchen auf einer Geburtstagsfeier und haben das Gefühl, bei jedem kleinen Genussmoment etwas falsch gemacht zu haben.
Und dann schauen sie mich an und fragen:
„Was mache ich denn bitte falsch?“
Ganz ehrlich?
Ich glaube ihnen.
Sofort, nicht nur aus Höflichkeit, sondern weil ich ihre Ernährungsprotokolle sehe.
Nicht die geschönten Versionen.
Nicht das, was man hübsch aufpoliert auf Social Media Fotos zeigt.
Sondern das, was tatsächlich auf dem Teller landet.
Und dabei stelle ich immer wieder fest:
Die meisten essen nicht zu viel.
Viele essen sogar erstaunlich wenig.
- Trotzdem werden die Hosen enger.
- Die Energie weniger.
- Der Bauchumfang größer.
- Die Blutwerte schlechter.
Das fühlt sich unfair an.
Und genau deshalb beginnt bei vielen die Suche nach dem nächsten Ernährungsplan, der nächsten Regel oder dem nächsten Verzicht.
Doch die entscheidende Frage lautet oft nicht nur:
„Was essen Sie?“
Sondern:
„Was passiert eigentlich in Ihrem Körper?“
Denn manchmal liegt die Antwort eben nicht nur auf dem Teller.
Warum weniger essen nicht automatisch zu weniger Gewicht führt
An den Satz dieser Rentnerin musste ich noch lange denken. Sie saß mir gegenüber, schüttelte den Kopf und sagte:
„Frau Vogt, früher konnte ich doch auch mal ein Stück Kuchen essen. Ich habe gearbeitet. Ich war ständig unterwegs. Ich habe mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Heute lasse ich schon so vieles weg. Aber glücklich macht mich das auch nicht.“
Dann wurde sie still. Und nach einer kurzen Pause kam das, was eigentlich hinter ihren Worten steckte:
„Irgendwas stimmt doch da nicht?“
Wissen Sie was? Genau das denke ich auch oft. Aber nicht über meine Klientin.
Sondern über die Vorstellungen, die wir von unserem Körper haben.
Denn der Irrglaube ist:
Wenn ich weniger esse, muss ich automatisch abnehmen. Eine Kalorie ist eben eine Kalorie und ich muss nur sparen.
Klingt logisch.
Ist aber oft nicht die ganze Wahrheit.

Die Frau, die mir gegenübersaß, hatte längst angefangen, sich einzuschränken. Sie verzichtete auf Süßigkeiten. Aß immer kleinere Portionen. Überlegte bei jeder Einladung, was sie essen „darf“. Und trotzdem wurde ihr Bauch nicht kleiner.
Sie war so sehr frustriert über ihre vermeintlichen Misserfolge, weil sie viel tat und kaum etwas davon belohnt wurde. Und genau an diesem Punkt beginnen viele Frauen, an sich selbst zu zweifeln.
Vielleicht kennen Sie auch diese Gedanken:
- „Ich müsste konsequenter sein.“
- „Andere schaffen das doch auch.“
- „Vielleicht fehlt mir einfach die Disziplin.“
Doch was wäre, wenn das eigentliche Problem gar nicht Ihre Disziplin ist?
Was wäre, wenn Ihr Körper längst auf etwas reagiert, das Sie bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatten?
Der Körper verändert mit der Zeit die Spielregeln
Viele Frauen glauben, ihr Körper hätte plötzlich beschlossen, gegen sie zu arbeiten. Genau so fühlt es sich oft an. Früher ging das doch auch nebenbei. Ein Stück Kuchen beim Geburtstag. Ein Eis nach Feierabend. Ein gemütlicher Abend mit Freunden. Und am nächsten Tag war alles wieder wie immer.
Heute scheint jede Ausnahme sofort sichtbar zu werden. Auf der Waage sowieso oder die Hose kneift auf einmal. Oder in Form von Müdigkeit und Heißhunger.
Doch der Körper ist nicht plötzlich unvernünftig geworden. Der Körper verändert nur die Spielregeln. Und dafür gibt es oft gute Gründe.
Mit den Jahren verändert sich vieles: Muskelmasse geht verloren, die Hormone verändern sich, Stress hinterlässt Spuren und oft schlafen wir schlechter als früher. Dazu kommt, dass wir uns häufig weniger bewegen, ohne es bewusst wahrzunehmen. Viele bewegen sich unbewusst weniger als früher. Und manchmal kommen Medikamente oder Erkrankungen hinzu.
Das Problem dabei: Diese Veränderungen passieren schleichend.
Niemand wacht morgens auf und denkt: „Heute hat sich mein Stoffwechsel verändert.“
Doreen Vogt
Es passiert über Jahre und auch fast unbemerkt.
Bis zu dem Moment, an dem die Lieblingshose nicht mehr passt oder die Blutwerte beim Arzt plötzlich Aufmerksamkeit verlangen.
Deshalb höre ich in meiner Praxis oft Sätze wie:
„Eigentlich esse ich doch wie früher.“ oder „Ich verstehe gar nicht, warum ich zunehme.“

Und genau darin steckt oft die Antwort. Denn der Körper von heute ist nicht mehr derselbe wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Er braucht etwas anderes. Nicht weniger Lebensfreude. Nicht mehr Verbote. Sondern mehr Verständnis!
Viele Frauen kämpfen an dieser Stelle gegen ihren Körper. Dabei wäre die wichtigere Frage:
Was versucht mir mein Körper eigentlich zu sagen?
Denn Müdigkeit, Heißhunger, Bauchfett, schlechter Schlaf, steigende Blutzuckerwerte oder eine Fettleber sind Signale des Körpers und keine Charakterfehler.
Und je früher wir anfangen, diese Signale zu verstehen, desto größer ist die Chance, etwas zu verändern, bevor aus ersten Warnzeichen echte Erkrankungen werden.
Genau deshalb schaue ich in meiner Arbeit nie nur auf das Gewicht. Denn die Waage erzählt mir selten die ganze Geschichte.
Vielleicht liegt das Problem gar nicht bei Ihnen
Das Verrückte ist: Die meisten Frauen, die bei mir sitzen, kommen mit einem Problem. Und gehen mit einer völlig anderen Erkenntnis nach Hause.
Denn viele erwarten, dass wir nur über Ernährung sprechen und ihre Mahlzeiten optimieren.
Natürlich sprechen wir auch über Kalorien, Zucker, Kohlenhydrate, das müssen wir auch, aber stattdessen sprechen wir oft zuerst über etwas ganz anderes:
Über Schuldgefühle.
Ja, wirklich.
Über dieses ständige Gefühl, etwas falsch zu machen.
Eine Klientin sagte einmal zu mir:
„Wenn ich ehrlich bin, habe ich ständig ein schlechtes Gewissen. Wenn ich Kuchen esse, habe ich ein schlechtes Gewissen. Wenn ich keinen Kuchen esse, bin ich genervt. Und wenn die Waage steigt, denke ich sowieso, dass ich versagt habe.“
Als sie das sagte, musste ich kurz schmunzeln. Weil in dieser ausgesprochenen Wahrheit ein großes Missverständnis steckt.
Viele Frauen glauben, ihr Körper sei der Beweis dafür, dass sie etwas falsch machen.
Doreen Vogt
Ich sehe das anders.
Für mich ist der Körper zunächst einmal eine Informationsquelle, der eben nicht bewertet oder bestraft. Er führt keine Strichliste darüber, ob gestern ein Stück Kuchen gegessen wurde.
Er reagiert nur. Mehr nicht.
Die spannende Frage lautet deshalb nicht:
„Wie viel Disziplin habe ich?“
Sondern:
„Was versucht mein Körper mir eigentlich mitzuteilen?“
Und genau an diesem Punkt verändert sich häufig etwas.
Denn wenn Menschen beginnen, ihren Körper nicht mehr als Gegner zu betrachten, sondern als Informationsquelle, entsteht etwas, das vorher oft gefehlt hat: Verständnis.
Und Verständnis verändert meistens mehr als Verbote.
Warum ich selten mit einem Ernährungsplan beginne
An diesem Punkt fragen mich viele: „Und was soll ich jetzt essen?“
Die Frage ist verständlich. Trotzdem beantworte ich sie oft nicht sofort. Denn bevor wir über Lebensmittel sprechen, möchte ich verstehen, was überhaupt los ist.

Ich erinnere mich an eine Klientin, die mir sagte:
„Frau Vogt, sagen Sie mir einfach, was ich weglassen muss.“
Aber genau das wollte ich nicht. Nicht, weil Ernährung unwichtig wäre. Sondern weil ich gelernt habe, dass hinter den gleichen Beschwerden oft völlig unterschiedliche Geschichten stecken. Vier Frauen können die gleichen fünf Kilo zu viel haben. Die eine schläft seit Jahren schlecht. Die andere bewegt sich deutlich weniger als früher. Bei der nächsten spielen Medikamente eine Rolle. Und bei der vierten zeigt sich bereits, dass der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Von außen sieht das alles ähnlich aus, aber im Körper passiert etwas völlig anderes.
Deshalb schaue ich lieber genauer hin, bevor ich Empfehlungen gebe. Denn niemand käme auf die Idee, ein Medikament einzunehmen, ohne die Ursache zu kennen.
Bei Ernährung machen wir das erstaunlich oft. Wir streichen einfach Lebensmittel, ohne zu hinterfragen. Probieren die nächste Diät. Verzichten noch mehr. Und hoffen, dass es diesmal funktioniert aber der JoJo -Effekt schlägt oft wieder zu!
Dabei beginnt Veränderung meistens nicht mit einem neuen Plan. Sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme.
Eine ehrliche Bestandsaufnahme bedeutet für mich, genauer hinzuschauen. Wie ist die Körperzusammensetzung? Wie viel stoffwechselaktive Muskelmasse ist vorhanden? Wie sieht es mit dem Bauchfett, den Blutwerten, den Getränken oder der täglichen Bewegung aus? Erst wenn das Gesamtbild sichtbar wird, lassen sich sinnvolle Entscheidungen treffen. Denn wenn Menschen verstehen, warum ihr Körper reagiert, passiert etwas Erstaunliches: Der Druck wird weniger. Die Schuldgefühle werden leiser.
Doreen Vogt
Und plötzlich entstehen Lösungen, die nicht nur für zwei Wochen funktionieren, sondern auch im echten Leben dauerhaft.
Bevor Sie jetzt die nächste Diät beginnen ...
... machen Sie heute Abend etwas anderes.
Fragen Sie sich nicht:
„Was darf ich morgen nicht mehr essen?“
Fragen Sie sich lieber:
„Was könnte ich meinem Körper morgen Gutes tun?“
Vielleicht beginnt das mit einem eiweißreicheren Frühstück. Versuchen Sie in jede Mahlzeit gute Eiweiße einzubauen, zum Frühstück z.B. Quark oder Skyr, zum Mittagessen Eier Hähnchen oder Hülsenfrüchte und zum Abendessen mageres Fleisch oder Eiweißreichen Käse wie Harzer Roller.
Bringen Sie Bewegung in Ihr Leben! Vielleicht mit einem Spaziergang nach dem Abendessen. Bewegung ist sehr wichtig für unseren Stoffwechsel.
Gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Schlaf! Vielleicht damit, heute eine Stunde früher ins Bett zu gehen. Der Körper erledigt den meisten Fettabau während der Regenerationsphase nachts.
Klingt unspektakulär? Die meisten Dinge, die unseren Stoffwechsel unterstützen, sind erstaunlich unspektakulär. Genau deshalb werden sie so oft unterschätzt.
Viele Menschen suchen nach der einen großen Lösung. Nach dem perfekten Ernährungsplan. Den einen Geheimtipp. Dem Lebensmittel, das alles verändert.
In meiner Praxis erlebe ich etwas anderes. Oft sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Nicht von heute auf morgen. Aber Schritt für Schritt.
Doreen Vogt
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Ihr Körper erwartet keine Perfektion.
Er reagiert auf das, was Sie regelmäßig tun. Tag für Tag. Mahlzeit für Mahlzeit.
Deshalb müssen Sie nicht morgen Ihr ganzes Leben umkrempeln.
Aber vielleicht lohnt es sich, heute damit anzufangen, Ihrem Körper wieder etwas mehr zuzuhören.
Er versucht Ihnen wahrscheinlich schon lange zu sagen, was er braucht. Die Frage ist vielleicht nicht:
„Was muss ich mir als Nächstes verbieten?“
Sondern:
„Was braucht mein Körper eigentlich von mir?“
Übrigens: Je nach Krankenkasse ist eine bis zu 100%ige Kostenübernahme möglich!
Über Doreen Vogt
Doreen Vogt ist staatlich examinierte Diätassistentin und Diabetesassistentin DDG.
In ihrer Praxis „Essens-ZIELL Ernährung & Gesundheit“ in Sondershausen begleitet sie Menschen mit Stoffwechselproblemen, Prädiabetes, Fettleber und Gewichtsproblemen, aber auch entzündliche und neurologische Erkrankungen.
Ihr Ansatz: Erst verstehen, dann handeln. Denn nachhaltige Gesundheit entsteht nicht durch Verbote, sondern durch Klarheit und individuelle Lösungen.


