Ein Dokumentarfilm über die Schäden des Thüringer Waldes und seine aktuellen Herausforderungen erlebt im Erfurter Egapark seine Deutschlandpremiere.

Der Dokumentarfilm „Das kahle Herz – Waldmenschen in Thüringen“ erlebt am Mittwoch, 12. Juni, seine Deutschlandpremiere auf der Parkbühne im Egapark Erfurt. Wir sprachen mit Stephan Witthöft, einem der zwei Filmemacher, über Intention und Brisanz.

Sie nennen Ihren Film in Anspielung auf den einstigen Werbeslogan „Das grüne Herz“ und auf das Märchen „Das kalte Herz“ bezeichnenderweise „Das kahle Herz“. Steht es so schlimm um den Thüringer Wald?

Es stimmt. Die Assoziation zu beidem ist bewusst gewählt. Das „grüne Herz“ als Slogan steht für die Identität Thüringens, geprägt durch seine ausgedehnten Wälder und naturnahen Landschaften. Doch dieser Slogan gerät zunehmend unter Druck, denn die Realität zeigt, dass unser Wald in Gefahr ist. Trockenheit, Borkenkäfer und Umweltkatastrophen haben weite Teile des Waldes geschädigt, und die Klimaerwärmung verstärkt diese Probleme.

Der Erfurter Dokumentarfilmer Stephan Witthöft.
Der Erfurter Dokumentarfilmer Stephan Witthöft. © Dokumentarfilm "Das kahle Herz" | Dokumentarfilm "Das kahle Herz"

Der Titel „Das kahle Herz“ verweist auch auf das Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff, in dem das Glasmännlein für moralische Werte und die Verbindung zur Natur steht. Im Märchen tauscht Peter Munk sein Herz gegen Reichtum und erkennt schließlich, dass wahres Glück und Erfüllung nicht in materiellen Gütern liegen. Diese Geschichte spiegelt die aktuelle Situation unseres Waldes wider. Unser einst grünes Herz droht kahl zu werden, auch weil wir langfristig ökologische Werte für kurzfristige wirtschaftliche Gewinne geopfert haben.

Was wollen Sie mit Ihrem Film erzählen?

Als Filmemacher möchten wir mit dem Film nicht nur die Schönheit unserer Wälder aufzeigen und die tiefgreifende Verbindung, die die Menschen zu diesem Ökosystem haben, sondern auch ein Bewusstsein für die aktuellen Herausforderungen schaffen. Der Film soll nicht nur informieren, sondern auch inspirieren und motivieren. Wir alle tragen eine Verantwortung für die Bewahrung unserer natürlichen Umwelt – nicht nur für uns, sondern auch für zukünftige Generationen. Jeder Beitrag, ob groß oder klein, ist bedeutend.

Konzentrieren Sie sich in Ihrem Film allein auf unser Mittelgebirge, den Thüringer Wald, oder auf den ganzen Freistaat?

Der Film konzentriert sich hauptsächlich auf den Thüringer Wald und das Thüringer Schiefergebirge, da diese Regionen besonders stark von den aktuellen Problemen betroffen sind. Allerdings wird die Problematik der Waldzerstörung und des Waldumbaus in einem breiteren Kontext behandelt, der für ganz Thüringen und darüber hinaus relevant ist.

Szene aus „Das kahle Herz“.
Szene aus „Das kahle Herz“. © Dokumentarfilm "Das kahle Herz" | Dokumentarfilm "Das kahle Herz"

Vor allem der Thüringer Wald im Osten unseres Bundeslandes, also das Thüringer Schiefergebirge, ist landstrichweise schon ganz kahl. Nach Trockenheit und Borkenkäferplage blieb teils nur noch die Rodung. Welche Hoffnung gibt es für den Wald?

Es gibt Hoffnung. Die Borkenkäfer-Katastrophe kann man auch als Chance zum Waldumbau sehen. Sie wirkt wie ein Katalysator. Die Motive des Films sind Balance und Wandel. Unsere Wälder wandeln sich und wir müssen uns auch anpassen. Die Art, wie wir leben, überdenken. Die Art, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Der Wald ist ein Spiegel. Unser „Lifestyle“ ist sehr ungesund für unsere Umwelt. Wir wissen es schon und doch ist es nicht einfach zu handeln. Was können wir tun? Was kann jeder Einzelne tun und wo fängt man an? Vielleicht ja beim Bäume pflanzen…

Sie haben unterschiedlichste „Waldmenschen“ getroffen, Forstamtsleiter, private Waldbesitzer, Ehrenämtler, den Autor Frank Quilitzsch. Wie ist die Stimmung unter ihnen?

Die Experten sagen, das Problem sind vor allem die Monokulturen. Vor etwa 200 Jahren eingeführt. Auch nach dem Krieg wurde viel schnellwachsende Fichte gepflanzt. Die Not war groß; Bauholz, Feuerholz wurde gebraucht. Plantagen bieten Forstschädlingen jedoch große Angriffsflächen. Die Klimaveränderungen und speziell die letzten Dürrejahre schwächen die Bäume zusätzlich. Die Stimmung unter den Waldmenschen ist gemischt. Es gibt viel Frustration und Sorge, aber auch Hoffnung und Entschlossenheit. Viele sind bereit, sich den Herausforderungen zu stellen und setzen sich aktiv für nachhaltige Lösungen und den Waldumbau ein.

Termin: 12. Juni, ab 20 Uhr. Es gibt nur noch Restkarten. Um Anmeldung (www.das-kahle-Herz.de) wird gebeten. Der Film wird ab Sommer in den Thüringer Kinos gezeigt.

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