Ob ein silbernes Hilfsmittel zum Aderlass oder das universitäre Bierschank-Privileg: Die neue Ausstellung des Stadtmuseums Jena erzählt vom „Akademischen Leben in der Frühen Neuzeit im Collegium Jenense“, dem Gründungsort der Jenaer Uni. Wir stellen daraus fünf Exponate vor, die den Alltag von einst plastisch werden lassen.

Silbernes Fontanellenblech zum Aderlass

Fontanellenblech von Johann Arnold Friderici aus dem 17. Jahrhundert.
Fontanellenblech von Johann Arnold Friderici aus dem 17. Jahrhundert. © Ulrike Merkel | Ulrike Merkel

Ein Ausstellungsstück, das heute schaudern lässt, ist das silberne Fontanellenblech des Medizinprofessors Johann Arnold Friderici. Der einstige Universitätslehrer ist unter anderem mit diesem Armreif-ähnlichen medizinischen Hilfsmittel 1672 beigesetzt worden. Er starb an einem schweren Steinleiden. Ob Harn- oder Gallenstein, ist nicht überliefert. Der Stein hatte allerdings mit 500 Gramm eine kolossale Größe. Fridericis Leiden wurde mit Aderlass behandelt. Um die Zugänge möglichst lange offen zu halten, wurden seinerzeit in die Wunden mitunter Erbsen oder Dornen gelegt. Darüber kamen Kompressen, die wiederum von den Fontanellenblechen ummantelt wurden. Über darin befindliche Löcher konnte die Wundflüssigkeit abfließen.

Das Rosenprivileg

Im Jahr 1570 erhielt die Universität Jena vom Hof das sogenannte Rosenprivileg. Es erlaubte, im Gasthaus „Zur Rosen“ eigens gebrautes Bier und ausländischen Wein an Uniangehörige steuerfrei zu verkaufen. Das weckte Begehrlichkeiten, was zu Konflikten etwa mit anderen Schankwirten in der Stadt führte, vor allem wenn die Uni in der „Rose“ rechtswidrig an Normalbürger ausschenkte. Ein Brau- und Schankrecht hatte aber nicht nur wirtschaftliche Vorteile. Es sicherte auch die Versorgung. „Bier war ein wichtiges Lebensmittel“, sagt Stefan Gerber, Leiter des Universitätsarchiv. Es war deutlich reiner als Wasser.

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Das Rosenprivileg ist bis November zu sehen. Danach muss das selten gezeigte Dokument durch eine Kopie ersetzt werden, wie Enrico Paust sagt. Er ist Koordinator des großangelegten Forschungsprojektes zum Collegium Jenense, der Gründungsstätte der Universität Jena in der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Verteilerstein der historischen Fußbodenheizung

Das Collegium Jenense war ursprünglich ein Dominikanerkloster. Beheizt wurde dessen einstiger Speisesaal mit einer damals hochmodernen Fußboden- und Wandheizung. Wie bei einer römischen Villa wurde in einem Kellerraum geheizt. Die Warmluft wurde dann über den ausgestellten Verteilerstein in verschiedene Kanäle im Fußboden und den Wänden geleitet.

Die Waschgarnitur des ersten Jenaer Studentenwohnheims

Stefan Gerber, Leiter des Universitätsarchivs, mit einer Waschgarnitur aus dem 16. Jahrhundert, als die Kollegienkirche als Studentenwohnheim diente.
Stefan Gerber, Leiter des Universitätsarchivs, mit einer Waschgarnitur aus dem 16. Jahrhundert, als die Kollegienkirche als Studentenwohnheim diente. © Ulrike Merkel

Mit der Erhebung der Hohen Schule zur Universität Jena im Jahr 1558 wurde die einstige Klosterkirche, die Kollegienkirche, vorübergehend zu Jenas erstem Studentenwohnheim umgebaut. Die kleinen Appartements besaßen jeweils Waschgarnituren, bestehend aus einer Schale und einem Wasserbehälter. 1592 wurde die Kirche reaktiviert. Die Studenten fanden zusehends Unterkünfte in der Stadt, was Jena merklich wachsen ließ.

Wandverkleidung des einstigen Stadtschlosses

Restauratorin Ivonne Przemuß und Kuratorin im Stadtmuseum Jena, Teresa Thieme, mit der Wandverkleidung des einstigen Jenaer Stadtschlosses. 
Restauratorin Ivonne Przemuß und Kuratorin im Stadtmuseum Jena, Teresa Thieme, mit der Wandverkleidung des einstigen Jenaer Stadtschlosses. © Ulrike Merkel | Ulrike Merkel

Selbst Jena war, wenn auch nur für 18 Jahre, einmal eine Residenzstadt, und zwar des Fürstentums Sachsen-Jena. An der Stelle des einstigen Stadtschlosses wurde Anfang des 20. Jahrhunderts das heutige Universitätshauptgebäude errichtet. Aus der Zeit des Fürstentums ist heute kaum etwas erhalten. Umso glücklicher ist die Kuratorin des Stadtmuseums, Teresa Thieme, dass die Uni unlängst Teile einer ehemaligen Wandverkleidung aus dem Stadtschloss übernehmen konnte. Sie waren in den 1960er-Jahren im Dornburger Renaissanceschloss eingebaut und nun mit dessen Sanierung wieder herausgenommen worden. Mit weiteren Teilen, die im Besitz der Klassik Stiftung Weimar sind, soll perspektivisch ein Schlosszimmer eingerichtet werden. Die Wandverkleidung von 1623 stammt ursprünglich aus den Räumen der ernestinischen Prinzen, die in Jena studierten.

Neben der Sonderschau im Stadtmuseum können in der Stadtkirche St. Michael die Gruft der Fürsten von Sachsen-Jena und im Collegium Jenense erhaltene Grabdenkmale, das Gebäudeensemble und die aktuell überarbeitete Dauerausstellung besichtigt werden.

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