„Unser Anliegen ist es den Zugang zu Kultur zu ermöglichen, und zwar dort, wo Menschen auf engstem Raum miteinander auskommen und ihren Alltag bewältigen. So wie im Rieth, wo es an Begegnungsorten fehlt. Ich weiß, dass einige Menschen im Rieth nach dem Erfolg der Plattenstufen-Festspiele Verantwortung übernehmen wollen, um ihren Lebensort zu gestalten. Wenn wir nun nicht mehr auftauchen, nachdem wir einen Preis gewonnen haben, dann würden sich die Bewohner:innen des Rieth veräppelt vorkommen. Und das zu Recht.“ sagt Anica Happich die Sprecherin des PHOENIX Theaterfestivals. 

Kulturelles Vorzeigeprojekt in Erfurt kämpft ums Überleben

Am 10. Mai 2025 findet im Erfurter Stadtteil Rieth eine kompakte Ausgabe des PHOENIX-Festivals statt neben dem Brunnenfest und dem Tag der Städtebauförderung. Unter dem Titel „Platte InBetween“ bespielt das Festival zum zweiten Mal den Platz der Völkerfreundschaft mit einem kostenfreien Kulturprogramm. 

Phoenix Festival in Erfurt
2024 war es eine mehrwöchiges Kultur- und Theaterfestival, das im Erfurter Plattenbauviertel Rieth stattfindet.© Jonas Walter | Jonas Walter

Anders als 2024 findet die Veranstaltung aber nur an einem Tag statt. Die Gründe hierfür sind divers. Zum einen gab es laut Happich etwas zu wenig „Commitment“ (dt. Verpflichtung, Bindung) vonseiten der Stadt Erfurt, die nötig sei, um eine stabile Infrastruktur zu etablieren. Zwar wurde das Projekt mit 11.000 Euro gefördert, aber das mache die ernsthafte Etablierung eines dezentralen Kultur- und Theaterfestes schwer. 

Ohne Förderung droht Erfurt der Verlust eines Kulturprojekts

„Wir sind im Moment einfach nicht attraktiv genug für Theaterschaffende“, sagt die PHOENIX-Chefin. Angemessene Bezahlung sei so nicht möglich. Honorarkräfte können wir so nicht binden. Zusätzlich kam die schwierige Situation auf Bundes- und Landesebene hinzu. Haushalte wurden nicht fertig. Gelder waren nicht rechtzeitig beschlossen und verfügbar. 

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Und dabei ist das Projekt für sein zukunftsweisendes Engagement im Bereich Kulturpolitik erst mit dem Zukunftspreis KULTUR GESTALTEN ausgezeichnet worden. Ein Vorzeigeprojekt, das Brücken schlägt, wie nur die Kultur es kann. Denn der Fokus des Events liegt auf niedrigschwelligen Theater- und Gesprächsangeboten, die den sozialen Zusammenhalt im Stadtteil stärken und Begegnungen zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern ermöglichen sollen.

Erfurt-Rieth im Fokus: Theateraktion auf dem Stadtteilplatz

„Wir machen das deshalb jetzt im Ehrenamt, weil uns das Rieth und die Menschen, die dort leben und die wir kennenlernten und kennenlernen wirklich wichtig sind“, sagt Anica Happich und fügt an: „Die Menschen uns fragten, ob wir nicht wieder kommen. Wir haben Vertrauen aufgebaut und das möchten wir erhalten. Es geht dabei um Aufrichtigkeit.“ 

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Trotz des reduzierten Formats bietet das Festival ein vielfältiges Programm mit Kunstaktionen, Performances und Mitmachangeboten. Den Auftakt bildet ab 11 Uhr der ausgezeichnete „Grand Beauty Salon“ vor der Vilnius Passage. Das mobile Projekt aus Leipzig schafft mit Schönheitsbehandlungen einen Raum für transkulturellen Austausch. 

Phoenix Festival in Erfurt
Das Phoenix Festival in Erfurt, insbesondere der „Grand Beauty Salon“ als Teil des Festivals, hat Auszeichnungen und Preise erhalten. © Jonas Walter | Jonas Walter

Ebenfalls ab 11 Uhr ist die künstlerische Initiative MOTHEK vor der Vilnius Passage präsent. Die mobile Bibliothek und Ausstellung vereint Theaterprobe, Soundinstallationen, Collagen und Gespräche in einem offenen, partizipativen Format. Besucher und Besucherinnen sind eingeladen, bei Kaffee ins Gespräch zu kommen und eigene kreative Beiträge zu leisten.

Theaterprojekt „Platte InBetween“ kommt nach Erfurt-Rieth

Um 13.30 Uhr folgt auf dem Platz der Völkerfreundschaft eine Performance von Tommy Neuwirth mit dem Titel „Das weltweite Netzwerk für ein bedingungsloses Grundeinkommen“. Die Darbietung verbindet Konzert, Humor und Gesellschaftskritik und regt zur Auseinandersetzung mit politischen Fragen an.

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Den Abschluss des Tages bildet um 16.30 Uhr das mobile „Rumpel Pumpel Theater“ mit der Inszenierung „Das Hotel im Karussell“. Die Produktion verbindet Elemente des Jahrmarktstheaters mit moderner Performancekunst und richtet sich an ein generationsübergreifendes Publikum.

Kunstfest Weimar 2024
Die Premiere des Stücks „Hotel im Karussell“ vom Rumpel Pumpel Theater (Berlin) fand im Rahmen des Kunstfests 2024 in Weimar statt.© Candy Welz | Candy Welz

Das PHOENIX Festival ist eines der wenigen Kulturprojekte, das im Erfurter Norden aktiv ist und hat sich als Plattform für zeitgenössisches Theater und soziale Kunstformate in Erfurt etabliert. Mit „Platte InBetween“ bietet es erneut einen kulturellen Impuls im Quartier Rieth – bewusst im öffentlichen Raum, zugänglich und kostenfrei für alle Interessierten. Und damit das auch in den nächsten Jahren so bleibt, wünscht sich Anica Happich, mit der Stadtpolitik ins Gespräch zu kommen, um das prämierte Projekt zu stabilisieren. 

Kultur braucht Rückhalt: Phoenix Festival in Gefahr

Es seien lediglich 25.000 Euro als Eigenanteil notwendig, um durch Bundesförderung die Gelder zu vervielfachen. Durch die Auszeichnung wird das Festival im Rieth bundesweit angefragt. Man wolle das Projekt unterstützen. Interessierte rufen bei PHOENIX an und wollen Beratung.

Sonntag

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Die Resonanz geht laut Anica Happich klar in eine positive Richtung: „Und es wäre traurig, wenn solch ein tolles Projekt, das es gerade in diesen Zeiten braucht, um zwischen den Menschen zu vermitteln, nicht mehr stattfinden kann. Doch am Ende muss mehr Fürsprache aus der Kommune kommen.“