- Das Kunstfest Weimar beginnt im August und dauert ganze drei Wochen.
- Einen zentralen Veranstaltungsort gibt es nicht; das Fest erstreckt sich über die ganze Stadt.
- 1990 wurde Deutschland wiedervereinigt. Das Kunstfest ist sogar schon älter.
In Weimar und an anderen Orten in Thüringen findet jährlich im August und September das „Kunstfest Weimar“ statt, welches als größtes Festival für zeitgenössische Kunst in Ostdeutschland gilt. Rund 150 Veranstaltungen erwarten ihre Gäste. Das sollten Sie über das Ereignis wissen:
1. Wann findet das Kunstfest Weimar statt?
In den Anfangsjahren vor den Sommerferien gelegen, rückte das Kunstfest Weimar nach dem europäischen Kulturstadtjahr 1999 nach und nach in den Spätsommer. Das Festival findet inzwischen schon traditionell zwischen der zweiten August-Hälfte und der ersten September-Woche knappe drei Wochen lang statt, 2025 vom 20. August bis 7. September.

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Es ereignet sich damit rund um Goethes Geburtstag am 28. August. An diesem Tag verleiht das Goethe-Institut auch seine Goethe-Medaillen. Als Partner des Kunstfestes trägt es in diesem Zusammenhang zum Festivalprogramm bei. Das wurde in der Ära von Intendantin Nike Wagner eingeführt. Zuvor waren die Medaillen an Goethes Todestag (22. März) in Weimar überreicht worden.
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2. Wo findet das Kunstfest Weimar statt?
Natürlich in Weimar, aber nicht ausschließlich. Das Kunstfest Weimar ereignet sich dezentral und erstreckt sich dabei über die ganze Stadt, mit 25 Orten. Zentrale Spielstätten sind unter anderem jene des Deutschen Nationaltheaters. Auf dem Theaterplatz steht ein temporärer Kunstfest-Pavillon für Infos und Veranstaltungen. Auch die Weimarhalle und deren Park gehören unter vielen anderen dazu, das Museum Zwangsarbeit und das Bauhaus-Museum, das Gaswerk und das Lichthaus-Kino im Straßenbahndepot, die Stadtkirche und das Schießhaus.
Auswärts gastiert das Kunstfest bislang jährlich mit einer Tour durch ganz Thüringen. 2025 ist das Rumpel Pumpel Theater dafür beim Rudolstädter Vogelschießen und beim Suhler Straßentheaterfestival unterwegs, außerdem in Wolkramshausen, Wurzbach, Zeitz, Kleinneundorf und Friedrichsrode.
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3. Welche Veranstaltungen umfasst das Kunstfest Weimar?
In aktuell rund 150 einzelnen Veranstaltungen werden jährlich zwischen 40 und 50 Projekte aller zeitgenössischen Künste präsentiert. Es sind im Grunde alle Sparten vertreten: Schauspiel, Oper, Tanztheater und Konzert in diversen Genres, Performance und Installation, bildende Kunst, Film, Literatur und Diskurs.

4. Gibt es Besonderheiten?
Ja. Dass inzwischen wieder alle Künste mehr oder weniger gleichrangig vertreten sind, ist schon eine davon. Es handelt sich nicht um ein Theater- oder ein Musikfestival, sondern vielmehr das größte und umfassendste Festival für die zeitgenössischen Künste in Ostdeutschland. In dieser programmatischen Breite vergleichbar ist es mehr oder weniger mit den Wiener Festwochen, den Salzburger Festspielen oder der Ruhr-Triennale. Wie diese, so setzt auch das Kunstfest stark auf nationale und internationale Koproduktionen mit anderen Häusern und Institutionen. Das beschert dem Festival regelmäßig viele überregional bedeutende Ur- oder Erstaufführungen.
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5. Wie lautet der Slogan beim Kunstfest in diesem Jahr?
Das Kunstfest steht 2025 unter dem Motto „Mutig leben“ und will so erneut die politische Dimension des aktuellen Kunstschaffens vermessen, wie es in einer Ankündigung heißt. Prominente Künstler aus Israel und dem Libanon, aus der Türkei, Taiwan und Südafrika genauso wie russische Exilkunst prägen deshalb das Programm. Das Motto „hätte vor wenigen Jahren noch Stirnrunzeln hervorgerufen“, glaubt Kunstfest-Chef Rolf C. Hemke, „doch was einst demokratische und politische Gewissheiten waren, sind heute keine mehr.“ Das Kunstfest zeige erneut Courage, Rückgrat und Haltung.
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6. Wie komme ich an Tickets für das Kunstfest Weimar?
Dafür gibt es mehrere Wege. Einer führt an die Theaterkasse des DNT Weimar, die seit dem 5. August wieder geöffnet hat. Online kann man sowohl über die Seite www.nationaltheater-weimar.de als auch www.kunstfest-weimar.de Karten kaufen. Angeboten werden diese auch bei www.ticketshop-thueringen.de. Es gibt sie zudem an allen bekannten Vorverkaufsstellen, wie unseren Pressehäusern oder der Touristeninformation Weimar.
Eine Karte kostet im Durchschnitt knapp 20 Euro. Die günstigsten Karten sind, ohne Ermäßigung, für 7,50 bis 8 Euro erhältlich, die teuersten Karten kosten zwischen 45 und 57 Euro. Es gibt aber Ermäßigungen unter anderem für Schüler und Studenten. Außerdem sind zahlreiche Veranstaltungen kostenlos.
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7. Wo kann man in Weimar parken?
Es gibt mehrere Parkplätze, aber auch Parkhäuser und Tiefgaragen in der Innenstadt. Letztere findet man zum Beispiel hinter der Hauptpost/Gerhart-Hauptmann-Straße, im Einkaufszentrum Weimar-Atrium, an der Weimarhalle oder am Beethovenplatz. Die meisten Spielstätten sind von dort fußläufig gut zu erreichen. Es empfiehlt sich aber nach Möglichkeit die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, von außerhalb mit der Bahn, in der Stadt mit Bussen oder Fahrrad.

8. Wofür steht der Intendant des Kunstfestes Weimar?
Es gibt seit 2014 keinen Kunstfest-Intendanten mehr, sondern einen künstlerischen Leiter. Das ist jetzt im siebten und letzten Jahr Rolf C. Hemke. Der aus Köln stammende Theaterdramaturg und Kurator steht, mit starken eigenen Akzenten, gewissermaßen für eine Symbiose seiner Vorgänger: Nike Wagner hatte 2004 bis 2013 aus dem Kunstfest im Kern jedenfalls ein Festival klassischer und zeitgenössischer Musik gemacht, Christian Holtzhauer setzte danach viel stärker auf Schauspiel und moderne Theaterformen.
Beides hat Hemke fortgesetzt und zusammengeführt und das Spektrum dabei um Musik- und Tanztheater erweitert. Er führte das von Wagner etablierte Konzert „Gedächtnis Buchenwald“ wieder ein. Hemke steht für eine Kontinuität in der Künstlerauswahl. Er lud Autoren, Regisseure, Darsteller wiederholt ein. Ab 2026 übernehmen zwei Frauen die künstlerische Leitung: Katharina Germo und Juliane Hahn treten als Duo an.
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9. Zu wem gehört das Kunstfest?
2014 wurde das Kunstfest dem Deutschen Nationaltheater Weimar (DNT) als vierte Sparte angegliedert. Es agiert darin künstlerisch eigenständig, verwaltungstechnisch indes abhängig vom Mutterschiff, bekommt allerdings eigene Zuschüsse von Land und Stadt und kümmert sich selbst um seine Drittelmittel. Zuvor wurde das Kunstfest seit 2000 eigenständig als GmbH betrieben. Die war eine hundertprozentige Tochter der Stadt Weimar.
10. Wann wurde das Kunstfest Weimar gegründet?
Noch vor der deutschen Wiedervereinigung kam das Kunstfest im Sommer 1990 in die Stadt. Das war eine rein westdeutsche Idee, die später als Sturzgeburt gewertet wurde. Sie kam aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn, wo die Bundesministerin für innerdeutsche Beziehungen, Dorothee Wilms (CDU), meinte, mit dem Kunstfest könne Weimar „wieder zu einem Treffpunkt für deutsches und europäisches Geistes- und Musikleben werden“. Unter der Intendantin Kari Kahl-Wolfsjäger floppte das Festival aber bei Publikum und Presse. Erst unter Bernd Kauffmann, der eigentlich als Präsident der Klassik-Stiftung nach Weimar gekommen war, gewann es seit 1993 an Profil und bereitete dabei Europas Kulturstadtjahr 1999 vor, als gleichsam ganzjährig Kunstfest war.

11. Wie hat sich das Kunstfest Weimar entwickelt?
Die Salzburger Festspiele des Ostens, wie es sich Thüringens Kulturministerin Dagmar Schipanski (CDU) und zwei Jahre später Nike Wagner erträumten, sind nie aus dem Kunstfest geworden. Dafür war einfach immer zu wenig Geld da. 2001 zum Beispiel 1,3 Millionen D-Mark aus öffentlicher Hand, zuletzt lange 0,9 Millionen Euro. Jetzt steigen die Zuschüsse von Stadt und Land: auf 1,01 Millionen Euro 2025 und 1,1 Millionen ab 2026.
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Überregional stark wahrgenommen, hatte das Kunstfest stets um zahlende Zuschauer zu kämpfen. Die Besucherzahlen stiegen zuletzt von Jahr zu Jahr: den DNT-Jahresabschlüssen zufolge von über 22.000 Menschen 2019 auf 43.000 im Jahr 2024. Darunter sind aber Schätzungen zu Veranstaltungen mit freiem Eintritt. Wurden 2022 noch 6.640 Karten verkauft, waren es ein Jahr später 8.275, 2024 dann 10.800. Darüber nahm man zuletzt 165.000 Euro ein.
12. War das Projekt gefährdet?
Das Kunstfest war eigentlich immer umstritten, künstlerisch ebenso wie betriebswirtschaftlich. Mehrfach wurde sein Ende vorausgesagt oder auch angestrebt. Zuletzt wollte der Stadtrat 2016 die Zuschüsse Weimars ab 2019 streichen, weshalb der Deutsche Kulturrat das Festival auf seine „Rote Liste“ bedrohter Einrichtungen und Institutionen setzte. Öffentliche Proteste erzeugten politischen Gegendruck. Das Kunstfest blieb bestehen.










