Wenn K. frühmorgens das Haus verlässt, spricht sie, ehe sie mir am Briefkasten Tschüss sagt, erst mit unseren Gartenblumen. „Na, ihr Schönen, seid ihr schon wach? War wieder kalt in der Nacht. Naja, dafür kriegt ihr heute viel Sonne!“

Sonntag

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Ich klemme mir mit einem „Na, da bist ja!“ die Tageszeitung unter den Arm, schlurfe zur Haustür zurück und frage mich, während ich in der Küche – „Wo habt ihr euch bloß wieder versteckt?“ – die Teebeutel suche, inwieweit wir, wenn wir mit den Dingen reden, uns selber meinen.

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Selbstgespräche sind ein alltägliches Phänomen

Immer häufiger ertappe ich mich bei Selbstgesprächen. „Du Idiot“, sage ich zu mir, „hast wieder vergessen, die Induktionsplatte herunter zu regeln“, lade mir den angebrannten Porridge auf den Teller und murmele: „Nun löffle deinen Brei mal schön selber aus.“

Aber es geht ja nicht nur mir so. Lautstarke Monologe künden von der Anwesenheit meines Gartennachbarn. Auf der Straße reden junge wie alte Leute mit ihrem Handy. Und in der Bahn sagt eine betagte Dame seufzend zu ihren Krücken: „Wir schaffen das…“

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Miteinandersprechen birgt Konfliktpotenzial

Die Selbstgespräche, lese ich im Netz, beginnen bereits in der Kindheit, wo sie das Erlernen der Muttersprache fördern. Man kann sich durch Zureden in Form bringen oder trösten und Tagesabläufe koordinieren, vorausgesetzt, man hört sich auch zu.

Die Verhaltensforscher unterscheiden zwischen positiven und negativen Selbstgesprächen. K. und ich sehen uns da eindeutig auf der positiven Seite. Die Schwierigkeiten beginnen beim Miteinandersprechen. „Du musst immer das letzte Wort haben“, sagt K. „Nein“, sage ich.

Frank Quilitzsch: Alter, du wirst abgehängt. Die besten Kolumnen, Klartext-Verlag, Essen, 176 Seiten, 16,95 Euro