2025 heißt es leider: kein Blaumachen. Das beliebte Indie-Festival in Erfurt setzt ein Jahr aus. Der Grund? Ganz einfach: Das ehrenamtliche Orga-Team braucht mal eine Pause. Nach Jahren voller Herzblut, Schweiß und Blaumacherei fehlen aktuell die Kapazitäten – total verständlich.

Wenn Blaumachen pausiert, beginnt Blaupause

Aber: Ganz ohne Festival-Feeling soll’s dann doch nicht bleiben! Denn Andie Welskop vom Zughafen in Erfurt dachte sich: „Wenn der Spot frei ist – warum nicht was Eigenes draus machen?“ Gesagt, getan: Die Blaupause war geboren. Das neue Mini-Festival steigt 2025 zum ersten Mal – und zwar genau dort, wo sonst das Blaumachen zuhause war: im Zughafen Erfurt. Mit viel Liebe zum Detail und komplett auf die Beine gestellt vom Zughafen-Team. Es wartet am kommenden Samstag ein kreatives Programm jenseits des Standards: von Visualisierungen über Seniorentanztee, Knotenworkshops bis hin zu Livebands und mehr. Klein, fein – und ganz schön anders.

Ein Festival ohne Budget – aber mit jeder Menge Ideen

Wie Veranstaltungsleiter Andie Welskop mitteilt, ist Blaupause ein Festival, das auf Eigeninitiative und Ehrenamt basiert. „Wir wollen mit allen Mitteln und Möglichkeiten im Zughafen zeigen, was man ohne Budget so auf die Beine stellen kann“, erklärt er. Dabei kommt keine externe Finanzierung ins Spiel, keine Gagen, keine Mieten – nur Engagement, Kreativität und ein großes Netzwerk. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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Am Samstag, den 12. Juli 2025, wird das Zughafengelände ab 16 Uhr zum Schauplatz eines vielfältigen, offenen Festivals. Zentraler Gedanke: Mitmachen statt nur Zuschauen. Auf dem gesamten Gelände verteilen sich kleine Kreativ-Stationen, betreute Mitmach-Angebote und Musikflächen.

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Schon ab dem Nachmittag öffnet das Festival seine Tore – nicht mit einem klassischen Bühnenprogramm, sondern mit offenen, niederschwelligen Angeboten zum Mitmachen: Die Künstlerin Lisa Pufahl lädt zum Acrylmalen ein, beim Linoldruck und der Siebdruckmaschine können Designs auf Stoff gebracht werden. „Es ist ein Ort, an dem man einfach mal abschalten, kreativ sein und neue Dinge ausprobieren kann“, so Welskop.

Erfurt wird zur Bühne für Ideen ohne Budget

Ein weiterer Programmpunkt: der Knotenworkshop mit Max. Wer schon immer mal wissen wollte, wie man stabile Knoten knüpft – ob für den Alltag oder das Festivalzelt – ist hier genau richtig. Auch klassische Festivalspiele wie Tischtennis, Airhockey oder Tischkicker laden zum Auftauen und ins Gespräch kommen ein.

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Musikalisch kann man sich bei der offenen Jam-Session austoben: Unter dem Motto „All You Can Beat“ steht eine komplette Backline zur Verfügung – von Schlagzeug über Bass bis zu Keys und Gitarre. „Egal ob Anfänger oder Profi – wer Lust hat zu spielen, ist willkommen“, betont Welskop.

Ein Ort für Generationen: Der Seniorentanztee

Ein Highlight des Tagesprogramms ist der Seniorentanztee in Halle 6. Zwischen 16 und 22 Uhr sind ältere Menschen eingeladen, bei Kaffee und Kuchen zu tanzen, zu plaudern oder einfach zuzusehen. Ein DJ sorgt für musikalische Begleitung, es gibt kleine Spiele und viele Gelegenheiten zum Austausch.

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„Wir wollen junge Räume für ältere Menschen öffnen“, sagt Welskop. „Gerade im Kontext eines kreativen Festivals entsteht da eine ganz besondere Atmosphäre.“ Das generationenübergreifende Konzept ist bewusst gesetzt und ein echtes Alleinstellungsmerkmal – ein Brückenschlag zwischen Jung und Alt, wie man ihn auf Festivals nur selten sieht.

Festivalfeeling trotz Pause beim Blaumachen

Ab 19 Uhr startet dann das musikalische Herzstück des Festivals auf der Outdoorbühne. Gleich vier Live-Acts bringen die Zughafen-Fläche zum Klingen. Darunter „Kleinstadt“, eine fünfköpfige Band aus Herrenberg, die mit deutschsprachigem Rockpop zwischen Indie und Punk berührt. Ihre Songs handeln vom Erwachsenwerden, Loslassen und Festhalten – direkt aus dem Leben und aus dem Herzen.

Blaumachen-Festival
Elf Künstler und Bands an einem Tag gab es beim Blaumachen-Festival 2024 auf zwei Bühnen zu erleben. © Frank Karmeyer | Frank Karmeyer

Ebenfalls auf der Bühne: „Semia“, deren Sound eine Mischung aus Indie-Pop und New-Wave-Melancholie ist. Ehrlich, verletzlich, stark – und mit einem Klang, der bleibt. Beide Bands werden vom Blaumachen e. V. gesponsert, der dem neuen Festival unterstützend zur Seite steht.

Impro, Jam und Visuals: Das ist Blaupause Erfurt

Mit „Friedar“ betritt ein aufstrebender Act aus Berlin erstmals die Bühne des Zughafens. Ihre Musik vereint Indie-Rap, Rock und tiefgründige Lyrics – mit politischer Haltung, wütender Energie und einer Livepräsenz, die unter die Haut geht.

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Um 18 Uhr bringt Kuea vom Zughafen beim Improvisationstheater das Publikum zum Mitmachen – spontan, humorvoll und überraschend. Auch hier gilt: Wer Lust hat, springt einfach mit auf die Bühne.

Visualisierung trifft Musik: Visuelle Klangwelten am Abend

Nach 22 Uhr wird es visuell: Dann beginnt das Visual-Projekt, das den Zughafen in ein digitales Kunstwerk verwandelt. Auf einer 11x4 Meter großen Leinwand dürfen Visual Artists eigene Arbeiten präsentieren – synchron zur Live-Musik von Jan Roth, der sein Elektronik-Set spielt. Die Besucher:innen erwartet ein immersives Zusammenspiel aus Sound und Licht, kuratiert von Dirk Rauscher, umgesetzt von Tim Renner, Elias Wenzke und dem Zughafen-Team. Wer selbst Visuals beisteuern will, kann sich für einen der sechs Songs anmelden. „Das ist ein echtes Highlight“, sagt Welskop. „Live Visuals zu Livemusik – mit unserem 20.000 Ansi-Lumen Beamer – das ist schon fett.“

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Und wenn das letzte Visual verklungen ist? Dann ist noch lange nicht Schluss. Ab Mitternacht verwandelt sich Halle 6 in ein Kino. Gezeigt wird der Musikfilm „Back to Black“ über das Leben von Amy Winehouse – mit Minibar, Sitzgelegenheiten und einer ruhigen Atmosphäre zum Runterkommen. Vor dem Film sorgt die Zughafen Jam Band mit einem Ambient-Set für den passenden Übergang – ein sanftes Nachglühen eines langen Festivaltages.

Eintritt, Ort, Zeiten – und ein kleiner Wunsch

Der Eintritt zum Festival kostet 10 Euro. Los geht es um 16 Uhr, Schluss ist gegen 2 Uhr nachts. Ort des Geschehens ist der Zughafen Kulturbahnhof. Spenden für Material, Technik und die liebevolle Betreuung der Stationen sind ausdrücklich willkommen – schließlich stemmt das Team das ganze Projekt komplett eigenständig.

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„Es ist ein Happening, ein Experiment“, sagt Andie Welskop. „Und es kann passieren, dass die eine oder andere Programmänderung stattfindet – weil wir eben nicht das Wetter bestimmen können. Darüber informieren wir online. Aber genau das macht den Charme von Blaupause aus: Es lebt vom Mitmachen.“

Visuelle Klangwelten und Impro auf Erfurts Gleisen

Wer also Lust auf ein Festival hat, das anders tickt – kreativer, nahbarer, ehrlicher –, sollte sich den 12. Juli rot im Kalender markieren. Denn auch ohne Blaumachen wird in Erfurt eines ganz sicher: gefeiert.