Ob „Die heißen Nadeln“, „Let’s zock!“ oder ein Live-Podcast – die vielfältigen Herbstveranstaltungen der Stadt- und Regionalbibliothek Gera beweisen: Bibliotheken sind in Zeiten des digitalen Lebens nicht dem Untergang geweiht. Im Gegenteil: „Hier kommen alle zusammen“, sagt Leiterin Christina Martens.

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Die Zahlen geben ihr Recht: Über 145.000 Besucher verzeichnet die Bücherei am Puschkinplatz pro Jahr – Tendenz steigend. Das macht sich auch an den vielfältigen Angeboten bemerkbar: Von der Kinderbibliothek bis zur Ausstellungsecke ist die Bücherei für dieses Jahr ausgebucht, letztere sogar bis ins Jahr 2027.

Ein Konzept für alle Generationen: Leihen statt kaufen

Das liegt nicht zuletzt am großen Engagement des Bibliotheksteams: Allein im letzten Jahr fanden auf den drei Etagen und rund 2000 Quadratmetern der Bücherei insgesamt 495 Veranstaltungen statt. „Hier ist immer Leben in der Bude“, sagt Martens.

Die Stadtbibliothek Gera verfügt über einen Bestand von rund 127.000 Medien, darunter etwa 81.500 Bücher. Zwei davon halten die Mitarbeiterin Anke Kerst und die Bibliotheksleiterin Christina Martens (von links) im Erwachsenenbereich in ihren Händen.
Die Stadtbibliothek Gera verfügt über einen Bestand von rund 127.000 Medien, darunter etwa 81.500 Bücher. Zwei davon halten die Mitarbeiterin Anke Kerst und die Bibliotheksleiterin Christina Martens (von links) im Erwachsenenbereich in ihren Händen.© Funke Medien Thüringen | Julian Sondhauß

Ein beliebter Anziehungspunkt befindet sich direkt neben der Leselounge im Eingangsbereich: die Bibliothek der Dinge. Hier können jene Dinge ausgeliehen werden, die man nur einmal im Leben braucht und sich daher nicht zum Kauf lohnen. Von einer Wärmebildkamera bis hin zur Popcornmaschine ist für jeden etwas dabei. „Das ist ein ganz wichtiges Konzept: nachhaltig und generationenübergreifend zu arbeiten“, sagt die Leiterin.

Förderprogramm „Smart City“ belebt Bibliothek

Da verwundert es nicht, dass hier, wie Martens sagt, „auch Omis mit ihren Enkeln zusammenkommen“. Der Grund dafür sind die modernen Lösungen, auf die das Team der Bibliothek setzt. Bestes Beispiel hierfür sind die digitalen Spiel- und Lerntische. Diesen Bereich verdankt die Bücherei insbesondere dem Förderprogramm „Smart City“, das Gera als Projektstadt und deren Einrichtungen dazu befähigt, offene Lernideen in digitaler Form umzusetzen.

Die Leselounge lockt Besucher zum Zeitschriftenlesen oder zum Treffen mit Freunden.
Die Leselounge lockt Besucher zum Zeitschriftenlesen oder zum Treffen mit Freunden.© Funke Medien Thüringen | Julian Sondhauß

Die digitalen Angebote ziehen sich durch die weiteren Gänge der Bibliothek: Sei es die „Zocker-Ecke“, Reisen mit der VR-Brille oder der „digitale Dienstag“, an dem einmal im Monat Senioren über Themen wie den richtigen Umgang mit Nachrichtendiensten oder künstlicher Intelligenz informiert werden. „Voll ist es immer“, sagt die Leiterin.

Rückzugsorte für Kinder in Leseecken geschaffen

Doch trotz des riesigen Andrangs ist auch für Entschleunigung gesorgt. Das kommt gerade denen zugute, die es in der heutigen Zeit am meisten brauchen: den Kindern. Im am stärksten frequentierten Bereich wurden daher Rückzugsorte in Form von Leseecken eingerichtet.

Mehr zu Kultur und Freizeit in Thüringen

Dennoch gebe es noch viele digitale Ansätze und Ausstattungen, die vorangetrieben werden könnten. „Das kostet aber schnell mal 20.000 oder 30.000 Euro“, sagt die Leiterin. Nun darf sich Christina Martens mit ihrem Team über den mit 10.000 Euro dotierten Thüringer Bibliothekspreis freuen.

Die Förderpreise 2025 gehen an die Stadtbibliothek Bad Lobenstein und die Stadtbibliothek Schleusingen.

Das sagt die Jury:

  • Die Stadt- und Regionalbibliothek Gera erhält den Thüringer Bibliothekspreis 2025.
  • Die Jury ist beeindruckt vom ganzheitlichen Generationenkonzept der Stadt- und Regionalbibliothek Gera.
  • Die Stadt- und Regionalbibliothek Gera überzeugt mit ihrem Generationenkonzept als Ort der Bildung und Kultur, als Ort der Begegnung und des Austausches. Mit ihrem umfassenden Konzept platziert sie generationenübergreifende Veranstaltungsformate und Medienangebote und schafft auf diese Weise die Voraussetzungen für einen authentischen Dritten Ort.
  • Bücher beißen nicht, Die heißen Nadeln, der Digitale Dienstag, der Tüftelsamstag, LesensWert, das Repaircafé – eine Fülle an zielgruppen- und bedarfsorientierten Angeboten, die in den Treffpunkt LeseLounge, den Lern- und Erlebnisort mit digitalen Spieletischen, das Leseiglu, die TechnoThek sowie in die umgestaltete Jugendbibliothek integriert sind.
  • Die Bibliothek gestaltet aktiv einen Ort des Lernens und der kulturellen Teilhabe, vermittelt adäquate Lese- und Medienkompetenzen, ermöglicht neue soziale Räume und Netzwerke, fördert Gemeinschaft und ein respektvolles Zusammenleben unabhängig von Herkunft, Alter und Bildungshintergrund.
  • Die Stadt- und Regionalbibliothek Gera ist eine ausgezeichnete Bibliothek und erreicht mit ihrem herausragenden und umfassenden Angebotsspektrum alle Generationen an einem Ort.
  • Gemeinsam mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen lobt der Landesverband Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband seit 2003 alljährlich den Thüringer Bibliothekspreis aus.
  • Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert. red