Der Satiriker Florian Schroeder, unter anderem bekannt aus „Nuhr im Ersten“, kommt 2026 nach Thüringen. In seiner neuen Show „Endlich glücklich“ redet er über alles von AfD bis LSD – und darüber, was das mit dem Glücklichsein zu tun hat. Die Show komplementiert sein kürzlich erschienenes Buch „Happy End. Warum du ohne Glück glücklicher bist“. Im Interview hat er von seiner Reise zum Glück und zurück erzählt.
Herr Schroeder, Sie sind normalerweise Satiriker. Warum schreiben Sie ein Buch über Glück?
Mein erstes Schlüsselerlebnis hatte ich, als ich durch eine Bahnhofsbuchhandlung lief. Da sah ich, wie viele Bücher es gibt, die sich mit dem Thema „Glück“ beschäftigen: Meistens Ratgeber, die alle das Gleiche sagen und sich zwar gut verkaufen, aber keinem helfen.
Auch interessant
Das hört sich nach einem Problem an.
Ja. In dem Zuge dachte ich auch darüber nach, ob ich eigentlich ein glücklicher Mensch bin. Ich kam zu dem Schluss, dass ich in dem Sinne, wie es heute erwartet wird, überhaupt nicht glücklich sein will.
Wie meinen Sie das?
Glück ist heute ein Zwang geworden. Nur wer glücklich ist, kann auch ein guter Mensch sein. Das ist fatal. Denn das erzeugt Scham und das Gefühl, ausgegrenzt zu sein. Außerdem unterstellt man so, dass Glück dauerhaft möglich sei. Das ist es nicht und das kann es auch gar nicht sein. Wenn man die Gegenwart durch die Brille des Glücks betrachtet, merkt man, dass es im Grunde ein hochpolitisches Thema ist. Das reicht weit über den individualistischen Bereich hinaus.
Florian Schroeder in Thüringen:
- In Erfurt: 9. Januar | DasDie Brettl und 25. September | DasDie Live
- In Gera: 27. September | Theater Altenburg Gera
- In Weimar: 14. März | Mon Ami
- Mehr zum Autor: https://www.florian-schroeder.com/
Was haben Sie während der Arbeit an Ihrem Buch gelernt?
Man kann auch ein erfülltes Leben haben, wenn Krisen und Rückschläge einen zu Boden zwingen. Das gehört dazu; dadurch lernen wir. Durch Enttäuschungen habe ich festgestellt, was die Wirklichkeit so reich und spannend macht. Wir haben alle die Möglichkeit, mehr zu sein als das, was wir sind. Wir müssen keinem bestimmten Dogma folgen.
Das hört sich doch sehr nach einem neuen Selbsthilfe-Ratgeber an.
Das stimmt. Aber es gibt einen ganz entscheidenden Unterschied. Die Ratgeber, die Sie meinen, verlangen von Ihnen, mehr zu sein, als Sie sind. Sie erwarten, dass Sie hart an sich arbeiten und alles an sich erneuern. So bleiben Sie in einem dauerhaften Ungenügen. Sie sind nie gut genug. Ich dagegen sage: Hört auf, den Glückssirenen hinterherzulaufen. Sie täuschen euch nur.
Sie haben sich auf die Suche nach Glück gemacht und auch viele Sachen ausprobiert. Haben Sie es gefunden?
Nein, von all den Dingen, die ich ausprobiert habe, gab es nichts, was besonders einschneidend war. Ich habe auch LSD genommen. Das war eine sehr besondere Erfahrung. Es hat mich an mein Innerstes gebracht.
Dann haben Sie durch Drogen Glück gefunden?
Das will ich so nicht sagen. Ob das eine Glückserfahrung war, weiß ich gar nicht. Es war vor allem eine Selbsterkenntniserfahrung. Aber es war eine Erweiterung des Bewusstseins – und das ist viel wert, wenn das Ziel ein erfülltes Leben statt eines glücklichen sein soll.
Dann müssen jetzt nicht alle Menschen Drogen nehmen, um glücklich zu werden?
Niemand muss irgendetwas müssen. Das wäre ja genau die Ideologie des Glückswahns. Ich glaube, Psychedelika können für viele Menschen eine sehr hilfreiche, spannende Erfahrung sein, wenn man sich gut darauf vorbereitet. Aber ich habe nicht den missionarischen Anspruch zu sagen: „Nur weil ich das gemacht habe, müsst ihr das jetzt auch machen.“

Ist das Ihre Art zu sagen, dass man Glück auch in kleinen Momenten findet?
In den achtziger Jahren gab es den Begriff der Selbstverwirklichung. Der besagt, dass man am Ende der kompletten Lebensveränderung endlich sein Glück ein für alle Mal gefunden hat. Menschen werden vegan, lassen sich scheiden, suchen eine neue Freundin und fangen an Motorrad zu fahren. Aber eigentlich ist das nur ein Synonym für eine Midlife-Crisis. Es kommt viel mehr darauf an, zu erkennen, was einem Sinn im Leben gibt. Dann kann man auch darin Glücksmomente erleben. Es bleiben aber Momente.
Sie schreiben in Ihrem Buch, dass wir in ernsten Zeiten leben. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Arbeit?
Als ich in den Nullerjahren in der Unterhaltungs- und Satirewelt angefangen habe, war das die Hochphase der Comedy. Damals wurde das Politische aus dieser Kunstform geradezu verbannt. Als ich erzählt habe, dass ich Politsatire machen will, haben mich die Leute gefragt, ob ich wahnsinnig sei.
Heute ist das anders. Es gibt viele politische Satiresendungen.
Ja. Mittlerweile erleben wir in der Satire eine große Renaissance des Politischen. Früher habe ich einfach unbekümmert einen herausgehauen. Heute bin ich differenzierter geworden und versuche, wesentlich genauer zu sein.
Ist das denn notwendig?
Ich glaube schon. Satire leistet eine Art Differenzierungsarbeit in komplizierten Zeiten. Wir sehen jetzt, dass bürgerliche Schichten, die wir früher für immun gegen Propaganda gehalten haben, auf plumpe Märchen der AfD hereinfallen.
Mehr zu Kultur und Freizeit in Thüringen
- Rembrandt in Gotha: Der Maler-Star des „Goldenen Zeitalters“
- Weimars Kunstfest ist geschrumpft – und Thüringen hielt seine Förderzusagen nicht ein
- „Die Nerven lagen blank“: Riesenerfolg auf Erfurts Domstufen – und ein Wutanfall vor der Premiere
- Goethe ohne Schneidezähne – wie konnte er sprechen?
- Grünes Licht für die Sanierung auf Gothas Schloss Friedenstein
- Drama bis zur Totenfeier: Wie Herzog Georg II. in Meiningen Regie führte
- Goethes Dating-Tour: Von Weimar bis Kochberg mitgenommen von der Hitze, aber nicht vom Bus
Und was genau hat das mit Glück zu tun?
Den Menschen wurde jahrzehntelang gesagt, dass sie alles schaffen können und sie allein für das Gelingen ihres Lebens verantwortlich sind. Das ist viel Druck, besonders wenn eben doch nicht alles rund läuft. Aus der Scham, nicht gut genug zu sein, wird dann ein Stolz, der sagt: Nicht mit mir! Ich trage die Last des Scheiterns nicht allein auf meinen Schultern. Es wird einen Dritten geben, der schuld sein muss daran, dass ich dauernd scheitere. Das sind dann zum Beispiel Migranten in der rechten Propaganda. So wird das Glück politisch. Das ist eine zentrale These meines Buches.
Das Buch ist auch Thema ihrer Show. Lässt sich die in drei Wörtern zusammenfassen?
Ja: Anders als gedacht.



