Als Dolly Parton am Dienstag starb, explodierten die sozialen Medien binnen Stunden rund um den Globus. Ganz so, als wollte sich jeder letztmalig vor der Queen of Country verneigen. Warum, erklärte sich bei der unterlegten Liedauswahl fast von selbst: Mit Klassikern wie „I Will Always Love You“ komponierte Dolly Parton nicht nur Hits für fünf Minuten Ruhm – sie schuf Songs für die Ewigkeit.

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Vier Tage bevor sie starb, gab Dolly Parton dem „People-Magazin“ ein Statement zu ihrem Gesundheitszustand und ihren Zukunftsplänen. Sie bestätigte, dass sie mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe, verschwieg aber deren Ausmaß. Obwohl sie bereits geplante Auftritte etwa in Las Vegas absagen musste, blieb sie optimistisch, unbeugsam und unerschütterlich – so wie man sie kannte. Auch als ihr Ehemann, der Bauunternehmer Carl Thomas Dean, 2025 nach fast 60 Jahren Ehe starb, feierte sie vor allem ihre große Liebe. Kurz vor ihrem Tod bewies sie noch einmal, dass sie ein echter Workaholic war: Sie deutete ihre Pläne für Avatar-Konzerte an. Außerdem wollte sie im Herbst ein Hotel in Nashville eröffnen und eine eigene Kaffeemarke lancieren.

Mehr als 100 Millionen verkaufte Tonträger weltweit

Doch es kam anders. Seit Freitag war Dolly Parton im Vanderbilt-Ingram Cancer Center in Nashville, Tennessee, wo sie am Dienstagmorgen an den Folgen einer Krebserkrankung starb. Noch am selben Tag gab ihr Neffe Bryan Seaver ihren Tod im Namen der Familie auf Instagram bekannt.

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Mit Dolly Parton verliert nicht nur die Musikwelt eine einzigartige Persönlichkeit. Die zehnfach mit dem Grammy prämierte 80-Jährige war weit mehr als ein Superstar mit weltweit über 100 Millionen verkauften Tonträgern und mehreren Milliarden Streams. Sie prägte die Country-Musik wie kaum eine andere, wechselte aber auch mühelos zu Pop- und sogar Rock-Klängen. Damit inspirierte sie auch die jüngere Generation, wie ihre prominente Patentochter Miley Cyrus. Und sie schlug Brücken zwischen dem konservativen Amerika des Bible Belt und der urbanen, queeren Community, die sie gleichermaßen verehrten. Von Parteien vereinnahmen ließ sich Dolly Parton jedoch nicht. Sie betonte stets: „Ich bin keine Politikerin, ich bin Entertainerin.“

Fans Leave Flowers and Notes at Dolly Parton's Hollywood Walk of Fame Star
Fans legen Blumen am Hollywood Walk of Fame nieder. © UPI/laif | UPI/laif

Als Star war sie nahbar, während sie ihren Songs als Sängerin mit ihrer kristallklaren Sopranstimme eine große Verletzlichkeit verlieh. Zudem erzählte sie als geniale Songwriterin authentische Geschichten, die berührten. Sie schrieb über 3000 Songs, darunter mehrere Welthits wie ihren Signature-Song „Jolene“ – eine ergreifende Ballade, die hunderte Male gecovert wurde. Dank ihres außergewöhnlichen Talents führt der „Rolling Stone“ sie gleich in mehreren seiner Allzeit-Bestenlisten: Unter den größten Sängern wird sie auf Platz 73 gelistet, als Songwriterin belegt sie Platz 31 und unter den Countrymusikern landet sie auf Platz 8.

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Der Erfolg wurde Dolly Parton nicht in die Wiege gelegt. Geboren 1946 in Tennessee, wuchs sie als viertes von zwölf Kindern in einer abgelegenen Gegend am Fuße der Great Smoky Mountains in bitterer Armut auf. Die Familie lebte ohne Strom und fließendes Wasser in einer winzigen Ein-Zimmer-Holzhütte. Trotz der von Entbehrungen geprägten Kindheit war das Elternhaus reich an Liebe und Musik. Die Mutter sang den Kindern alte Volksballaden vor. Eine Zeit, die Dolly Parton später in Titeln wie „Coat of Many Colors“ verarbeitete.

Schon mit 13 Jahren stand sie auf der Bühne

Dolly Parton wusste bereits früh, dass sie einmal Country-Star werden wollte. Sie sang von Kindesbeinen an im Kirchenchor, trat in Radioshows und im Fernsehen auf. Schon mit 13 Jahren stand sie auf der legendären Bühne der Grand Ole Opry, die als Heimat des Country gilt. Ein Auftritt dort ist eine der höchsten Ehren in diesem Genre. 1964 zog Dolly Parton nach Nashville. Ihren ersten Hit landete sie 1970 mit dem Song „Joshua“, der auf Platz 1 der Country-Charts schoss.

Flaggen auf Halbmast

Nach der Nachricht von Partons Tod im Alter von 80 Jahren ordnete US-Präsident Donald Trump noch am Dienstag an, die Flaggen in den gesamten Vereinigten Staaten für eine Woche auf Halbmast zu setzen. Er bezeichnete Partons Tod als einen „wirklichen Verlust für Millionen von Menschen“. 

Trumps Vorgänger Joe Biden von den Demokraten nannte Parton „ein amerikanisches Original“. Sie habe „jeden mit Freundlichkeit und Respekt behandelt“. Ex-Präsident Barack Obama hob hervor, es gebe nur wenige Persönlichkeiten, die „einen größeren Einfluss“ als Dolly Parton gehabt hätten. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani würdigte Parton als „unersetzliche Vorkämpferin der Arbeiterklasse“. „Wir sind ein besseres Land dank ihr“, sagte er.

Trotz ihrer Erfolge hat die Musikerin nie ihre Herkunft vergessen. Sie war der Antrieb für ihre Philanthropie. Weil ihr bewusst war, wie wichtig Bildung und Alphabetisierung sind, gründete Dolly Parton unter anderem 1995 die Leseinitiative „Imagination Library“. Das Programm verschickt monatlich kostenlos ein hochwertiges Buch an Kinder von der Geburt bis zum fünften Lebensjahr. Bis heute wurden weltweit über 250 Millionen Bücher verschenkt.

Dolly Parton konnte sich ihr beispielloses wohltätiges Engagement leisten, weil sie eine der klügsten Geschäftsfrauen der Musikindustrie war. Sie wusste früh, dass der wahre Reichtum nicht im Singen, sondern in den Songrechten liegt. Daher gründete sie 1966 ihren eigenen Musikverlag. Legendär ist ihr „Nein“ zu Elvis Presley, der „I Will Always Love You“ covern wollte. Sein berüchtigter Manager, Colonel Tom Parker, verlangte die damals übliche Hälfte der Verlagsrechte. Parton entschied sich dagegen. Was sich auszahlte: Als Whitney Houston den Song 1992 für den Film „Bodyguard“ coverte, verdiente Dolly Parton zweistellige Millionenbeträge daran.

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Obwohl sie für sich selbst das politische Label „Feministin“ ablehnte, war Dolly Parton eine Ikone des Female Empowerment. Sie setzte sich nicht nur in der von Männern dominierten Musikbranche durch, sondern baute auch ihr eigenes Multi-Millionen-Dollar-Imperium auf. Mit „9 to 5“ schuf sie gleich noch die weltweite Hymne für die Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsplatz. Zudem kultivierte sie bewusst einen hyperfemininen Look mit hohen Perücken und auffälligem Styling. Eine strategische Optik, denn nicht nur Männer unterschätzten sie aufgrund ihres Aussehens. Außerdem stand Dolly Parton zu ihrem Alter und jeder einzelnen ihrer Schönheitsoperationen, die sie mit der ihr eigenen Selbstironie kommentierte: „Sie glauben gar nicht, wie viel es kostet, so billig auszusehen!“