Zusammenfassung

  • Karen Kamiya erhält den mit 5000 Euro dotierten Lindenau-Förderpreis
  • Acht Abschlussarbeiten sind bis 1. November im Prinzenpalais zu sehen
  • Die Schau vereint Malerei, Skulptur, Installation, Performance und Video

Ein Muster drückt sich durch Jeansstoff, Licht verändert transparente Trichter, Salz nagt an Bildern von Feigenkakteen: Im Prinzenpalais des Altenburger Residenzschlosses zeigt sich derzeit, wie überraschend junge Kunst sein kann. Acht Absolventinnen und Absolventen aus Mitteldeutschland präsentieren dort Arbeiten, die sich mit Erinnerung, Migration, Angst und Entfremdung beschäftigen.

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Bis zum 1. November sind Malerei, Skulptur, Rauminstallation, Performance und Videoarbeiten zu sehen. Ausgewählt wurden die Beteiligten von den Kunsthochschulen in Dresden, Halle, Leipzig und Weimar. Kuratiert haben die Ausstellung Nora Frohmann und Benjamin Rux.

Mit der Schau löst das Lindenau-Museum Altenburg erneut ein Versprechen an die Zukunft ein. Zum dritten Mal wurde der Lindenau-Förderpreis vergeben, und zum dritten Mal öffnet das Prinzenpalais seine Räume für eine Generation, die das Kunstgeschehen von morgen prägen könnte. Das Museum knüpft damit an die Ideale seines Gründers Bernhard August von Lindenau an. Die Förderung junger Talente war ihm eine Herzensangelegenheit. Von 2006 bis 2018 führte das Museum diese Tradition mit einem Stipendium fort, seit 2020 mit dem Lindenau-Förderpreis.

Lindenau
Ausstellungsansicht mit Werken von Karen Kamiyas, der Gewinnerin des Lindenau-Förderpreises 2026.© Philipp Hort | Philipp Hort

Künstler thematisieren Erinnerung, Zugehörigkeit und Wandel

Wie breit das Spektrum der jungen Kunst ist, zeigt bereits der erste Rundgang. Die israelische Künstlerin Ronny Aviram verbindet Objekte, Geräusche und Bewegtbilder zu einem Raum über Erinnerung, Verlust und Hoffnung. Salz, das zerstören und reinigen kann, wird dabei zum Material mit Geschichte. In ihren Collagen nagt es an widerstandsfähigen Feigenkakteen.

Buba Beboshvili schickt in seiner Videoinstallation „Flux“ einen mittelalterlichen Ritter in die Gegenwart. Die Figur versucht vergeblich, ihre zugeteilte Kämpferrolle abzustreifen. Zugleich sucht sie nach Zugehörigkeit in einer Welt, in der Entfremdung zum Massenphänomen geworden ist.

Lindenau
Verleihung des Lindenau-Förderpreis 2026: (V. l. n. r.): Kurator Dr. Benjamin Rux, Preisträgerin Karen Kamiya und  Kuratorin Nora Frohmann.© Philipp Hort | Philipp Hort

Lorin Brockhaus bedruckt und bemalt transparente Folien und formt daraus trichterförmige „Funnels“. Mit jedem Lichteinfall verändern sie ihre Wirkung. Der Blick wird förmlich in ihre Tiefe hineingesogen.

Dania González Sanabria verarbeitet ihre eigene Migrationserfahrung in einer Performance. In ein Schaffell gehüllt, barfuß und gebeugt durchmisst sie den öffentlichen Raum. Erstmals zeigte sie die Arbeit 2015 in Köln, später folgten Brüssel, Paris und Weimar – nun ist sie auch in Altenburg zu erleben.

Martin Nielebock malt Natur, ohne sie zu imitieren. Neongrüne Aschewolken treten von reliefartigen Plateaus plastisch hervor. Sie verleihen den stillen Rhythmen der Erde eine berührende Präsenz.

Annelene Schreikrampf formt skurrile Wesen, die mit Schuld, Kriegen und kollektiven Ängsten konfrontieren. Gesa Wagner wiederum befreit leichte Materialien vom Diktat der Ökonomie. Selbst der zu Konfetti verarbeitete Staub wird bei ihr vom Abfallprodukt zum poetischen Sender.

Lindenau
Karen Kamiya: „Flat Pallet“, 2025.© Karen Kamiya | Karen Kamiya

Kamiya verbindet japanische Tradition mit europäischer Skulptur

Den mit 5000 Euro dotierten Preis sprach die zehnköpfige Jury der in Dresden wirkenden Künstlerin Karen Kamiya zu. Sie überzeugte, so die Begründung, durch herausragendes handwerkliches Talent und die Fähigkeit, bildhauerische Traditionslinien transnational neu zu denken. Kamiya, die vor ihrem Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Bildhauerei in Tokio und Berlin studierte, bringt japanische Bildkultur mit europäischer Skulptur und Performance in Resonanz. In „Aqueus“ schnitzt sie ein Hahnentrittmuster – in Japan Sinnbild für Harmonie und Kontinuität – in eine Holztafel, spannt Jeansstoff darüber und reibt das Muster wieder ans Licht. Ihre Objekte aus Holz, Metall und Denim holen, wie die Jury formuliert, die digitale Welt zurück ins greifbare Hier und Jetzt.

Zu sehen: Bis 1. November 2026 im Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg, Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 bis 17 Uhr. Eintritt 4/3 Euro. Der Katalog mit Texten von Benjamin Rux umfasst 100 Seiten und kostet 18 Euro.