Vom 25. bis 27. September findet in Erfurt zum fünften Mal das Graphit-Festival statt, das Symposium für Illustration und urbanes Skizzieren. Wer jetzt denkt, das sei etwas für Leute mit Kunststudium: ist es nicht. Wie Julia Rühr, Mitglied im Graphit e. V. und Teil des Orgateams, im Interview erzählt, geht es um etwas anderes: „Menschen, die zeichnen. Menschen, die miteinander reden. Menschen, die miteinander lachen.“ Daran messe sie, ob ein Festival gelungen sei.

Graphit-Festival in Erfurt verbindet

Das Festival gibt es seit 2018, es findet alle zwei Jahre statt. Auf dem Programm stehen Vorträge, Workshops und offene Formate. Laut Rühr sind Profi-Illustratorinnen genauso gemeint wie Leute, die seit der Schule keinen Bleistift mehr in der Hand hatten: „Es geht darum, Menschen bei Kultur und Kunst zusammenzubringen.“ Der Standort hat praktische Gründe – hier wurde der Verein gegründet, die Kulturszene ist aktiv, und als Landeshauptstadt strahlt Erfurt in ganz Thüringen aus. „Die Stadt ist wahnsinnig schön. Mit Erfurt kann man locken“, sagt Rühr mit Blick auf auswärtige Gäste.

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Freitagabend: Festivalstart im Haus Dacheröden

Der Auftakt am Freitag ist der Teil, für den Besuchende nichts können müssen. Im Kultur:Haus Dacheröden sprechen drei Gäste über ihre Arbeit, danach gibt es Gelegenheit zum Netzwerken und einen Verkaufstisch. Wer sagt, „ich bin selbst gar nicht so künstlerisch aktiv, will das aber gern miterleben“, könne einfach ein Abendticket kaufen, so Rühr.

Graphit Festival 2024
Haus Dacheröden in Erfurt eröffnet Graphit-Festival mit Künstler:innen Vorträgen.© Ole Bechert vom Grafikbüro Ole B. | Ole Bechert vom Grafikbüro Ole B.

Auf der Bühne steht zunächst Gabriela Jolowicz, in Erfurt durch die Ausstellung „Der unendliche Holzschnitt“ in der Kunsthalle bekannt. Sie schneidet großformatige, detailreiche Szenen in dünnes Pappelholz. Rühr, selbst Hobby-Linolschnitzerin, nennt sie ihr persönliches Highlight: „Ich will alles wissen: wie sie ihre Werkzeuge schärft, welche Farben sie benutzt, wie lange das alles trocknet.“ Es folgt Dennis Schuster alias DXTR, der aus Graffiti und Wandmalerei kommt. Dritte im Bunde ist Sarah Käsmayr, Verlegerin und Buchgestalterin beim Maro Verlag in Augsburg; bei ihr geht es um das Zusammenspiel von Text und Illustration.

Sonntag

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„Auf jeden Fall wird das, was Dexter macht, anders sein als das, was Gabriela gestaltet. Und das wird spannend“, sagt Rühr. 2024 habe genau diese Reibung getragen, als Typografin Chris Campe auf die Arte-Illustratorin Elsa Perry traf: „Dieses Spannungsfeld war wahnsinnig spannend.“

Samstag: Workshops, danach Café [ka:te]

Tagsüber laufen die Workshops in den Künstlerwerkstätten, abends folgt ein neues, betont lockeres Get-together im Café [ka:te]: etwas Sketching, ein paar lose Vorträge, viel Netzwerken. Auch Artur Fast ist mit einem kleinen Programmpunkt dabei; er arbeitet an der Schnittstelle von digitaler Gestaltung, Illustration und visueller Kommunikation. Eingeladen sind ausdrücklich auch alle, die tagsüber arbeiten mussten.

Graphit Festival 2024
In den Künstlerwerkstätten gibt es beim Graphit Festival unterschiedlichste Mitmach-Angebote.© Ole Bechert vom Grafikbüro Ole B. | Ole Bechert vom Grafikbüro Ole B.

Zum Abschluss geht es raus, bewusst nicht in die Postkarten-Altstadt. Die Urban-Sketching-Tour mit Jenny Adam führt entlang der Geraaue, in den Nordpark und ins Rieth. Adam gibt praktische Tipps, etwa wie eine limitierte Farbpalette eine Komposition trägt, „auch wenn es nicht unbedingt um Fachwerk geht“. Die Einladung laute, Dinge, „die oberflächlich nie als schön ins Auge gefallen sind, doch noch einmal genauer zu betrachten“.

Zwei gleiche Bilder entstehen dabei nie: „Jemand malt eher panoramaartig, jemand anderes konzentriert sich auf Details“, sagt Julia – selbst wenn alle an derselben Kreuzung stehen. Hocker und eigenes Lieblingsmaterial sind erlaubt, angemeldet wird nur zur Planung, bezahlt nach dem Prinzip „Pay what you want“. Die Skizzen bleiben im eigenen Buch. „Wenn ich am Sonntag sehe, wie Leute andächtig durch die Welt laufen, sich Dinge anschauen und die profansten Szenerien plötzlich aufs Papier bringen und daraus wirklich etwas Interessantes schaffen: Das wird total cool.“

Graphit Festival 2024
Das Graphit-Festival läuft auf ein Wochenende zu, das Erfurt zum Mitzeichnen bringt.© Ole Bechert vom Grafikbüro Ole B. | Ole Bechert vom Grafikbüro Ole B.

Soft Opening des Festivals

Am 24. September startet das Soft Opening mit der offenen Zeichenrunde, ohne Anmeldung: „Ihr zeichnet, was ihr selbst möchtet.“ Tickets fürs Wochenende oder einzelne Abende gibt es auf der Website des Graphit e. V.

Was vom Wochenende bleibt, zeigt sich ohnehin erst später. Julia rechnet damit, dass die Gäste in den Werken der Teilnehmenden weiterarbeiten. „Man kennt sich ja ein bisschen, und wenn man dann feststellt: oh, da schleicht sich ein bisschen Gabriela ein, da ein bisschen Jenny, da ein bisschen Dexter ... Ich bin gespannt, was da auf mich zukommt, wie ich das in meine tägliche Arbeit einbringe – und wie andere es in ihre einbringen.“