Vielleicht steht Kurt am Ende des Open Airs einfach am Rand und grinst. So stellt er sich den Moment vor, in dem beim „DayBreak“ der letzte Track läuft. Bis dahin dürfte er allerdings wenig Zeit zum Herumstehen haben: Das Open Air am 26.September in Erfurt ist seine erste selbst organisierte Veranstaltung – mit allem, was dazugehört, von Technik und Bühne bis Einlass und Security.

Erstes „DayBreak“-Open-Air in Erfurt

Wie Kurt Buchmann im Interview erzählt, entstand die Idee während seines Praktikums im Kalif Storch. Gleich in der ersten Woche bekam er den Auftrag, eine eigene Veranstaltung zu planen. „Da habe ich mich erst mal riesig gefreut, dass ich diese Möglichkeit bekomme“, sagt er. Ein Open Air wollte er schon länger organisieren, doch bisher fehlten Zeit und Unterstützung. Nun setzt er das Projekt gemeinsam mit dem Kalif Storch und dem Kulturbahnhof Kommarum um.

Auch interessant

Kurt ist in Erfurt geboren und aufgewachsen. Mit 16 begann er eine Ausbildung zum Metallbauer, später arbeitete er mehrere Jahre auf Baustellen. Der Weg von dort ins Veranstaltungsmanagement wirkt zunächst wie ein großer Sprung. Ganz so weit liegen die Bereiche für ihn aber nicht auseinander: „Die ganzen baulichen Aspekte sind für den Bühnenbau sehr hilfreich.“

Die elektronische Musik war ohnehin lange vor dem Berufswechsel da. Kurts Vater war selbst DJ und bewahrte sein Equipment auf. Da begann Kurt, allein aufzulegen. „Seit ich denken kann, liebe und lebe ich elektronische Musik“, erzählt er. Seit drei Jahren tritt er unter dem Namen „Diskurt“ auch vor Publikum auf.

Vom Metallbauer zum DJ

Parallel sammelte er im Kalif Erfahrungen an der Bar, der Kasse und der Garderobe sowie als Abendleiter. Er bereitete die Technik vor, koordinierte den Clubbetrieb und trägt die Verantwortung für den Abend. Während seiner Weiterbildung zum Techniker entschied er sich für einen beruflichen Neuanfang. Künftig will er Eventmanagement und Veranstaltungstechnik in Gießen studieren.

Sonntag

Der Gute Woche-Newsletter

Alles Gute aus Thüringen in einem Newsletter - jede Woche gute Nachrichten

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Zweifel? „Nö, eigentlich nicht.“ Schwerer fällt ihm der Abschied aus Erfurt. Hier kennt er viele Menschen, die eigene Kulturprojekte umsetzen. „Das ist einfach eine tolle Community, die das gemeinsam schafft“, sagt er. „Erfurt kann nämlich richtig viel Kultur, in alle Richtungen.“

DayBreak OpenAir organisiert von Kurt Buchmann
Strandbühne des Nachwuchsstudio E20 in Erfurt ermöglicht es auch Newcomer DJs im Kommarum aufzulegen. © Ianthe Paul | Ianthe Paul

Das „DayBreak“ findet bewusst am Nachmittag statt. Kurt findet, wenn es langsam dunkel wird und die Lichterketten im Kommarum angehen, wird der Ort noch gemütlicher. Der Kulturbahnhof liegt wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof und vom Anger entfernt. Rund um die Bühne gibt es Sitzplätze, Tischtennis, Dart, Spiele und einen Spielplatz.

Auch interessant

Das Open Air richtet sich deshalb nicht nur an routinierte Clubgäste. Auch Familien, ältere Menschen und alle anderen sind willkommen. „Viele Eltern mit Kids denken gar nicht daran, auf ein Open Air zu gehen“, sagt Kurt. „Dabei ist das Kommarum eigentlich der Ort, um mal mit den Kindern tanzen zu gehen.“ Auch wer allein kommt, braucht keinen festen Plan: „Einfach hinstellen, tanzen, die Musik genießen.“ Ebenso gut könne man zunächst sitzen bleiben, zuhören und mit anderen ins Gespräch kommen.

Erfurt fördert Kultur: „DayBreak“ bringt House ins Kommarum

Den Auftakt spielt Jetski aus Halle, die Kurt über das Erfurter Nachwuchs-DJ-Projekt „E20“ kennengelernt hat. Ihr Spektrum reiche von entspanntem House und Ambient bis zu Musik für den nächtlichen Dancefloor. Danach übernimmt Multifun. Kurt kannte ihre Sets bisher nur aus dem Internet: „Wenn ich keine Zeit habe, nach Berlin zu fahren, um sie zu hören, dann lade ich sie eben ein.“

Auch interessant

Den Abschluss gestaltet Kristin Velvet, deren Produktionen Kurt auch selbst auflegt. „Ihre Mucke geht ab, regt einen noch mehr zum Tanzen an“, sagt er. Aus den einzelnen Buchungen wurde schließlich ein vollständiges FLINTA*-Line-up. Für Kurt eine stimmige Entscheidung: „Ich finde es mega, dass es nur Frauen sind – und dass ihnen mal ein ganzes Open Air gehört.“

Warum House? Für ihn ist das Genre erstaunlich alltagstauglich: „Du kannst hier sitzen und quatschen bei House, die ganze Nacht durchfeiern, du kannst die Wohnung aufräumen mit House. Du kannst in den Urlaub fahren mit House – und sogar dazu einschlafen.“

Kultur entsteht, wenn jemand anfängt

Hinter dem Open Air steckt Arbeit, die Gäste kaum sehen. Technik und Backstage müssen eingerichtet, Tische verräumt und ein Einlass aufgebaut werden. Kurt organisiert einen großen Teil selbst, unterstützt von den Verantwortlichen des Kalif Storch und des Kommarum.

Auch interessant

Ob sein erstes Open Air gelingt, will Kurt nicht an Besucherzahlen messen. Wichtig sei ihm, dass die Menschen später sagen: „Es hat sich gelohnt, den Tag hier zu verbringen“ – und dass sichtbar wird, was junge Kulturprojekte möglich machen. Doch ein paar Momente will er trotz Organisationsstress auf keinen Fall verpassen: die letzten Tracks der DJs. Denn „DJs legen nicht einfach Musik auf. Sie gehen auf das Publikum ein und schaffen einen gemeinsamen und einzigartigen Moment – und genau dieser Moment zeigt sich auf einem Open Air in den jeweils letzten Tracks der Künstler:innen.“