Zusammenfassung

  • Schütz-Musikfest gastiert in Gera und Bad Köstritz
  • Rund 40 Veranstaltungen verbinden Alte Musik mit neuen Klängen
  • Zwei Uraufführungen rahmen das zehntägige Festival ein

Man stelle es sich vor: Acht Sängerinnen und Sänger versuchen, Kontakt zu einem Mann aufzunehmen, der 1672 gestorben ist. Ernsthaft, mit Musik – und mit einem Augenzwinkern. So eröffnet das Berliner Solistenensemble „The Present“ am 2. Oktober im Dresdner Zentralwerk das 28. Heinrich-Schütz-Musikfest: „Erhöre uns, wenn wir anrufen. Eine Séance für Heinrich Schütz“. Die entscheidende Frage des Abends lautet, ob der Meister ans Geistertelefon geht.

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Zehn Tage, rund 40 Veranstaltungen, fünf Städte – Dresden, Bad Köstritz, Gera, Weißenfels und Zeitz –, zwei Uraufführungen als Rahmen von Eröffnung und Finale. Das Motto: „Spurensuche. Anstoß und Aufbruch“. Wer jetzt noch glaubt, Alte Musik sei etwas für Kenner mit Partitur auf den Knien, wird eines Besseren belehrt.

Schütz prägt deutsche Musik und trotzt dem Dreißigjährigen Krieg

Schütz
Heinrich Schütz, Bildnis von Christoph Spetner um 1660.© Universität Leipzig | Universität Leipzig

Aber der Reihe nach: Wer war dieser Heinrich Schütz? Geboren am 8. Oktober 1585 in Köstritz, Sohn eines Gastwirts, „eine Meile Weges von Gera entfernt“. Ein Landgraf entdeckte sein Talent und schickte ihn nach Venedig zu Giovanni Gabrieli – damals die Champions League der Musik. Zurück in Deutschland leitete er 55 Jahre lang die Dresdner Hofkapelle. Seine Zeitgenossen nannten ihn „Lumen Germaniae“, Licht Deutschlands. Er war der erste deutsche Komponist von europäischem Rang, der bedeutendste vor Bach.

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Warum man ihn heute hören sollte? Weil Schütz‘ Leben vom Dreißigjährigen Krieg überschattet war – und weil man das hört. Als die Hofkapelle schrumpfte, schrieb er Musik für wenige Stimmen, die mit minimalen Mitteln maximale Wucht entfaltet. Keine Perücken-Idylle, sondern Musik, die Trauer aushält, die vom Wort ausgeht, die die deutsche Sprache erst richtig zum Klingen brachte. Näher an der Intensität eines guten Songs als an einer Museumsvitrine.

Schütz-Festival bringt Alte Musik und moderne Klänge nach Ostthüringen

Musikfest
Die lautten compagney Berlin ist ein 1984 gegründetes Barockensemble, das für historisch informierte Aufführungen Alter Musik ebenso bekannt ist wie für genreübergreifende Crossover-Projekte.© Robert Kothe | Robert Kothe

Ostthüringen ist dabei kein Nebenschauplatz. Am 4. Oktober lässt das Johann-Rosenmüller-Ensemble unter Arno Paduch in der St. Marienkirche Gera-Untermhaus (15.30 Uhr, Einführung 14.30 Uhr) Schütz und seinen Vetter Heinrich Albert ein Zwiegespräch führen.

Am 7. Oktober wird es im Besucherzentrum der Köstritzer Schwarzbierbrauerei gesellig: „Schützling“ (18.30 Uhr) spürt der Kindheit des Gastwirtsohns nach – die Sängerinnen und Sänger begleiten sich mit Instrumenten aus dem Kinderzimmer.

Am 9. Oktober zeigt die lautten compagney Berlin unter Wolfgang Katschner in St. Leonhard (19.30 Uhr), wie Schütz‘ Schüler sein Erbe weitertrugen.

Und am 10. Oktober trifft auf der Bühne am Park Gera (19.30 Uhr) die elektronisch erweiterte Stimme von Thea Soti auf das Barockensemble Paper Kite – „Re: Schütz“, eine Live-Session zwischen Buxtehude und Loop-Station.

Dazu das Wandelkonzert zum Schütz-Geburtstag am 8. Oktober, eine Führung durch die Sonderausstellung „Saul und die Distel“ (3.10.) und die Musikalische Museumsrunde mit Silke Leopold (6.10.) im Heinrich-Schütz-Haus in Bad Köstritz. Das Finale am 11. Oktober, 17 Uhr, gehört nochmals Bad Köstritz: „Vasto Mar“ mit der Uraufführung von Moritz Gagerns „Tuch der Meere“.

Das ausführliche Programm sowie Tickets für das Schütz-Musikfest gibt es unter www.schuetz-musikfest.de