Gropius-Mitarbeiter Ernst Neufert starb vor 25 Jahren

Der Bauhäusler Ernst Neufert ist als Bürochef von Walter Gropius, Bauleiter des richtungsweisenden Bauhausgebäudes in Dessau und als Bau-Professor in Weimar sowie Darmstadt überliefert. Vor 25 Jahren ist er gestorben.

Ernst Neuferts Haus ist neben dem "Haus am Horn" das einzige vollendete Bauhäusler-Bauwerk Weimars. Foto: Marco Kneise

Ernst Neuferts Haus ist neben dem "Haus am Horn" das einzige vollendete Bauhäusler-Bauwerk Weimars. Foto: Marco Kneise

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Weimar. Die gestalterische Spannbreite des Architekten Ernst Neufertreicht von beeindruckenden Industrie- und sowie Wohngebäuden in Thüringen, Anhalt, der Lausitz, Berlin und dem Rhein-Main-Gebiet bis zu der von ihm verfassten „Bauentwurfslehre“. Diese Arbeit gedieh zum internationalen Standardwerk. Neufert verkörpert damit über seinen Tod hinaus wie kaum ein anderer die „aus der Bauhaustradition abgeleitete normierte Baukultur“. Sein Maßsystem prägte die gesamte internationale Baunormung, ermöglichte die Standardisierung sowie die rationalisierte industrielle Fertigung von Bauteilen und gilt seither weltweit als unverzichtbares Hilfsmittel für Architekten.

Neufert wurde am 15. März 1900 in Freyburg an der Unstrut geboren. Sein Vater ist als Seiler und Kleinkaufmann überliefert, der seinem architekturinteressierten Sohn eine Lehre in mehreren Baugewerken ermöglichte. 1917 wechselte Neufert an die Baugewerkschule in Weimar. Sein Lehrer empfahl ihn zwei Jahre später als „besonders begabten Schüler“ an Bauhaus-Gründer Walter Gropius, der ihn 1921 auf eine einjährige Studienreise nach Südeuropa schickte.

Anschließend leitete Neufert das Technische Bauatelier von Gropius, mit dem er als dessen Bürochef nach Dessau ging. Hier wirkte Neufert als Bauleiter maßgeblicher Gropius-Projekte: vom neuen Bauhausgebäude über die Meisterhäuser bis zur Siedlung in Dessau-Törten. 1924 heiratete der aufstrebende Architekt Alete Vollmer.

1926 berief ihn Otto Bartning, der in Weimar die Nachfolge-Einrichtung des Bauhauses übernommen hatte, als Professor. In der Folge schuf Neufert mit seinem neuen Chef in Weimar das Studentenhaus, die Mensa sowie das Abbeanum in Jena - und für sich in Gelmeroda das in Skelettbauweise entstandene Wohn- und Atelierhaus. Dieses gilt neben dem „Haus am Horn“ als einziges vollendetes Bauhäusler-Bauwerk Weimars.

Nach Schließung der Staatlichen Bauhochschule durch die Nazis fand er in Berlin Unterschlupf an der privaten Schule von Johannes Itten. Dann wurde auch diese Anstalt von den Nazis geschlossen. Neufert, der als Bauhäusler nicht in die neue Reichskammer aufgenommen wurde, ging auf Reisen, arbeitete als selbständiger Architekt und wollte eigentlich emigrieren.

Nebenbei verfasste er die „Bauentwurfslehre“, die zum Welterfolg avancierte. Mit dem Honorar konnte er seine Familie ernähren, bis Albert Speer, Generalinspekteur der Nazis, ihn 1938 zum Leiter des „Mechanisierten Wohnungsbaus der Stadt Berlin“ berief. Dabei entstand seine „Bauordnungslehre. Handbuch für rationelles Bauen nach geregeltem Maß“ - ein weiterer Bestseller.

Nach dem Krieg entschied sich Neufert aus etlichen Lehrangeboten für die TH in Darmstadt, wo er 1954 die Ehrendoktorwürde empfing. Dazu gründete er ein eigenes Architekturbüro. Er starb am 23. Februar 1986 in Bugnaux-sur-Rolle im Kanton Waadt.

Das Neufert-Haus in Gelmeroda wurde in den 90er Jahren saniert und durch einen blauen Kubus, einem Aktions- und Ausstellungsbau, ergänzt, in dem die Erinnerung an den Vater der normierten Baukultur gepflegt wird. Ein Großteil des Nachlasses gehört zum Bestand der TH Darmstadt. Ein zweiter Teil wird von der „Planungs-AG Neufert, Mittmann und Graf“ in Gelmeroda verwaltet.

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