Schillers Drama „Die Räuber“ feiert am Rudolstädter Theater Premiere

Rudolstadt  Friedrich Schillers erstes Drama „Die Räuber“ feiert in der Regie von Ulrike Müller im Rudolstädter Theater seine Premiere.

Szenenfoto aus "Die Räuber" am Theater Rudolstadt Foto: Peter Scholz

Szenenfoto aus "Die Räuber" am Theater Rudolstadt Foto: Peter Scholz

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„Ich will alles um mich ausrotten, was mich einschränkt“, kündigt der Zweitgeborene Franz Moor in Schillers Drama „Die Räuber“ eingangs an und erklärt damit, um was es in dem Stück eigentlich geht: Um Freiheit, Selbstbestimmung, um das Aufbegehren gegen Familie, Kirche, Obrigkeit und einengende Gesetze. Ein Ziel, dass jede Generation und Gesellschaft für sich in Anspruch nehmen könnte, nicht nur im Jahr der Uraufführung 1782 und der Epoche des Sturm und Drangs und nicht nur in Deutschland.

Zeitloses Drama machte Schiller berühmt

Im ausverkauften Theater Rudolstadt feiern „Die Räuber“ in der Regie von Ulrike Müller als eben solch zeitloses Drama eine bejubelte Premiere. Zwei Stunden lang geht es um Leben und Tod und um die Frage nach Gerechtigkeit. Franz Moors (Günther Sturmlechner) größte Ungerechtigkeit besteht darin, dass er der Zweitgeborene ist und sich in Vaterliebe und Erbe zurückgesetzt fühlt. Sein älterer Bruder Karl (Johannes Geißer) dagegen steht beim Vater hoch im Kurs, weiß um die Treue und Liebe seiner Verlobten Amalia (Laura Bettinger) und um das Familienvermögen. Noch dazu führt er in Leipzig ein ausschweifendes Studentenleben.

Doch sein Weg zurück zur Familie wird ihm durch Franz verbaut. Getrieben von Neid, Missgunst und Hass verfasst der Bruder fingierte Briefe und sorgt dafür, dass der alte Moor (Hans Burkia) auf die Intrige hereinfällt. Enttäuscht und wütend kehrt Karl daraufhin Familie und Gesellschaft den Rücken und wird in den böhmischen Wäldern Hauptmann einer mordenden Räuberbande (Markus Seidensticker, Marcus Ostberg, Jochen Ganser, Joachim Brunner und Tino Kühn). Ihre Ziele sind radikal und dafür jedes Mittel recht. Karl hingegen kann man noch einen Funken Ehrgefühl nachsagen: Er überfällt mit Vorliebe die Oberschicht, verteilt seine Beute an Bedürftige und vergibt Stipendien – ein deutscher Robin Hood also. Als der Pater (Hans Burkia) ihm gegenübertritt, rechnet er auch mit der Kirche ab: Alles Heuchelei! Doch die Spirale aus Gewalt, Hass und Tod zieht Karl weiter nach unten. Er kann nicht mehr entkommen und ist dadurch weniger frei, als er es vorher war.

Der Idee der Berliner Regisseurin Ulrike Müller, Schillers Erstling sowohl in der Entstehungszeit lesen zu können, als auch in der Gegenwart, ordnen sich auch Kostüme und Bühnenbild von Mathias Werner und Jan Lehmann unter. So gelingt in Rudolstadt eine rundum stimmige Inszenierung, die in den Köpfen und Diskussionen der Zuschauer noch lange nachwirken wird.

Auch für den erst 22-jährigen Schiller hatten „Die Räuber“ übrigens weitreichende Folgen: Arrest, Aufführungsverbot des als „revolutionär“ eingestuften Stücks durch fast alle deutschen Regierungen, schließlich sogar Schreibverbot. Nach der Uraufführung 1782 floh er bei Nacht und Nebel aus Stuttgart. „Die Räuber“, so schrieb er 1784, „kosteten mir Familie und Vaterland.“ Und brachten ihm zugleich schlagartig großen Ruhm ein.

Wieder am 22. März, um 15 Uhr, am 1. April, um 19.30 Uhr sowie am 19. April, um 11 Uhr im Großen Haus in Rudolstadt