Schräge Kunst im kleinen Rahmen in Gotha

Gotha. Schnelle Reime und Prosa zwischen Ernsthaftigkeit und Satire und die Verballhornung jeder Bühnenschau auf Oscars Schlachthofbühne in Gotha.

Andreas In der Au , Tommy Neuwirth und Steve Kußin (von rechts) unterhielten das Publikum auf Oscars Schlachthofbühne auf ganz eigene Weise. Foto: Peter Riecke

Andreas In der Au , Tommy Neuwirth und Steve Kußin (von rechts) unterhielten das Publikum auf Oscars Schlachthofbühne auf ganz eigene Weise. Foto: Peter Riecke

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"Was soll denn das werden?" , mögen sich die knapp 20 Zuschauer am Donnerstagabend gedacht haben, als sie kurz nach 19 Uhr den hell erleuchten Saal im neuen Londoner, auch Oscars Schlachhofbühne genannt, in der Gothaer Parkallee 15 betreten haben. Angekündigt war eine eine "Poetry-Literatur-Musik-Show". Aber während Poetry(-Slam) als schnelles Vortragen gereimter Texte noch auf improvisierten Bühnen durchgeht, erwartet man bei Literatur doch eher den Lesetisch mit Lichtkegel auf den wichtig daherblickenden Autor und von Musikschau doch wenigstens bunte Scheinwerfer.

Auf all das verzichteten der "Literat" Steve Kußin, der "Musikus" Tommy Neuwirth und der Slammer Andreas In der Au und hatten doch die Aufmerksamkeit und die Lacher des Publikums ununterbrochen auf ihrer Seite.

Es genügten: drei junge Männer in bedacht gewählter Alltagskleidung, vier Stühle, ein Tisch, zwei Mikrofone im Ständer, ein Brauseflaschenkasten, ein Laptop, Verstärker, Lautsprecher.

Steve Kußin, Stadtschreiber der kleinen ostthüringischen Stadt Ranis, trug Geschichten vor und nutzte dazu Andreas In der Au als Mit-Darsteller, der aber nichts zu sagen hatte.

Andreas In der Au, sich passend "AIDA" nennend, der den längsten Part des durch eine Pause zweigeteilten Abends bestritt, reimte schnell, bis er einmal den Faden verlor. Mit seinen Reimen, expressiv bis zum Erschrecken des Publikums vorgetragen, ließ er überhöhte Bilder in den Köpfen der Zuschauer entstehen.

Tommy Neuwirth, der sich "Das weltweite Netzwerk für ein bedingungsloses Grundeinkommen" nennt, liest uns über das Lachen, was wir sonst als so selbstverständlich hinnehmen: die so übertrieben theatralische Bühnenschau bekannter Interpreten. Ohne glitzernde Instrumente, ein Lichtgewitter aus Stroboskop-Blitzen, bewegten, bunten Scheinwerfern sowie den unvermeidlichen Nebelmaschinen und im Blaumann statt im Bühnenkleid welchen Stiles auch immer kann man nur noch Lachen über das, was die Stars der Unterhaltungsbranche so ernst zu meinen scheinen. Weniger ist nicht immer mehr, aber manchmal deutlicher.

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