Der Blick der Defa – Thüringen als ideale Kulisse für Romanverfilmungen

Die DDR-Traumfabrik fand in Thüringen eine ideale Kulisse für ihre Romanverfilmungen.

Lilly Palmer (Lotte) und Monika Lennartz (Lottes Tochter) im Wald.

Foto: DEFA-Film

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Dass Thüringen als Kulisse für internationale Kino-Produktionen dient, lässt sich Jahr für Jahr beobachten. Erst kürzlich zeigte das ZDF als sogenannte Free-TV-Premiere die Tragikomödie „Es war einmal in Deutschland“ mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle. Gedreht wurde der Kinofilm vor drei Jahren unter anderem in Gera und Saalfeld.

Als Beiwerk hatte zu DDR-Zeitung schon die Defa Thüringen entdeckt. Genau dazu ist im Nomos-Verlag das Buch „Defa in Thüringen“ erschienen. Herausgegeben wurde es von den Erfurter Filmwissenschaftlern Michael Grisko und Patrick Rössler.

Im Mittelpunkt stehen Dokumentar- und Spielfilme aus dem Zeitraum zwischen 1946 bis 1992. Und das waren viele. So haben „von den zwischen 1946 und 1992 entstandenen rund 700 Spiel-, 450 Kurz-, 950 Animations- und 2000 Dokumentarfilmen... vermutlich rund 900 Filme mit Thüringen zu tun“, heißt es im Vorwort.

Gleich im ersten Kapitel geht es um ein für damalige Verhältnisse filmisches Großwerk: „Lotte in Weimar“ von Regisseur Egon Günther aus dem Jahr 1974, das nach dem Roman von Thomas Mann entstand. Ganz Weimar erlag damals dem „Lottefieber“, heißt es.

Die Autoren berichten nicht nur von Episoden der Dreharbeiten, der Stasi-Überwachung oder dem Streit am Set, sondern auch von der ideologischen Auseinandersetzung mit der Weimarer Klassik. Der Film werde eine „Meisterleistung des großen bürgerlichen Realismus“ zu einem lebendigen Bestandteil der „sozialistischen Nationalkultur“ machen, habe der Defa-Hauptdramaturg damals erklärt. Der Film markiert einen „erbepolitischen Kurswechsel“.

Weitere im Buch behandelte Filmorte sind das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald mit dem Film „Nackt unter Wölfen“ (1963), der ein ganzes Genre im DDR-Filmschaffen begründete, den Antifaschismusfilm, oder Eisenach mit dem Sportfilm „Rivalen am Steuer“ (1957).

Ein weiteres Kapitel trägt den Titel „Pößneck: Das Hollywood des Ostens oder Babelsberg in Thüringen“, wurden doch in der kleinen Stadt im Orlatal zwischen 1949 und 1889 allein sieben Spielfilme für Kino und Fernsehen aufgenommen.

Auch mit dem Thema Filmverbot setzt sich das Buch auseinander, wenn es zum Beispiel um den Streifen „Denk bloß nicht, ich heule“ geht. Hauptdarsteller Peter Reusse schmückt sogar den Buchtitel. Der Film erzählt die Geschichte eines rebellischen Abiturienten, der sich gegen die Gleichschaltung in der DDR auflehnt und von der Schule fliegt. Zugleich ist die Produktion ein Liebesfilm, die auch das schwierige Verhältnis der Elterngeneration zu ihrer Kriegsvergangenheit bloßstellt.

Doch offenbar entsprach die Umsetzung des Themas – Buchenwald wurde natürlich gefilmt – nicht der ideologischen Vorgabe.

1965 wurde der Film verboten und konnte erst nach dem Mauerfall aufgeführt werden. 1990 auf der Berlinale war das.

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