Golden Sixties Band erlebte in Amerika nicht Alltägliches

Amerikanisches Bier und eine Tornadowarnung - der Konzerttrip der Golden Sixties Band zum "German Fest" nach Milwaukee war mit allerlei Gefahren gespickt. Spaß hat es dem Altrocker-Kleeblatt trotzdem gemacht. Auch oder gerade, weil alles ganz anders war als in Deutschland.

Die Golden Sixties Band - Hansi Pietschmann, Eddi Förster,  Andy Kunte und Walter Schubert (v. l.) - posiert vor Wolkenkratzern. Foto: privat

Die Golden Sixties Band - Hansi Pietschmann, Eddi Förster, Andy Kunte und Walter Schubert (v. l.) - posiert vor Wolkenkratzern. Foto: privat

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Erfurt/Chicago. Am 20. Juli hatte sich die Golden Sixties Band am Nachmittag auf den Flug von München nach Chicago begeben. Nach neunstündigem Flug landete die Band nach Ortszeit am Vormittag, bedingt durch die Zeitverschiebung. Die Flughafenkontrollen hat Keyboarder Walter Schubert noch als extrem streng in Erinnerung. Mit dem Bus ging es dann nach Milwaukee. "Von Chicago haben wir dabei leider überhaupt nichts gesehen, der Flughafen liegt weit außerhalb der Stadt liegt", so Schubert.

Am Mittwoch gab es dann vor dem eigentlichen Anlass erst einmal ein Straßenfest. Im 4-Stunden-Programm war die Golden Sixties Band mit ihrem eigenen Auftritt nur für ca. 30 Minuten auf der Bühne. Für die gleiche Zeit wurden Eddi Förster, Hansi Pietschmann, Andreas Kunte und Walter Schubert dann zur Begleitband von Regina Thoss "umfunktioniert". Der frühere DDR-Schlagerstar, inzwischen weit über die 60, kam gut an, bestätigt die Band. "Sehr professionell, sehr dynamisch trotz ihres Alters" sei der Auftritt mit einem Berlin-Medley gewesen.

Am Donnerstag sollte dann das eigentliche, viertägige "German Fest" steigen. Die Betonung liegt hier auf sollte, denn eine Tornadowarnung wurde zum Spielverderber. Regen, Unwetter, Blitze, Donner, schwarzer Himmel mitten am Tag und gruselige Stimmung - der Festivalauftakt fiel aus. Die Musiker mussten sich in Sicherheit bringen. Dass die Bühne dennoch stehen blieb, war dann allein der Tatsache geschuldet, dass der Tornado das Festgelände knapp verfehlte.

Am Freitag dann Anlauf Nr. 2 und der klappte, auch wenn die amerikanischen Tontechniker den deutschen Musikern Schweißperlen auf die Stirn zauberten. Bis zum Sonntag wurde dann durchgerockt. Auf fünf Bühnen vor rund 100 0000 Zuschauern insgesamt. "Das Publikum reichte von Familien mit Kindern bis zum Großvater im Rollstuhl", verrät Walter Schubert. Vier Tage Party bei extremer, schwüler, Hitze. Sonntag schloss dann eine einstündige Parade im offenen Straßenkreuzer durch Milwaukee das Musikspektakel ab. Dessen größte Herausforderung lag neben den Tontechnikern auch im Essen. Walter Schubert: "Es gab dort zwar deutsche Kost, aber das, was die uns als Bratwurst verkauft haben, war eine Zumutung und verdient den Namen nicht". Sie sei einfach ungenießbar gewesen.

Am 26. Juli unternahmen die vier Erfurter vor dem Rückflug dann nochmals einen Anlauf für einen Ausflug nach Chicago. Schon die Fahrt mit dem Zug wurde zum Abenteuer. Ohne Pass gab es keine Fahrkarte am Schalter, erinnert sich der Mann an den Keyboards. Er hatte seinen vergessen, aber der Mann am Schalter akzeptierte dann wenigstens den deutschen Personalausweis.

Sieben Stunden Pflastertreten durch die drittgrößte amerikanische Großstadt (2,7 Millionen Einwohner) folgten. An Shoppen sei aber nicht zu denken gewesen. Keine Geschäfte oder Restaurants, nur Bürotürme. Wer einkaufen will, muss zu den großen Malls am Stadtrand fahren. Mit Deutschland sei das überhaupt nicht vergleichbar, so Walter Schubert. Letztlich fand man mit nach stundenlanger Suche doch noch ein Restaurant - ein deutsches inmitten des lauten, hohen, beeindruckenden, aber gewöhnungsbedürftigen Molochs. Die Hoffnung, ein Al-Capone-Museum zu finden, zerschlug sich für die Band jedoch. Kein einziger Hinweis auf den berühmten Gangsterboss, der in den 1920er- und 1930er-Jahren in den Zeiten der Prohibition die Stadt voll im Griff hatte.

Fazit der Konzertreise aus Sicht von Walter Schubert: "Eine nette Abwechslung an einem Ort, wo wir unter normalen Umständen wohl nie hingekommen wären". Milwaukee prägte sich ihm dabei besonders ein, "weil diese Stadt scheinbar nur aus Parkhäusern besteht". Und auch die Parkgebühren ließen den Erfurtern den Unterkiefer herunterklappen: 15 Dollar pro Stunde. "Sechs Dollar für die ersten 20 Minuten wurden dort sogar noch als Sonderangebot offeriert", weiß er noch.

Ansonsten sind ihm und seinen Bandkollegen die Amerikaner als sehr nett, freundlich und hilfsbereit in Erinnerung geblieben. Und die Terrorangst am Flughafen in Chicago. Die sei regelrecht greifbar gewesen. Mehrfache Passkontrollen, ausgezogene Schuhe und zig Visitationen - das prägt sich ein. Das nachhaltigste Erlebnis hatten die Vier aber, als sie ein amerikanisches Bier trinken wollten. "Ich habe es zum ersten Mal in meinem Leben stehen gelassen", sagt Walter Schubert. Und fügt an: "Da lob ich mir doch mein Riebeck".

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