Markus Lanz lud am Dienstagabend seine Gäste unter besonderen Vorzeichen ein. Nur wenige Stunden später sollte das Ultimatum von Donald Trump an den Iran ablaufen. Der US-Präsident drohte mit dem Untergang einer „ganzen Zivilisation“, falls der Iran die Straße von Hormus nicht freigibt.
Das Ultimatum hatte der US-Präsident zuvor bereits mehrmals verschoben. Der Sicherheitsexperte Peter Neumann sah Trump deswegen unter Zugzwang: „Jedes Mal, wenn eine solche Drohung nicht umgesetzt wird, wird die nächste Drohung weniger glaubwürdig.“
Seine Schlussfolgerung lautete: „Er muss die Drohung umsetzen, um seine Glaubwürdigkeit zu erhalten und das bedeutet: Zerstörung im Iran.“ Eine Stunde nach der Ausstrahlung stellte sich das als Fehleinschätzung heraus. Donald Trump verkündete da auf Truth Social eine zweiwöchige Waffenruhe mit dem Iran. Iran kündigte im Gegenzug eine vorläufige Öffnung der Straße von Hormus an.
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ZDF-Korrespondent: „Alle rechnen mit einer Eskalation“
Auch ZDF-Korrespondent Elmar Thevesen schätzte Trump anders ein: „Alle rechnen mit einer Eskalation“, erzählte er aus Washington zugeschaltet. Selbst im Iran glaubten viele nicht mehr an ein Einlenken des US-Präsidenten.
Die im Iran geborene Politologin Diba Mirzaei berichtet von der großen Angst der Menschen im Iran: „Sie fragen sich: Kommt jetzt die nächste Katastrophe? Kommt sogar eine nukleare Katastrophe?“
Trumps Drohungen beinhalteten auch Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Iran, wozu das Atomkraftwerk Buschehr gehört. Laut Mirzaei werden in der Region bereits Jod-Tabletten verteilt, um die Bevölkerung auf mögliche Strahlenbelastung vorzubereiten.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
CSU-Mann sieht USA und Israel im Einklang mit dem Völkerrecht
Solche Angriffe auf Brücken und Kraftwerke wären Kriegsverbrechen. Damit konfrontiert Markus Lanz den CSU-Politiker Alexander Hoffmann: „Da kündigt einer faktisch Kriegsverbrechen an. Was sagen Sie dazu?“
Hoffmann sieht die Drohungen als „Teil einer Show von Trump“. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits Angriffe auf Autobahnen und andere Infrastruktur. Trotzdem sagt Hoffmann: „Ich gehe fest davon aus, dass sich die USA und Israel an das Völkerrecht und internationales Kriegsrecht halten.“
Diese unkritische Haltung gegenüber der Kriegsführung der USA und Israels stieß bei den Mitdiskutanten für Unverständnis. Elmar Thevesen erzählt, dass selbst in den USA die Mehrzahl der Rechtsexperten Angriffe auf die zivile Infrastruktur im Iran als Kriegsverbrechen sehe. „Auch schon die Androhung fällt in diese Kategorie“, bemerkt er.
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Politologin: „Was daran ist schwierig zu benennen?“
Auch Mirzaei hat wenig Verständnis für Hoffmanns Haltung: „Ich finde es sehr schwierig, noch so viel Vertrauen in die israelische und US-amerikanische Kriegsführung zu haben“, sagt sie an Hoffmann gewandt.
Seit zweieinhalb Jahren breche Israel mit Deckung der USA jedes Völkerrecht in Gaza. Auch der Krieg gegen den Iran sei völkerrechtswidrig: „Was daran ist schwierig zu benennen?“, fragt sie Hoffmann.
Hoffmann beteuert, er habe dahingehend „unterschiedliche Einschätzungen“. Diese Sichtweise deckt sich jedoch nicht mit der Meinung der Mehrheit der Völkerrechtler, die den Krieg als völkerrechtswidrig einstufen. Hoffmanns Verteidigung der USA und Israels dürfte strategischer Natur sein – beide Länder sind enge Verbündete Deutschlands.

Auch beim Atomprogramm gibt es „unterschiedliche Einschätzungen“
Ähnlich sind auch seine Äußerungen zum Atomprogramm des Iran zu bewerten, das von den USA als ein Kriegsgrund angeführt wurde. Auch Hoffmann macht sich diese Argumentation zu eigen: „Wenn der Iran bereits eine Atombombe hätte und dann die Straße von Hormus schließt, ist die Situation noch schlechter.“
Lanz grätscht dazwischen: Sogar Tulsi Gabbard, Koordinatorin der US-Geheimdienste, distanziere sich von diesem Narrativ. Die Behauptung, der Iran stünde kurz vor dem Bau der Bombe, bezeichnet sie als „totalen Quatsch“. Lanz konfrontiert Hoffmann damit: „Ich verstehe ja, dass man Angst haben muss vor diesem Regime und relativiere da auch nichts, aber offensichtlich scheint diese Information nicht zu stimmen.“
Auch hier spricht Hoffmann wieder von „unterschiedlichen Einschätzungen“ und erntet dafür deutliche Kritik von Mirzaeii. Sie findet, dass man hier vor allem auf die internationale Atomenergiebehörde hören sollte: „Wenn wir nicht mal mehr den Institutionen vertrauen, die sonst immer gute Arbeit geleistet haben, kommen wir in eine schwierige Lage“, betont sie.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Neumann: „Könnte ein Wendepunkt der Geschichte sein“
Der Sicherheitsexperte Neumann glaubt, dass der Iran bislang strategisch gestärkt aus dem Konflikt herausgehe: „Es könnte einer dieser Wendepunkte der Geschichte sein, an dem sich die tektonischen Platten der Weltordnung stark verändern.“ Der Iran habe nun gemerkt, wie mächtig die Straße von Hormus als Druckmittel ist: „Jeder, der da in Zukunft durchmöchte, muss die Iraner bezahlen“, glaubt er.
Er sehe deshalb zwei Szenarien. Entweder die USA schicken Bodentruppen, um das Regime doch noch zu stürzen, oder der Krieg „endet mit einer Situation, die de facto eine Niederlage für den Westen und für die USA ist.“
Ob diese Einschätzung Bestand hat, ist nach dem Verkünden der zweiwöchigen Waffenruhe unklar. Wenn diese Sendung eines gezeigt hat, dann, dass viele Analysen binnen kürzester Zeit von der Realität überholt werden.









