Es sind dramatische Worte, mit denen der Chef der Internationalen Energieagentur die Folgen der Blockade der Straße von Hormus für die Weltmärkte beschreibt: „Was gerade geschieht, ist die größte Energiekrise der Menschheitsgeschichte“, betont Fatih Birol in einem Einspieler bei Maybrit Illner. Eine Einschätzung, die auch Wirtschaftswissenschaftlerin Isabella Weber teilt. Die Krise habe „Dimensionen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können“, warnt sie im Studio und vergleicht die aktuelle Lage mit einer großen Welle, bei der man erst viel zu spät merke, dass es sich dabei eigentlich um einen Tsunami handelt. 

Dieser alarmierende Ton ist umso bemerkenswerter, weil er im starken Kontrast zur Kommunikation der Bundesregierung steht. Trotz steigender Ölpreise und wachsender Sorgen vor Engpässen beschwichtigt der Kanzler: Die Versorgung sei gesichert. Also bitte bloß keinen Alarmismus.

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Im Studio von Maybrit Illner ist davon allerdings wenig zu spüren. Die Moderatorin selbst zeichnet ein düsteres Gesamtbild: „Wir haben mittlerweile zwei wahnsinnig ernst zu nehmende Kriege, wir haben ein völlig neues Kräfteverhältnis in der Welt, wir haben einen großen Freund verloren und wir haben mittlerweile noch nicht so viele neue hinzugewonnen.” Eine brisante Diagnose, der auch der Grünen-Co-Chef Felix Banaszak wenig entgegensetzen kann.

Umso schärfer fällt seine Kritik an der politischen Reaktion aus. Der „Modus der Regierungspolitik“ wirke trotz der fundamentalen Krisen, als sei alles weiterhin „business as usual“. Er vermisse zum Beispiel eine TV-Ansprache, in der sich Friedrich Merz direkt an die Bevölkerung wendet, um die Lage einzuordnen. So, wie es Angela Merkel einst in der Pandemie getan hat. Immerhin brauche es gerade in Zeiten, in denen die Menschen von Krise zu Krise taumeln, Orientierung und Klarheit. Genau diese fehle bislang.

Eine Kritik, die Thorsten Frei (CDU) nicht nachvollziehen kann. Merz äußere sich „doch permanent“, verteidigt der Chef des Bundeskanzleramts seinen Parteichef. Etwa in Regierungserklärungen im Bundestag. Und überhaupt: Die Menschen seien durchaus in der Lage, die aktuelle Situation selbst richtig einzuschätzen.

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Um die politischen Antworten auf die aktuelle Krise einzuordnen, hat Maybrit Illner an diesem Donnerstag gleich zwei Wirtschaftsexperten an ihren Tisch geladen. Sie schauen skeptisch auf die beschlossenen Entlastungen der Bundesregierung. „Eine Politik, die die am meisten belohnt, die am meisten Autofahren, ist nicht der zielgerichtete Weg”, kritisierte Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, den geplanten Tankrabatt.

Seine Kollegin Isabella Weber fordert, stattdessen lieber nachhaltige Alternativen für alle günstiger zu machen. Zum Beispiel durch einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr oder die Rückkehr des 9-Euro-Tickets. Die aktuelle Situation erinnere Schularick zudem an eine sehr ähnliche Debatte kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Auch vor vier Jahren seien die Energiepreise stark gestiegen. Damals sei es gelungen, knapp 20 Prozent weniger Gas zu verbrauchen. Das habe funktioniert, weil die Regierung höhere Preise zugelassen und damit Anreize gesetzt hätte. „Sparen funktioniert“, so Schularick knapp.

An Frei prallt die Kritik jedoch ab. „Egal was wir gemacht hätten, wir hätten die gleichen kritischen Diskussionen geführt“, sagt er und holt zum Angriff gegen Banaschek aus: „Sie glauben, dass sie den Menschen erklären müssen, wie sie richtig leben sollen. Das ist aber gar nicht notwendig.” Ein Vorwurf, der nicht ganz ohne Ironie ist. Immerhin kamen Lebensratschläge zuletzt eher aus den eigenen Reihen. Insbesondere von Friedrich Merz, der mit Appellen wie „mehr arbeiten und weniger krankfeiern” für Stirnrunzeln sorgte.