Böllerverbot zu Silvester stößt in Thüringen auf wenig Gegenliebe

Erfurt.  Ein Böllerverbot zu Silvester? In Thüringen findet sich für diese Idee nur wenig Gegenliebe.

Feuerwerk in der Silvesternacht 2019 über dem Jenaer Stadtzentrum, fotografiert vom Landgrafen aus.

Feuerwerk in der Silvesternacht 2019 über dem Jenaer Stadtzentrum, fotografiert vom Landgrafen aus.

Foto: Tino Zippel

Auf recht verhaltene Resonanz unter Thüringern stößt die Idee eines generellen Böller-Verbots an Silvester. Strikte Befürworter fanden sich in einer adhoc-Umfrage unserer Zeitung nicht. In Berlin hatten die Grünen mit Blick auf die Corona-Infektionslage gefordert, neben großen Partys auch das Feuerwerk zu verbieten. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach sich ebenfalls gegen Böller und Raketen aus. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

In Thüringen wägt Michael Brychcy, Präsident des Gemeinde- und Städtebunds, die Frage überlegt ab. Zum einen würde ein solches Verbot erheblich in die Freiheitsrechte eingreifen, sagte er. Zudem stellten sich damit praktische Probleme – etwa das der Durchsetzung. Denn die Ordnungsämter wären dazu wohl kaum in der Lage. „Ich halte von dem Vorschlag im Moment nicht besonders viel“, erklärte Brychcy. Man müsse auch abwarten, wie sich die Corona-Lage entwickelt.

Appell an die Vernunft der Bürger angemessener als ein Verbot

Auch Kai Christ von der Gewerkschaft der Polizei sagte: „Ein Verbot geht mir als Mensch und Bürger zu weit. Als Polizist weiß ich, es würde uns viele Einsätze ersparen.“ In normalen Jahresendnächten werden zwar zusätzliche Unterstützungskräfte aufgeboten. Ob damit aber größere Menschenansammlungen zu verhindern wären? Einen eindringlichen Appell an die Vernunft der Bürger hält Christ für angemessener als ein Verbot.

Knut Bernsen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Thüringen, warnt vor dem Irrglauben, dass es reiche, die zertifizierten Feuerwerkskörper aus den Regalen zu verbannen. Die Menschen, die das neue Jahr unbedingt mit Knallern und Raketen begrüßen wollen, würden sich dann eben mit „grauer Ware“ eindecken. Selbst Martin Schünemann, Vorsitzender des Tierschutzvereins Jena, kann sich kaum vorstellen, das Brauchtum per Dekret zum Verschwinden zu bringen.

Natürlich litten Tiere unter der Knallerei sehr, sagte er. Deshalb appellierte er, nicht in der Nähe von Tieren zu böllern. Seine Kompromissidee: dass jede Kommune ein organisiertes Feuerwerk abhalte, an dem jedermann sich erfreuen könne.

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