Die Weißstörche im Gothaer Tierpark turteln und bauen fleißig am Nest

Gotha  Im Gothaer Tierpark durch das Jahr Beim Pärchen der Klapperstörche könnte es im Juni Nachwuchs geben

Die Weißstörche fühlen sich im Gothaer Tierpark sichtlich wohl. Foto: Lutz Ebhardt

Die Weißstörche fühlen sich im Gothaer Tierpark sichtlich wohl. Foto: Lutz Ebhardt

Foto: zgt

Herr Storch trägt ein Stöckchen im Schnabel. Und lässt es doch wieder fallen. Es gefällt ihm wohl nicht. Er sucht offensichtlich Material für den Nestbau. Frau Störchin hat den roten Schnabel zwischen die Bäume gesteckt. Was sich da wohl verbirgt? Wer genau hinsieht, kann es als Besucher erkennen. Sie ordnet alles, was nach Nest aussieht.

Die Sache ist ganz klar. Hier haben zwei einander gefunden und planen für die Zukunft. Dabei hat sich Herr Storch gerade damit in der letzten Zeit schwer getan. Das weiß Roland Walther, der Tierpark-Direktor.

Die Tiere, die der Legende nach die Babys bringen, leben gern in treuen Partnerschaften. „Sie kommen in der freien Wildbahn immer wieder zu ihrem Horst zurück, bessern ihn aus und bauen nach Bedarf an“, erzählt Roland Walther. „Es gibt Horste, die werden zwei Tonnen schwer.“

Herr Storch im Tierpark hatte allerdings seine Gattin verloren und war wegen einer neuen Bindung lange Zeit unentschlossen. „Nun hat es doch noch gefunkt mit einer Jüngeren“, sagt der aufmerksame Chef im Gothaer Tierpark. Gerade entsteht ein Nest in der Mitte der eng zusammenstehenden Baumstämme. Die verstorbene Störchin baute das Nest stets im Haus, aus alter Gewohnheit. Die Tiere kommen im Park abends in das Haus, damit der Fuchs sie nicht holt.

Das kennen die schönen Brüder und Schwestern, die mit rotem Schnabel, langen Beinen, weißem Gefieder und schwarzen Schwungfedern als Zugvögel in freier Wildbahn reisen, nicht. Ihre Routen sind einem Experten wie Roland Walther gut bekannt. Weißstörche, die westlich der Linie vom holländischen Ijsselmeer über den Harz bis zu den Alpen leben, ziehen über die Meerenge von Gibraltar bis in die südliche Sahara.

Ihre Artgenossen, die im Sommer östlich dieser Linie leben, reisen über die Türkei, über Israel und Ägypten bis Ost- und sogar Südafrika. Sie legen bis zu 10 000 Kilometer zurück. Dass sie, so gut als möglich das Mittelmeer meiden, hat einen physikalischen Grund, den Roland Walther nennt: „ Störche sind Segler, sie brauchen eine warme, aufsteigende Luft. Die gibt es über dem Wasser weniger als über dem Land.“

In Deutschland leben schätzungsweise 4500 Weißstorch-Paare. In Polen, dem Storchenland Europas, sollen es rund 50 000 Paare sein. Das hat mit der dort weniger intensiven Landwirtschaft und vielen naturbelassenen Flächen zu tun.

Als Futter mögen die Störche Würmer, Insekten, Mäuse, Frösche, Lurche. Sie verspeisen auch junge Ratten und sammeln Schädlinge auf.

„Immer mehr Störche ziehen nicht in den Süden, weil unsere Winter immer milder werden“, sagt Roland Walther, während er dahin geht, wo die Störche im Gothaer Tierpark leben. Er sieht einige Minuten beim Nestbau zu und sagt: „Sie legen bis zu fünf Eier und brüten bis zu 30 Tage. Die Jungstörche müssen dann schnell fit werden für den Herbst. Unsere Störche bleiben natürlich hier oder gehen an andere Tierparks.“

Von den Tieren, die in Gotha leben, hat ein Storch ein kaputtes Bein und ein Storch nur ein Auge. Sie kamen, weil für sie quasi eine Auffangstation gesucht wurde. Ein Tier ist seit 20 Jahren da und hat viele Nachkommen gebracht. Störche könne bis 35 Jahre alt werden.

Die Kinder bleiben oft länger am Teich stehen. Wo sonst können sie das Tier, das sie aus vielen Geschichten kennen, endlich in aller Ruhe und in echt beobachten.

Geöffnet von 9 bis 18 Uhr, Erwachsene 6 Euro, Kinder 3 Euro. Jahreskarten: Kinder 12 Euro, Erwachsen 24 Euro.

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