Jeder zweite Thüringer hat Angst vor exotischen Killermücken

Erfurt  Viele Thüringer haben Angst vor exotischen Mücken, welche sich langsam auch hier heimisch fühlen. Experten schätzen das Risiko, sich durch die Insekten mit einer Tropenkrankheit anzustecken, bisher als gering ein.

Mücken sind kleine nervige Biester.

Mücken sind kleine nervige Biester.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Viele Thüringer haben Angst vor exotischen Mücken. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). Demnach sorgt sich knapp die Hälfte der 18- bis 70-jährigen Teilnehmer vor einer Übertragung gefährlicher Krankheiten. „Der Grund: Es werden immer mehr fliegende Exoten eingeschleppt, die sich dank des Klimawandels hierzulande allmählich heimisch fühlen – etwa die Asiatische Tigermücke“, sagt Sebastian Schulz, Sprecher der KKH in Erfurt. Diese könne das Dengue-, das Gelbfieber- und das Zika-Virus übertragen. Nachgewiesen wurde sie auch in Thüringen.

Zwar sieht Schulz derzeit keinen Grund zur Panik. „Die meisten Betroffenen infizieren sich bislang im Ausland“, so der Kassenvertreter. Das Robert-Koch-Institut bestätigt: „Eine Ansteckung mit dem Zika-Virus durch Mücken in Deutschland wurde bisher nicht beschrieben. Das Risiko wird bislang als gering eingeschätzt.“ Sorge bereitet jedoch der generelle Anstieg bei Arztkontakten nach Mückenstichen aller Art. Laut KKH-Studie berichtet jeder vierte Geplagte von Entzündungen oder allergischen Reaktionen. Vier von zehn Betroffenen mussten sich nach Insektenstichen ärztlich behandeln lassen.

Experten registrieren immer mehr neue Spinnen- und Moskitoarten

„Mit jedem Stich können Erreger übertragen werden, die häufig Ursache starker Schwellungen und schwerer Entzündungen sind. Durch Kratzen gelangen Keime oder Bakterien von tierischem Kot in den Körper“, sagt Schulz.

Experten registrieren immer mehr neue Spinnen- und Moskitoarten, die durch Klimawandel, Tourismus und Welthandel einwandern. Dazu gehört Hyaloma marginatum, die Hyaloma-Zecke, die, anders als heimische Zecken, ihre Wirte aktiv angreift. Für 2018 berichtete das RKI von knapp zwei Dutzend Hyalomma-Zecken, die Bürger verschiedener Bundesländer fanden. Da die aggressiven Blutsauger auch Zugvögel befallen, ist eine Verbreitung wahrscheinlich. Die Zecken sind ein Reservoire für das Krim-Kongo-Virus.

Die Asiatische Tigermücke wurde 2015 in Jena entdeckt und seitdem wiederholt nachgewiesen, so auch 2018 an vier Standorten auf Jenaer Friedhöfen. Man müsse von einem etablierten Stamm ausgehen, so Mückenexpertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf), das den Mückenatlas mit verantwortet. Größer sind die Vorkommen in Heidelberg oder Freiburg, wo es um diese Jahreszeit Hunderte Tigermücken gibt.

Ängste sind nicht unbegründet

Ängste vor dem Transporteur von über 20 Erregern sind nicht unbegründet. Die Mücke sticht gern mehrere Menschen nacheinander, was die Übertragung von Krankheiten begünstigt. Reisende bringen Viren mit, ist nur ein Infizierter unter den Gestochenen, kann sich die Krankheit schnell verbreiten.

Wie die Tigermücke gehören auch die Asiatische Buschmücke sowie Aedes koreicus, für die es noch nicht einmal einen deutschen Namen gibt, zu potenziellen Krankheitsboten. Trockenheit schreckt sie nicht, da sie mit weniger Feuchtigkeit auskommen als hiesige Arten.

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