„Überdimensionierter Fehlplanung“: Grüne fordern Baustopp am Klimazonenhaus in Erfurt

Erfurt  Fraktionschef Thumfart spricht von „überdimensionierter Fehlplanung“ und sieht für viele Erfurter Buga-Projekte schwarz

Das Danakil, hier eine Visualisierung, soll mit der Buga am 23. April 2021 eröffnet werden.

Das Danakil, hier eine Visualisierung, soll mit der Buga am 23. April 2021 eröffnet werden.

Foto: Stadtwerke Erfurt

Ein halbes Jahr nach dem Spatenstich stellen die Grünen Erfurts größte Buga-Attraktion in Frage. Der Bau des Urwald- und Wüstenhauses Danakil im Egapark solle abgebrochen werden, meint Ludger Kanngießer.

„Dass wir angesichts der Hitze einen Schauraum für eine Halbwüste brauchen, hat uns von Beginn an nicht eingeleuchtet“, sagt der Stadtrat. „Deshalb fordern wir ganz dringlich, auf den Bau von Danakil zu verzichten“. Kanngießer verwies auf „enorme Nebenkosten“, die durch die Klimatisierung des Hauses entstehen würden.

Die Grünen seien immer schon gegen das Projekt gewesen, meint auch Fraktions-Chef Alexander Thumfart. Das Klimazonenhaus sei als Thema willkürlich gewählt und habe keine Beziehung zur Ega, zur Stadt und ihrer Gartenbautradition. „Genausogut könnten wir einen Kühlpavillon hinsetzen“, meint Thumfart.

Dass die Grünen ausgerechnet jetzt das Projekt abblasen wollen, da schon die ersten Mauern aus dem Baugrund ragen, habe aber vor allem mit Planungs- und Baurückständen sowie mit Finanzierungslücken der Buga insgesamt zu tun. „Wir werden auf Projekte verzichten müssen, weil wir sie nicht umsetzen oder finanzieren können“, sagt Thumfart.

Dabei bezieht sich der Grüne auf interne „Informationen“, deren Charakter und Quelle er derzeit nicht näher benennen möchte. Dies widerspricht allerdings Angaben, die der für die Bundesgartenschau 2021 verantwortliche Dezernent Alexander Hilge (SPD) noch vor wenigen Wochen gemacht hatte.

Gegenüber unserer Zeitung bestätigte Hilge, dass der Anstieg der Baukosten und die Verfügbarkeit von Firmen Probleme bereiten. Das Grundkonzept sei aber nicht infrage gestellt.

„Wir müssen uns damit auseinandersetzen, ob es einen Punkt gibt, an dem wir auf einzelne Sachen verzichten müssen“, sagte Hilge. Diese Maßnahmen würden aber nicht die Ausstellungsbereiche betreffen und seien von untergeordneter Natur. Als Beispiele nannte Hilge den Gera-Radweg, wo der Ausbau statt beidseits der Gera nur auf der Westseite erfolgen könnte oder den möglichen Verzicht auf die Sanierung einiger kleiner Wege.

Laut Thumfart stellt sich die Lage weitaus dramatischer dar. „Wir dürfen nicht länger so tun, als würde alles fein werden“, sagt er. „Das wird es nicht.“ Angesichts der Kalamitäten wolle die Fraktion nun doch politisch gegen das Danakil angehen, das bisher „mit Zähneknirschen akzeptiert“ worden sei.

Thumfart kündigt einen Prüfauftrag an, um herauszufinden, welche Kosten schon entstanden sind und durch Verträge noch auf die Stadt zukommen. Dann gelte es Wege zu finden, „wie wir da wieder rauskommen“, sagt Thumfart und spricht von einer „völlig überdimensionierten Fehlplanung.“

Das Klimazonenhaus, das den Besuchern die Lebensräume Urwald und Wüste näher bringen soll, gilt als künftige Hauptattraktion der Ega. Da andere Ideen für spektakuläre Projekte etwa auf dem Petersberg scheiterten, ist Danakil zugleich das Projekt, das bei der Erfurter Buga die meiste überregionale Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürfte. Die Kosten sind mit 21,4 Millionen Euro veranschlagt und werden allein vom Land mit 15,5 Millionen gefördert.

Der Verlust solcher Strahlkraft würde Thumfart nicht schrecken. Er lehnt die „Hetze nach großen Attraktionen“ ab. Die Buga selbst wollten die Grünen aber nicht in Frage stellen. Vielmehr sei noch Zeit umzudenken und eine „thematisch angemessene“ Bundesgartenschau zu präsentieren.

„Traditionelle Bundesgartenschauen sind out“, sagt Thumfart. Hingegen könne mit Themen wie Resilienz, Nachhaltigkeit, Klimawandel oder essbare Stadt eine erfolgreiche Buga auf die Beine gestellt werden.

Die derzeitige Trockenheit sei ein weiterer Beweggrund, mit dem Protest gegen Danakil an die Öffentlichkeit zu gehen. Thumfart führt die Dürre auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurück. „Wir inszenieren eine Halbwüste mit Energiekosten in großem Stil, wo die Halbwüste doch draußen stattfindet – das ist absurd“, sagt er. Lernorte über Halbwüsten seien auch „der Anger oder eine Wohnung im Plattenbau“.

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