Hörselberg-Hainich/Erfurt . Thüringen soll ob seiner Lage bei der Wiederansiedlung der bedrohten Tierart eine besondere Rolle zukommen. Zwei Luchse machen nun den Auftakt für ein langfristig geplantes Projekt.

Damit sich Luchse in Europa wieder besser ausbreiten können, sind im Thüringer Wald zwei Pinselohren ausgewildert worden. Die Luchsin „Frieda“ und der Luchs „Viorel“ sind laut Umweltministerium am Mittwochabend in die Wildnis entlassen worden. Die beiden sind die ersten Tiere, die innerhalb eines großen Projekts zur Wiederansiedlung der streng geschützten Katzenart ausgewildert wurden. Die zwei Luchse tragen Halsbänder mit Peilsendern, um ihre Bewegungen nachvollziehen zu können.

Frieda wuchs in einem großen und naturnahen Gehege im Wildkatzendorf Hütscheroda (Wartburgkreis) auf. Das spezielle Gehege ist abgeschirmt von Besuchern, um die darin lebenden Tiere mit möglichst wenig Menschenkontakt auf das Leben in freier Wildbahn vorzubereiten. Zuletzt wurden Frieda und der aus Rumänien stammende Wildfang Viorel für einige Wochen in ein Auswilderungsgehege im mittleren Thüringer Wald gebracht. Dort konnten sie sich in benachbarten Gehegeteilen beschnuppern, hieß es. In den nächsten vier Jahren sollen so jedes Jahr bis zu fünf weitere Luchse Frieda und Viorel in die Wildnis folgen.

Thüringer Wald als Verbindungsstück für Luchspopulationen

„Die Zukunft der Luchse in Deutschland entscheidet sich in Thüringen“, sagte Max Boxleitner, Leiter des Projekts „Luchs Thüringen - Europas Luchse vernetzen“ bei der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland. „Wir brauchen die Thüringer Wälder als Verbindungskorridore zwischen den Luchspopulationen im Harz und im Bayerischen Wald.“ Neben dem Harz und dem Bayerischen Wald ist der Luchs auch im Pfälzerwald heimisch. Die voneinander isolierten Regionen verhindern, dass sich Tiere aus den verschiedenen Gebieten paaren können. Thüringen sei aber auch als Drehkreuz für die Luchspopulation in Mitteleuropa von Bedeutung, um einen genetischen Austausch zwischen den Populationen zu gewährleisten, so Boxleitner.

Umweltminister Bernhard Stengele (Grüne) sprach von einem wegweisenden europäischen Projekt. „Unser Ziel ist eine gesunde und stabile Luchspopulation im Thüringer Wald, mit der wir allmählich die Luchspopulationen in Deutschland und Mitteleuropa vernetzen.“

Für das Projekt arbeiten das Thüringer Umweltministerium, die Umweltorganisationen BUND Thüringen und WWF Deutschland mit dem Wildkatzendorf Hütscheroda, der Landesforstanstalt und dem Landesjagdverband Thüringen zusammen. Beteiligt sind auch das Unesco-Biosphärenreservat Thüringer Wald, der Naturpark Thüringer Wald, die Georg-August-Universität Göttingen und rumänische Projektpartner. Das Ministerium nimmt dafür rund 2,9 Millionen Euro in die Hand, das Gros stammt aus EU-Mitteln.

Wohl nur wenige Luchse in Thüringen heimisch

Der Luchs wurde in Westeuropa in der Vergangenheit lange stark verfolgt und galt zeitweise als ausgestorben. Mit menschlicher Hilfe werden die Raubtiere nun in einzelnen Gebieten wieder angesiedelt. Luchse jagen Rehe und anderes Schalenwild, das gerne junge Triebe von Bäumen frisst. Deshalb sind sie Experten zufolge auch wichtig für das Ökosystem Wald. In Deutschland leben nach Schätzungen des BUND rund 200 Luchse. Von etwa fünf bis zehn Luchsen, die dauerhaft in Thüringen leben, gehen BUND Thüringen und WWF aus.

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